Nachwuchs-Rennfahrer Alex Mohr träumt vom Le-Mans-Start
Alex, du bist Halbzeitmeister beim ADAC Tourenwagen Junior Cup und hast dir auf dem Hockenheimring den Doppelsieg gesichert. Hättest du vor der Saison damit gerechnet?
Dass es in der Serie so gut läuft wie bisher, das erwartet man nicht unbedingt. Im vergangenen Jahr hatten andere, die schon in ihrer zweiten oder dritten Saison waren, natürlich mehr Chancen, aber ich konnte ganz gut mithalten. Für dieses Jahr habe ich im Winter viel trainiert. Jetzt läuft es super. Da hat sich die harte Arbeit ausgezahlt.
Du hast mit acht Jahren angefangen, Kart zu fahren. Wie bist du dazu gekommen?
Am Anfang war Kartfahren nur ein Hobby. Mit zehn bin ich dann mein erstes Rennen in der Miniklasse gefahren und immer weiter aufgestiegen. Das war dann auch der Anreiz, dass ich vor zwei Jahren aufs Auto umgestiegen bin.
Was war die größte Umstellung für dich?
Im Kart ist alles noch nicht so komplex. Das Einzige, was man wirklich vom Kartfahren mitnehmen kann, ist das Eins-gegen-Eins-Fahren oder in der Gruppe zu fahren, zu überholen und zu verteidigen. Die Dimensionen im Auto sind ganz anders, von den generierten Daten, die man mit dem Renningenieur ausliest, bis zur Ausstattung. Das Auto ist innen komplett ausgebaut, mit Rennsitz und Renngetriebe. Es hat 150 PS, wir fahren bis zu 190 Kilometer pro Stunde.
Wie hat es sich angefühlt, das erste Mal so richtig zu beschleunigen?
Wenn man das erste Mal aufs Gaspedal drückt, ist das unbeschreiblich. Wenn man dann noch mit anderen fährt, macht es das natürlich noch eindrucksvoller. Irgendwann lässt das Gefühl nach, weil man sich dran gewöhnt, aber die ersten Eindrücke sind wirklich stark.

Hattest du schon mal Angst auf der Rennstrecke?
Eigentlich nicht. Wenn man voller Adrenalin ist, blendet man die Angst aus. Und so was gibt es ja überall, wenn man sich andere Sportarten anguckt. Zum Beispiel Skiläufer, die den Berg runterbrettern. Außerdem hat sich die Technik enorm weiterentwickelt. Wir haben Überrollkäfige, die uns schützen. Es gab in der vergangenen Saison schon einige schwere Unfälle, aber die Fahrer steigen einfach aus und haben gar nichts. Zum Glück.
Was geht dir vor einem Rennen durch den Kopf?
Ich bespreche vorher mit meinem Renningenieur die Punkte, die ich auf der Strecke noch verbessern muss. Die rufe ich mir ins Gedächtnis. Ein bisschen nervös bin ich schon, aber eigentlich kann ich mit dem Druck ganz gut umgehen und das ausblenden.
Hast du ein Ritual, bevor es auf die Strecke geht?
Ein richtiges Ritual nicht, aber ein Aufwärmprogramm. Am Anfang mache ich Seilspringen, um das Herz zu aktivieren, und trainiere mit kleinen Bällen meine Reaktionsfähigkeit. Und ich habe einen Plüschfrosch von meinen Eltern im Auto, schon von Anfang an. Der ist mein Glücksbringer.
Welche Rolle spielt die körperliche Fitness für einen Rennfahrer?
Motorsport ist ein Hochleistungssport. Das wird oft unterschätzt. Je schneller die Autos fahren, umso mehr G-Kräfte wirken auf den Körper, vor allem auf den Nacken. An einem heißen Tag haben wir in den Autos manchmal Temperaturen bis zu 60 Grad (Celsius/d. Red.). Wir haben keine Klimaanlage, die Fenster sind alle zu, und wir tragen feuerfeste Anzüge. Die Rennen dauern nur 20 bis 25 Minuten, aber man muss wirklich seine Ausdauer trainieren, damit man sich auch an solchen heißen Tagen gut konzentrieren kann.
Wie hältst du dich im Alltag fit?
Zu Hause habe ich einen Simulator, mit dem ich auf verschiedenen Rennstrecken trainiere. Außerdem gehe ich ins Fitnessstudio, spiele Tennis und fahre leidenschaftlich gern Rennrad.
Mit Ambitionen auf die Tour de France?
Das bleibt ein Hobby. Aber ich finde, man kann sich viel von anderen Profisportlern abschauen, vor allem, was die Mentalität angeht. Florian Lipowitz hat sich vergangenes Jahr echt bewiesen, bei seiner ersten Tour de France so weit vorn mitzufahren bis aufs Podium.
