Razzia in Marzling: Kripo beschlagnahmt Schwerter und Armbrust – Besitzer fühlt sich schikaniert

Stand: 20.07.2026, 17:43 Uhr

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Sogar per Metallsonde wurden die Grünanlagen auf dem Gelände untersucht.

Sogar per Metallsonde wurden die Grünanlagen auf dem Gelände untersucht. © Richard Lorenz

Zehn Beamte haben am Montag ein Anwesen in Marzling bei Freising durchsucht. Der Besitzer bestreitet illegalen Waffenbesitz und erhebt seinerseits Vorwürfe.

Marzling – Auf den Pflastersteinen im Hof liegen große Messer und Gartenwerkzeug, unter dem Vordach eines Schuppens untersuchen Kriminalbeamte währenddessen mehrere sogenannte Samurai-Schwerter. Weitere Kripo-Beamte sind gleichzeitig im Gebäude zugange, andere durchsuchen die Schuppen, die Garage und ein Auto. Weshalb diese Razzia mit rund zehn Beamten über zwei Stunden lang durchgeführt wird, dürfen die Polizisten vor Ort nicht sagen. Neben einem Metalldetektor kommt auch ein Spürhund zum Einsatz.

Mit einem Spürhund wurde das Grundstück an der Freisinger Straße nach illegalen Gegenständen abgesucht.

Mit einem Spürhund wurde das Grundstück an der Freisinger Straße nach illegalen Gegenständen abgesucht. © Richard Lorenz

Unbekannt ist das Anwesen gegenüber des Rathauses bei den Marzlingern nicht, denn über lange Zeit hing an dem Schuppen zur Freisinger Straße hin gut sichtbar ein übergroßes AfD-Plakat, das aber inzwischen verschwunden ist.

Dieses Samuraischwert hat Brüll nach eigenen Angaben gegenüber dem FT auf dem Flohmarkt gekauft.

Dieses Samuraischwert hat Brüll nach eigenen Angaben auf dem Flohmarkt gekauft. © RL

Grundstücksbesitzer Wolfgang Brüll (69) hat nach der Hausdurchsuchung Redebedarf. „Viermal waren die in den vergangenen Jahren schon da, wegen unterschiedlicher Sachen“, erklärt er wütend. „Die hinterlassen einen Saustall – und das Handy haben sie auch mitgenommen.“ Die Razzia gehe laut Brüll auf das Konto seiner Ex-Lebensgefährtin, die ihn „hingehängt“ und behauptet habe, dass er Waffen im Haus aufbewahre. „So ein Schmarrn, die Schwerter habe ich auf dem Flohmarkt gekauft.“

Fühlt sich schikaniert und zu Unrecht beschuldigt: Grundstücksbesitzer Wolfgang Brüll.

Fühlt sich schikaniert und zu Unrecht beschuldigt: Grundstücksbesitzer Wolfgang Brüll. © Richard Lorenz

Mitgenommen hat die Einsatztruppe wohl auch einige größere Messer, andere hätten sie aber dagelassen, wie jene, die verstreut im Hof liegen. Verstehen könne er das nicht. Auf die Frage, ob er sich der Reichsbürgerszene zuordne, winkt Brüll ab. Er sei ein AfD-Anhänger und Patriot, mehr nicht. Was die Kripo wohl laut dem 69-Jährigen auch mitgenommen hat: eine Armbrust sowie Munition in Form von Eisenkugeln.

„Das ist alles nicht verboten“, erklärt Brüll, den es wundert, dass nicht auch seine Mistgabel konfisziert worden sei. „Ich habe nichts angestellt, rein gar nichts, aber ich werde behandelt wie ein Verbrecher“, beschwert er sich. Seine Nachbarin hat Mitleid. Sie schaut über den Zaun und meint: „Mei, waren‘s jetzt scho‘ wieder da?“

Auch das Auto wurde von den Polizisten genauestens unter die Lupe genommen.

Auch das Auto wurde von den Polizisten genauestens unter die Lupe genommen. © Richard Lorenz

Auf FT-Nachfrage erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, dass die Beamten einen Durchsuchungsbefehl wegen Verdachts auf illegalen Waffenbesitz vollstreckt haben. Grundlage hierfür seien Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gewesen. Ob die beschlagnahmten Gegenstände, wie von Brüll behauptet, tatsächlich nicht gegen das Gesetz verstoßen, oder ob es sich doch um illegalen Waffenbesitz handelt, das gelte es nun zu prüfen, sagte der Sprecher.

Was die Polizei in Ingolstadt ebenfalls verrät: Einen Zusammenhang zwischen dem großen Einsatz mit Hubschrauber in Marzling vergangene Woche und der Razzia am Montag bestehe nicht. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, betont der Sprecher, der aus ermittlungstaktischen Gründen zum ersten Fall aktuell noch nichts sagen könne und daher um Geduld bittet.