Peter Rüedi springt mit 81 Jahren aus 21 Metern (B+)

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Nele BachmannRedaktionelle Mitarbeiterin Sport

Publiziert: 13:42 Uhr

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Aktualisiert: vor 18 Minuten

21 Meter über dem Urnersee steht Peter Rüedi auf einer schmalen Plattform. Er dreht sich um, den Rücken dem Wasser zugewandt. Der Körper wie eine Bogensehne gespannt, nur seine Zehenspitzen berühren die Plattform noch. Einen Moment lang scheint die Zeit stillzustehen. Dann springt er.

Als junger Mann war Rüedi einst Stabhochspringer, ehe ihn eine Verletzung zum Umdenken zwang. Die Faszination für komplexe Bewegungen in der Luft blieb jedoch. So kommt es, dass der 81-Jährige heute an dem nach ihm benannten Peter’s Dive am Urnersee steht und er als Pionier des High Diving bekannt ist. Einige würden ihn vielleicht sogar als Legende bezeichnen.

Mehr als eine Randdisziplin

Doch fangen wir von vorne an: 1981 gründete Rüedi gemeinsam mit Gleichgesinnten den Verein Zürcher Wasserspringer (VZW), den ersten eigenständigen Wasserspringverein der Schweiz. Für den damaligen Schwimmverband war das fast schon eine Revolution, und alle nötigen Genehmigungen einzuholen, war kein Leichtes. Doch Rüedi gab nicht auf, denn er war überzeugt, dass Wasserspringen mehr ist als eine Randdisziplin des Schwimmsports. «Wasserspringen ist eine eigene Sportart mit eigenen Anforderungen, eigener Kultur und eigener Leidenschaft», so der 81-Jährige.

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Wasserspringer mit 81 Jahren:Peter Rüedis Geheimnis für ein aktives Leben

Doch auch nachdem die Gründung des neuen Vereins offiziell war, gab es ein Problem: Der VZW war praktisch pleite. «Es gab Eltern, die den Verein mitfinanziert haben, aber es fehlte uns trotzdem an Geld», erzählt Rüedi.

Alles, um das Publikum zu begeistern

Aus der Not heraus entwickelte er eine ungewöhnliche Idee: Eine Showgruppe sollte mit einem mobilen, bis zu 20 Meter hohen Turm an Seenachtsfesten und Grossveranstaltungen Wasserspringshows darbieten. Von der 20 Meter hohen Plattform stürzten sich die Athleten ins Wasser. Und die Sprünge wurden immer spektakulärer. Saltos, Schrauben und sogar Synchronsprünge wurden gezeigt, teilweise wurde sogar aus Helikoptern gesprungen. Alles, um das Publikum zu begeistern.

«Unsere Showgruppe war ziemlich pionierhaft unterwegs», erzählt Rüedi heute. «Wir haben uns selbst beigebracht, aus solchen Höhen zu springen. Das hat dann auch mal weh gemacht, aber schlimme Verletzungen gab es nie.» Während andere sie noch als Exoten bezeichneten, experimentierten er und seine Springer längst mit Sprüngen aus Höhen, die damals kaum jemand für möglich hielt. Aus der improvisierten Showgruppe entstand eine Bewegung. Einer seiner Weggefährten organisierte später die ersten High-Diving-Wettkämpfe im Tessin. Dort trat Red Bull erstmals als Sponsor auf und machte aus einer kleinen Szene eine internationale Wettkampfserie. Das, was heute High Diving heisst, begann als eine verrückte Idee einiger Wasserspringer.

Rüedi spricht über all das erstaunlich bescheiden. Er nennt sich nie Erfinder, sondern höchstens Initiant. Immer wieder betont er, dass es seine Mitstreiter gewesen seien, die aus Ideen Wirklichkeit machten. Zwar sieht er sich als Pionier, aber niemals als Gründer des High Diving. Erfolg hatte er trotz oder vielleicht sogar dank seiner Bescheidenheit. «Wir haben über 80 Shows gemacht. Teilweise finanzierten sie zwei Drittel des Vereins», erinnert sich Rüedi, der immer noch Ehrenpräsident des VZW ist.

Die Lebensfreude treibt ihn an

Heute springt er nicht mehr für ein Publikum, sondern nur noch für sich selbst. Das blaue Wasser und die wunderschönen Berge um den Urnersee geben da die perfekte Kulisse ab. «So ein Sprung gibt mir immer noch Lebensfreude, natürlich Adrenalin und ein kleines bisschen Selbstbestätigung», schmunzelt Rüedi. Und diese Lebensfreude will sich der 81-Jährige auch nicht nehmen lassen. «Meine Freundin macht sich zwar manchmal Sorgen und ich verstehe das auch, aber ich weiss eben, dass ich dieses Adrenalin ab und zu brauche.»

Trotzdem verabschiedet er sich langsam von den höchsten Plattformen. «Von 24 Metern bin ich mit 80 Jahren das letzte Mal gesprungen. Es ist gut gegangen, aber es ist jetzt genug.» Von 21 und 17 Metern springt Rüedi aber immer noch mit Vergnügen. Und sowieso: Seinen grössten Sprung hat er schon vor 45 Jahren gewagt – und der veränderte den Schweizer Wassersprungsport nachhaltig.