So hat die englische Presse das WM-Aus verdaut

Presseschau zu Englands WM-Aus

«Feigling Tuchel hat England an Messi ausgeliefert»

Messi und Lautaro beenden Englands WM-Traum: Argentinien feiert nach einem Last-Minute-Sieg den Einzug in den Final. Die englische Presse spricht von gebrochenen Herzen – und kritisiert Trainer Tuchel scharf.

Publiziert: 12:59 Uhr

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Aktualisiert: 13:28 Uhr

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Andri BäggliRedaktor Sport

«Halbfinal-Wahnsinn – Argentinien stürzt England ins Elend», titelt der Blick nach dem WM-Aus der Engländer. Die Fassungslosigkeit ist enorm: England verspielt mit einem komplett passiven Fussball eine 1:0-Führung. Erst trifft Enzo Fernandez in der 85. Minute aus der Distanz zum Ausgleich, ehe Lautaro Martinez in der Nachspielzeit eine Messi-Flanke zum 2:1-Siegtreffer ins Tor nickt. Der Jubel bei den Argentiniern ist grenzenlos, nach dem Schlusspfiff sinken die Spieler weinend zu Boden.

Bei den Engländern macht sich die grosse Enttäuschung breit. Die englische Presse, die sonst gerne auf alles und jeden einprügelt, gibt sich bislang versöhnlich – hier gibts eine Presseschau.

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England

Das britische Boulevard-Blatt «Sun» schreibt unmittelbar nach dem Schlusspfiff: «Welt des Schmerzes – den Three Lions wird das Herz gebrochen.» Ansonsten ist die Zeitung für bissige Kommentare und Schlagzeilen bekannt, beim WM-Aus gibt man sich trotz einer schwachen zweiten Hälfte relativ zahm: «Am Ende hat es nicht sein sollen. Zu Fall gebracht von dem wohl grössten Spieler aller Zeiten. Für Thomas Tuchel und England wird es in New York kein Märchen geben – keine Chance, die 60 Jahre des Leidens zu beenden.»

Auch die «Daily Mail» schlägt ähnliche Töne an: «Den Three Lions wird das Herz gebrochen! Joker Lautaro Martinez köpft in der Nachspielzeit nach einer Flanke von Lionel Messi den Siegtreffer. Es ist schon wieder passiert ... Erneute Enttäuschung für England. Aller guten Dinge sind eben nicht drei. Die Three Lions verlieren ihr drittes WM-Halbfinale in Folge – und diese Niederlage schmerzt mehr als die meisten anderen.» Nicht ganz so zurückhaltend ist «Daily Mail»-Reporter Ian Ladyman. In seinem Kommentar greift er den England-Trainer an: «Thomas Tuchels Wechsel kosteten England das Spiel gegen Argentinien – die Mannschaft war von da an ideenlos und zum Scheitern verurteilt. Es war ein Rückfall in die schlechten Angewohnheiten, für die Gareth Southgate kritisiert worden war.»

Ansonsten stimmt quasi die gesamte englische Presse überein. Überall liest man von «Herzschmerz», «qualvolles Gegentor» und vom «beendeten WM-Traum».

Argentinien

Anders sieht die Gefühlslage beim Gegner der Partie aus. Die auflagenstärkste Zeitung «Clarin» mit Sitz in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires titelt: «Mit purem Herzen! Argentinien dreht das Spiel gegen England und steht im Final». Auch den Trainer Lionel Scaloni und den doppelten Vorlagengeber Lionel Messi überschüttet das Blatt mit Lob: «Dank der klugen Auswechslungen des Trainers und eines Messi, der von Tag zu Tag perfekter zu sein scheint, kam Argentinien zurück und wird im Finale gegen Spanien antreten.»

«La Nacion» schreibt derweil von einem «Triumph für die Ewigkeit» und dass das Spiel gegen England die «beste Partie der WM» gewesen sei. Auch die «Perfil» schwärmt von Sieg: «Argentinien schreibt Geschichte: Nach einem Rückstand besiegten sie England und stehen nun im WM-Finale 2026.»

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Spanien

Die «Marca» blickt bereits in der Schlagzeile auf den Final gegen Spanien: «Argentinien schlägt England in sieben Minuten... und es wird eine Finalissima geben!» Im Final kommt es zum viel erwarteten Generationenduell zwischen Lionel Messi und Lamine Yamal. Die beiden haben eine Vorgeschichte: Messi badete Yamal, als dieser noch ein Baby war – die Bilder davon gingen um die Welt. In einem anderen Artikel schreibt die Zeitung zum erneuten Kraftakt der Argentinier: «Fussball wird mit der Seele gespielt».

Derweil schreibt die «AS»: «Messi will einen weiteren WM-Titel. Ein weiteres episches Comeback innerhalb von sieben Minuten bringt Argentinien ins Finale gegen Spanien, das am kommenden Sonntag in New York stattfindet. Gordon brachte England in Führung, doch Enzo – und anschliessend Lautaro – drehten die Partie», während die «Mundo Deportivo» titelt: «Wir haben einen Final! Lautaro vollendet Argentiniens Aufholjagd nach einem weiteren Geniestreich von Messi!»

Italien

In Italien ist man nicht sehr gnädig mit Englands Trainer Thomas Tuchel. «Feigling Tuchel hat die Three Lions an Messi und Lautaro Martinez ausgeliefert», schreibt etwa «Tuttosport». Die «Gazzetta dello Sport» wählt einen neutraleren Ansatz: «Zwei Vorlagen von Messi und ein Tor von Lautaro in der 92. Minute: Argentinien schlägt England und ziehn in den Final gegen Spanien ein».

Deutschland

Mit Humor und Spitzen tickert das Fussballmagazin «11Freunde» jeweils die WM-Spiele. Nach dem 2:1 der Argentinier steht als Eintrag: «Es ist nicht zu fassen! 2:1! England begeht Selbstmord aus Angst vor dem eigenen Tod. Stellen sich hinten rein, lassen Argentinien machen – und Argentinien macht. Messi kommt am Sechzehner an den Ball, nachdem Mac Allister nur den Pfosten getroffen hatte, flankt rein. Da steigt Lautaro Martinez hoch – Tor! Mon Dieu! My God! El Dios!»

Die Zeitung «Bild» schreibt «Wahnsinn! Argentinien nach Drama im WM-Final! Nach einer völlig verrückten Schlussphase steht die Albiceleste wieder im Endspiel der Fussball-WM! Erst in der Schlussphase dreht Argentinien das Duell mit England aus einem 0:1 in ein 2:1 und träumt von der Titelverteidigung.»

Australien

Der australische «Sydney Morning Herald» zählt Tuchel an und erklärt ihn indirekt zur grossen Reizfigur: «Was soll er jetzt machen? Wie könnte er (Tuchel, Anm. d. R.) als Staatsfeind Nummer eins überhaupt noch nach England zurückkehren? In den Sozialen Medien fragten sich Fans, Journalisten und Experten lautstark, ob Tuchel zu früh zu defensiv geworden war - und ob England für diese Entscheidungen schon bald würde bezahlen müssen. Warum glaubte er nicht an sein Team?»