Apropos Podium, wo willst du in zehn Jahren ganz oben stehen?
Mein ultimatives Vorbild war eigentlich immer Lewis Hamilton (Rekordpilot der Formel 1/d. Red.). Aber weil ich mit 1,95 zu groß bin, kann ich nicht in der Formel 1 fahren (die Cockpits werden in der Formel 1 so klein wie erlaubt konstruiert, um bei der weiteren Konstruktion leistungsbeeinflussende Faktoren berücksichtigen zu können/d. Red). Mein Ziel ist es, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilzunehmen. Da ist Timo Bernhard mein Vorbild, der in der Langstrecke sehr erfolgreich war. Le Mans ist das traditionsreichste Rennen, das es gibt. Seit über 100 Jahren (1923/Das Motorradrennen auf der Isle of Man wird seit 1907 ausgetragen/d. Red). Wenn ich das schaffen würde, wäre das schon sehr cool.

Zu Timo Bernhard hast du eine besondere Verbindung. Du bist Teil des Juniorenteams von Team75, der Porsche-Werksmannschaft von Bernhard. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Wir sind 2022 auf ihn zugegangen, dann hat er mich in sein Förderprogramm aufgenommen. Das war ein toller Moment für mich. Er und sein Vater Rüdiger Bernhard haben mich in den vergangenen Jahren sehr unterstützt. Vor allem bei den Vorbereitungen, worauf ich bei meinem ersten Rennen achten muss, wie ich mich mental darauf einstelle. Das ist wichtiger, als man denkt. Für den Junior Cup bin ich ausgeliehen an Topcar Sport, ein Schweizer Team, weil ich noch nicht alt genug bin, um beim Porsche Cup mitzufahren. Team75 hat aber auch ein Sim-Racing-Team, wo ich oft mitfahre. Da fährt man virtuell auf den Rennstrecken. Das machen auch viele Formel-1-Fahrer, wie zum Beispiel Max Verstappen.
Wie unterscheidet sich das Fahren im Simulator von den Rennen im Auto?
Wenn man mal zwei oder drei Stunden im Simulator fährt, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Die Bremsen haben immer noch 60 Kilo, die man drücken muss. Das Lenkrad hat Vibration. Es ist natürlich physisch nicht so fordernd wie das richtige Fahren. Dafür ist es mental anstrengend, weil ich im Simulator oft Langstreckenrennen fahre. Da muss man viel mehr planen. Wann wechsle ich Reifen? Wann und wie viel tanke ich nach?
Inwiefern ergänzt das Sim-Racing dein Training mit dem Auto?
Im Simulator fahre ich meistens jeden zweiten Tag, weil es mir Spaß macht. Vor den Rennen dann noch ein bisschen intensiver als sonst. Mit dem Auto fahre ich im Sommer einmal im Monat auf dem Hockenheimring, dem Nürburgring oder in Oschersleben, damit ich im Rhythmus bleibe. Im Winter trainieren wir wegen der Wetterverhältnisse nicht draußen.
Wie bekommst du Schule und Sport unter einen Hut?
Natürlich müssen die Noten stimmen, sonst könnte ich das nicht machen. Von der Schule aus habe ich befreite Tage. Meistens sind das nur der Donnerstag und der Freitag, aber zum Beispiel bei der Kart-Europameisterschaft habe ich fast zwei Wochen gefehlt. Da muss man natürlich den Stoff nacharbeiten und auch die Klausuren nachschreiben. Das ist schon anstrengend, aber es ist mir auch wichtig, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Es gibt nur wenige Leute, die mit dem Motorsport später Geld verdienen. Nach der Schule will ich eine Ausbildung und ein Studium machen. Vielleicht etwas in Richtung Technik, aber das steht noch nicht fest.
Am Wochenende steht der ADAC Tourenwagen Junior Cup in Oschersleben auf dem Programm. Auf welcher Rennstrecke fährst du am liebsten?
Landschaftlich natürlich auf dem Red Bull Ring, der direkt in den Bergen liegt. Vergangenes Jahr sind wir nach der Formel 1 dort gefahren. Das war sehr beeindruckend, eine Woche vorher die ganzen Stars dort gesehen zu haben. Am meisten Spaß macht mir das Fahren aber auf dem Salzburgring, weil man dort auf der Geraden am schnellsten fahren kann.
Was ist für dich bei einem Rennen unentbehrlich?
Mein Team. Viele Leute denken, dass Motorsport ein Einzelsport ist, aber es ist ein Teamsport. Ohne Ingenieur und Mechaniker wäre ich nichts auf der Strecke. Und das wird immer mehr, je länger die Rennen sind. Bei einem Le-Mans-Team gibt es 30 Mechaniker und Ingenieure pro Auto. Das unterschätzen viele.