Rechtsextremer Körperschmuck? AfD-Kreistagskandidat gerät in die Kritik
Stand: 24.07.2026, 17:54 Uhr
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Matthias Körper kandidiert für den Rat der Stadt Bassum und den Diepholzer Kreistag. Am linken Unterarm trägt er ein Tattoo, das einem von Rechtsextremen vereinnahmten Symbol ähnelt.
Landkreis Diepholz/Bassum – Ein warmer Sommertag ist er gewesen, der 20. Juni. Sehr viel besseres Wetter hätte der AfD-Kreisverband gar nicht bestellen können, als er am Diepholzer Rathaus seinen Infostand aufgebaut hat. „Gesicht zeigen ist so wichtig“, sagt Matthias Körper, als er den Betreibern des politisch rechts einzuordnenden Youtube-Kanals „Freisicht TV“ seine Eindrücke und Vorhaben des Tages in Diepholz erläutert. Was der Vorsitzende des gemeinsamen AfD-Ortsverbands für Bassum, Twistringen und Syke sowie Kandidat für den Kreis- und den Bassumer Stadtrat dabei ebenfalls zeigt: seine Tätowierungen. Am linken Unterarm hat Körper ein Symbol tätowiert, das einem in rechtsextremen Kreisen verorteten Symbol mehr als ähnlich sieht: der sogenannten Schwarzen Sonne.
Das ist die Schwarze Sonne
Es besteht aus drei ineinanderliegenden Ringen. Sie sind durchzogen von zwölf gespiegelten Siegrunen, die etwa die SS als Symbol vereinnahmt hatte. Sie sind wie drei übereinandergelegte Hakenkreuze angeordnet. Im Gegensatz zum Hakenkreuz und der Siegrune ist die Verwendung der Schwarzen Sonne jedoch nicht verboten.
Zum Hintergrund: Die Schwarze Sonne ist ein Symbol, das in den Zeiten des Nazi-Regimes in Deutschland in den Boden des Nordturms der Wewelsburg in Büren (NRW) eingelassen wurde. Dort hatte die SS ein Quartier, baute die Burg auf Befehl von SS-Chef Heinrich Himmler ab den 1930er-Jahren um – dort sollte eine ideologische Kaderschmiede der Nationalsozialisten entstehen. In den 1990er-Jahren entdeckten Neonazi-Gruppen das Symbol für sich und nutzen es seitdem als Erkennungssymbol für ihre rechtsextreme Gesinnung.
Rein rechtlich spricht nichts dagegen, dass Matthias Körper diese Tätowierung trägt. Dennoch bleibt zu klären, weshalb ein Kreistags- und Stadtratskandidat sowie AfD-Ortsverbandsvorsitzender ein in rechtsextremen Kreisen verankertes Symbol als Tattoo trägt. Das Bündnis „Wir sind mehr“ im Landkreis Diepholz jedenfalls kritisiert Körper und bringt in einer Pressemitteilung einen Rückzug von dessen Positionen im Kreisverband ins Spiel.
Und das Bündnis „Wir sind mehr“ spricht noch weitere Punkte an. So soll Körper gemeinsam mit Uwe Mühlenhardt Konzerte besucht haben. Mühlenhardt war vor wenigen Wochen von seiner AfD-Kreistagskandidatur zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er auf seinem Facebook-Profil rechtsextreme Musik mit verfassungsfeindlichen Inhalten öffentlich geteilt hatte.
Die Mediengruppe Kreiszeitung hat Körper am Mittwoch mit den Vorwürfen konfrontiert. Im offiziellen Pressegespräch äußerte er sich zwar telefonisch, zog seine Aussagen jedoch tags darauf „nach anwaltlicher Beratung“ zurück und drohte mit rechtlichen Schritten im Falle einer Berichterstattung.
Auch der AfD-Kreisverbandsvorsitzende Andreas Iloff hielt sich auf anschließende Nachfrage der Redaktion mit einer generellen Beurteilung der Angelegenheit zurück. Nur so viel sagte er: „Das ist seine Privatangelegenheit.“ Für ihn sei der Kreistags- und Bassums Stadtratskandidat Matthias Körper „ein ganz normaler Kandidat“.
AfD-Kreisverband äußert sich
Am Freitagnachmittag jedoch äußerte sich Iloff anstelle von Matthias Körper doch noch inhaltlich auf eine schriftliche Presseanfrage, die die Mediengruppe Kreiszeitung an Körper gerichtet hatte. Darin hatte die Redaktion ihm Fragen zu seiner Tätowierung und zu seinen Verbindungen zu Uwe Mühlenhardt gestellt. In einem Gespräch mit dem AfD-Kreisvorstand hat Körper laut Iloff „glaubhaft versichert, dass es ihm sehr leidtut, dass es hier zu Missdeutung seiner Tätowierung kam“. Nach Körpers Aussage handele es sich nicht um die von Rechtsextremisten benutzte Schwarze Sonne, so Iloff. Körper habe dem Vorstand erklärt, dass es nie seine Absicht gewesen sei, „einen Bezug zu nationalsozialistischer Symbolik herzustellen“. Laut Iloff distanziert Körper sich von solchem Gedankengut – und wäre sogar bereit, die Tätowierung „so umgestalten zu lassen, dass es hier zu keinen Verwechslungen mehr kommt“.
Ob Matthias Körper in der Angelegenheit Konsequenzen drohen, bleibt offen. Iloff schreibt, dass der AfD-Kreisvorstand sich „intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und mit dem Landesvorstand das Vorgehen abstimmen“ werde. Das sei aufgrund von Urlaubs- und Ferienzeit aktuell jedoch nicht möglich. Er rechnet damit, dass das Thema in „spätestens drei Wochen“ zum Abschluss gebracht werden könne.
Zu den weiteren Fragen, etwa ob Körper gemeinsam mit Uwe Mühlenhardt auf Konzerten von Bands gewesen ist, in deren Musik verfassungsfeindliche Inhalte transportiert werden, machten weder Körper noch Iloff Angaben.