Regisseurin dreht „Der Geruch von Brokkoli" mit „Das Boot"-Star Ernst Stötzner

Stand: 18.07.2026, 18:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Am Set von „Der Geruch von Brokkoli“ von links: Regisseurin Kimia Eyzad-Panah, Schauspieler Ernst Stötzner und Schauspielerin Marzieh Alivirdi.

Am Set von „Der Geruch von Brokkoli“ von links: Regisseurin Kimia Eyzad-Panah, Schauspieler Ernst Stötzner und Schauspielerin Marzieh Alivirdi. © Enrico Sauda

Kimia Eyzad-Panah dreht in Frankfurt ihren fünften Kurzfilm – eine Liebeskomödie über zwei einsame Nachbarn. Die Idee dazu kam ihr bei Besuchen bei ihrer Tante im Iran.

Es könnte der Titel eines Horrorfilms für Dreijährige sein. „Der Geruch von Brokkoli“ ist aber eine Liebeskomödie, die von Einsamkeit, falschem Stolz und einer Liebe erzählt, die sich über Umwege zu erkennen geben möchte. Das alles packt Regisseurin Kimia Eyzad-Panah in ihren Kurzfilm.

Sie steht in einem Hinterhof eines Gebäudekomplexes in der Nähe des Zoos, wo Teile des Streifens entstehen. In dieser Szene geht es darum, dass Niklas, gespielt von Ernst Stötzner, bekannt aus „Das Boot“, „Charité“ und „Babylon Berlin“, Shirin, die von Marzieh Alivirdi gespielt wird, die in „Tatort – Aus dem Dunkel“ und der ARD-Serie „Almania“ zu sehen ist, erzählt, dass er bald ausziehen wird.

Die Idee zum Film stammt von Kimia Eyzad-Panah. Die im Iran Geborene lebt seit 16 Jahren in Deutschland, hat an der Kunsthochschule Kassel Film und Fernsehen studiert. „Der Geruch von Brokkoli“ ist ihr fünfter Kurzfilm – und ein sehr persönlicher. „Ich habe eine Tante, und wenn ich sie besuche, merke ich, dass sie mit ihrem Mann sehr viel streitet“, erzählt sie. „Von außen denkt man: Die haben überhaupt keine gute Beziehung. Aber dann habe ich nach mehreren Besuchen entdeckt, dass das eine besondere Art von Liebe ist. Liebe muss nicht immer so aussehen, wie wir sie kennen oder im Kino sehen. Es gibt einfach unterschiedliche Arten.“

Jetzt zum titelgebenden Gemüse: „Ich mag selbst keinen Brokkoli. Aber ich weiß, dass er sehr, sehr gesund ist. Und dann kam ich auf die Idee, den Geruch von Brokkoli mit dem Geruch von Liebe zu verbinden.“ Mit diesem Einfall ging sie zu den Produzentinnen Andishe Danesh und Antonia Best von „Neopol-Film“. Die hatte sie beim Film- und Media-Meetup kennengelernt, einer Veranstaltung für junge Filmschaffende.

„Da war sofort klar: Wir machen zusammen einen Kurzfilm. Ich habe die Idee ein bisschen erzählt, und dann haben wir das Drehbuch gemeinsam weiterentwickelt“, erinnert sich Kimia Eyzad-Panah.

Und darum geht’s: Der Rentner Niklas erträgt den täglichen Geruch von gegrilltem Brokkoli, der von seiner iranischen Nachbarin Shirin herüberzieht, nicht länger und beschließt auszuziehen. Was er nicht ahnt, ist, dass das alltägliche Grillen Shirins ganz eigene Form der Zuwendung war, eine Einladung, die er nie als solche erkannt hat.

Für Stötzner war es vor allem das Atmosphärische, das ihn an dem Stoff gereizt hat. „Es läuft nicht über Dialog, sondern darüber, wie man isst. Das ist relativ selten – und deswegen spannend.“ Dass es ein Kurzfilm ist, schreckt den erfahrenen Schauspieler nicht ab – im Gegenteil. „Das ist entspannt. Man kann Sachen ausprobieren. Sonst muss man immer nur funktionieren. Hier kann man auch mit sich selbst etwas Neues erfahren.“

Marzieh Alivirdi sprach die Rolle aus einem anderen Grund sofort an. „Als ich das gelesen habe, war mir klar: Genau das muss gesagt werden. Diese Einsamkeit, die die meisten Menschen in unserer Gesellschaft haben – damit möchte man sich oft nicht beschäftigen, darüber werden selten Filme gemacht. Aber es ist ein ernsthaftes Problem. Man manipuliert sich selbst, man will nicht wahrhaben, was man für jemanden empfindet. Dieser falsche Stolz. Oder einfach der Mut, den man verliert.“

Die in Frankfurt verwurzelte Theaterschauspielerin tourt mit ihrer persischsprachigen Gruppe Shamshir regelmäßig durch Europa sowie nach Kanada und in die USA.

Die Suche nach dem richtigen Drehort für „Der Geruch von Brokkoli“ erwies sich als eigene kleine Odyssee. „Wir haben monatelang gesucht und Erkundungstouren durch ganz Frankfurt gemacht“, berichtet Antonia Best. „Viele Balkone haben Trennwände – da kann man gar nicht zum Nachbarn rüberschauen. Es kamen also gar nicht so viele Häuser infrage.“

Am Ende fanden sie diesen Hinterhof. „Er gibt uns sehr viele Möglichkeiten, und die Umgebung ist auch ganz schön“, sagt Eyzad-Panah.

Beim Casting gingen ähnlich sorgfältig vor: Die Rolle der Shirin sollte von einer iranischen Darstellerin besetzt werden, für Niklas bekam die Regisseurin einen Vorschlag von ihrer Produzentin. „Ich habe ein Foto gesehen, ein paar Sachen geguckt, die er vorher gemacht hat – und sofort hatte ich das Gefühl: Ich habe meinen Niklas gefunden.“

Für die Regisseurin ist „Der Geruch von Brokkoli“ eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem ersten Langspielfilm – das Drehbuch „Goldfisch im Dunkeln“ war bereits Kandidat für den besten Hessischen Drehbuchpreis, beim Filmfest Emden gewann sie damit den Hauptpreis.