Pogacar triumphiert im Radsport-Mekka Alpe d‘Huez – Tour-Sieg greifbar
Als Tadej Pogacar nach seiner Klettershow inmitten riesiger Zuschauermassen das Radsport-Mekka Alpe d‘Huez erreicht hatte, breitete der Tour-Patron die Arme aus und stieß die Siegerfaust in den Himmel. Mit seinem ersten Triumph im legendären Skiort ist dem slowenischen Ausnahmekönner das Gelbe Trikot bei der 113. Frankreich-Rundfahrt kaum mehr zu nehmen – ungeachtet der Krankheitswelle in seinem UAE-Team.
Pogacar stürmte die 21 berühmtesten Serpentinen der Welt in rekordverdächtigem Tempo hinauf. Wieder einmal fuhr der Ausnahmekönner in seiner eigenen Liga. Seine Rivalen ließ er förmlich am Berg stehen, 900 Meter vor dem Ziel schüttelte der Superstar auch die letzten Ausreißer ab. Nach 127,9 Kilometern holte sich Pogacar den Sieg vor dem Franzosen Lenny Martinez und Tokio-Olympiasieger Richard Carapaz aus Ecuador. Seine größten Rivalen im Gesamtklassement hatten gut zweieinhalb Minuten Rückstand.
Pogacar mit komfortabler Führung
Vor Teil zwei des Alpe-d‘Huez-Spektakels – am Samstag geht es wieder in den Alpen-Ort – liegt Pogacar in der Gesamtwertung nun komfortable 7:11 Minuten vor Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und 9:42 Minuten vor dem Mexikaner Isaac del Toro. Nur ein Sturz oder eine Krankheit können den Weltmeister wohl noch stoppen. Letzteres sorgt bei UAE für Alarmstimmung. Ein Virus geht um, mehrere Fahrer waren auf den letzten Etappen bereits arg beeinträchtigt.
Pogacars Helfer Nils Politt zeigte sich noch nicht beunruhigt. „Man hört von vielen Fahrern im Feld, dass sie angeschlagen sind und krank sind“, sagte er. Die Profis aus dem UAE-Team haben schon während der gesamten Rundfahrt Einzelzimmer. „Wir versuchen uns zu separieren“, so Politt. Am Abend vor der Etappe hätten diejenigen mit Beschwerden auf dem Zimmer gegessen.
Riesige Open-Air-Party an den Rampen
Pogacar war beim Spektakel in Alpe d‘Huez jedenfalls in prächtiger Form. „Dieses Jahr wird es ikonisch sein, weil wir zweimal dort hochfahren“, hatte der Superstar prophezeit. Und so kam es auch. Auf dem Weg zu seinem fünften Etappensieg bei der Tour 2026 sorgten mehr als eine halbe Million Zuschauer am Berg für eine Tollhaus-Atmosphäre. Tausende Radsport-Fans hatten bereits die Nacht in Zelten und Wohnwagen an den Hängen verbracht, an der Strecke herrschte zum Teil Megapark-Stimmung.

Mit ausgebreiteten Armen: Tadej Pogacar überquert die Ziellinie.© dpa | Pachoud
Als dann die Stars der Branche den 13,8 Kilometer langen und durchschnittlich 8,1 Prozent steilen Schlussanstieg hinaufkletterten, bot ihnen das Spalier der Zuschauermassen nur noch eine kleine Gasse.
Pogacar setzte bereits 13 Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke. Keiner seiner Rivalen konnte ihm mehr folgen. Darauf hätten wohl auch Jonas Vingegaard und Deutschlands Radstar Florian Lipowitz keine Antwort mehr gehabt. Die beiden Podiumsfahrer des vergangenen Jahres hatten ihren Tor-Traum am Sonntag bzw. am Dienstag nach Stürzen jeweils mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben müssen.
Ausreißergruppe ohne Erfolg
In den Schlussanstieg war noch eine 15-köpfige Ausreißergruppe mit mehr als drei Minuten Vorsprung gegangen. Doch bei dem höllischen Tempo von Pogacar schmolz der Vorsprung bei sommerlichen Temperaturen im Oisans-Gebirge.
Evenepoel setzte unterdessen im Kampf um Platz zwei einen kleinen Nadelstich, als er sich von seinen Konkurrenten lösen und einige Sekunden rausfahren konnte.
Für Pogacar war es der 26. Tour-Etappensieg seiner Karriere. Damit stehen in der Rekordliste nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35) und die beiden Fünffach-Toursieger Eddy Merckx (34) und Bernard Hinault (28) vor ihm. Geht er Slowene in dem Tempo weiter zur Sache, könnte der Rekord schon in zwei Jahren fallen.
Bereits am Samstag winkt dem Ausnahmekönner der nächste Etappensieg, wenn die Königsetappe der Tour wieder in Alpe d‘Huez endet. Dieses Mal wird der Skiort aber über den Col de Sarenne mit einem Abschnitt ohne Zuschauer angesteuert. Insgesamt warten auf die Fahrer 5.450 Höhenmeter und drei Berge der höchsten Kategorie. dpa