Pilot aus Langen wird Segelflugweltmeister
Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr
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Jan Omsels gewinnt mit seinem Teamkollegen Karsten Leucker die WM in Polen. Dabei muss das Duo eine mehrere hundert Kilometer lange Route bewältigen.
Langen – Es ist ein Hobby, das für viele wohl einen großen Traum darstellt: das Segelfliegen. Unbeschwert und leise durch den Himmel gleiten und die Welt aus der Vogelperspektive bestaunen. Für Jan Omsels, seit 2022 mit seiner Familie in Langen lebend, ist dieser Traum bereits seit seiner Jugend Realität: 1999 begann er das Segelfliegen beim Aero-Club Brüggen an der niederländischen Grenze. Heute, rund 27 Jahre später, ist Omsels frisch gebackener Segelflugweltmeister in der 20-Meter-Doppelsitzer-Klasse.
„Über Berge und Täler zu gleiten und die Welt von oben zu sehen – das ist es, was mich am Segelfliegen so fasziniert“, schwärmt der 41-Jährige. „Das hat mich auch als Teenager dazu gebracht, mit dem Sport anzufangen.“

Der Startschuss fiel bereits im jungen Alter von 14 Jahren; im Aero-Club Brüggen gab es eine Jugendgruppe. „Diese hatte ein tolles Momentum. Mein Fluglehrer Thomas Schmidt hat mich zudem gesondert an die Hand genommen und konnte mir durch eine erfolgreiche Bewerbung beim dortigen Förderverein ein Stipendium besorgen, mit dem ich dann Einsitzer fliegen durfte.“ 2005 folgte die erste erfolgreiche Qualifikation für die Deutschen Juniorenmeisterschaften über den Landeskader NRW. „Die Juniorenmeisterschaften waren zwar nicht so erfolgreich, wie ich es mir erhofft hatte, aber der Startschuss war gesetzt“, erzählt Omsels. „Mit meinen fliegerischen Qualifikationen habe ich mich 2006 nach dem Abitur als Sportsoldat beworben. Auch da war ich Segelflieger und habe mein Können unglaublich erweitert.“ 2007 folgte der Schritt in die Ausbildung zum Berufspiloten, seit 2009 ist Omsels bei Condor angestellt. „Früher bin ich Boeing 757 und 767 geflogen, derzeit fliege ich als Kapitän den Airbus A330 neo auf der Langstrecke. Dem Segelfliegen bin ich während all dieser Jahre immer treu geblieben.“
Ich kenne wenige Sportarten, in denen man so viele gravierende Entscheidungen trifft, die solch einen großen Einfluss auf das Ergebnis haben.
Im Jahr 2013 erlangte Omsels im Segelfliegen den deutschen Meistertitel, 2014 flog er im Zuge dessen das erste Mal auf der Weltmeisterschaft. Im Jahr 2022 folgte dann der Umzug nach Langen, in die Heimat seiner Ehefrau, mit der er heute zwei Kinder im Alter von einem und drei Jahren hat. „Infolge des Umzugs habe ich mir im Taunus dann meine neue fliegerische Heimat gesucht“, berichtet Omsels, der nun im Luftsportclub (LSC) Bad Homburg aktiv ist. Und das auch überaus erfolgreich: Kürzlich fand die Segelflugweltmeisterschaft im polnischen Częstochowa statt. „An jedem Tag wird durch die Veranstalter eine Flugstrecke ausgeschrieben. Diese ist mehrere hundert Kilometer lang und verfügt über Kontrollpunkte, an denen man vorbeifliegen muss. Wer die Strecke in der kürzesten Zeit durchfliegt, erhält die meisten Punkte“, erklärt Omsels.
In die Luft gebracht wird der Segelflieger zunächst durch ein Propellerflugzeug, nach dem Start wird nur noch gesegelt. „In der Theorie gewinnt man mit dem Segelflugzeug Höhe, indem man Schleifen fliegt. Anschließend gleitet man – zum Teil mit ziemlich hoher Geschwindigkeit – zum nächsten Kontrollpunkt, und dann beginnt das Spiel von vorne. Während des Fliegens schauen wir auch auf die Thermik des Bodens, bestimmte Landschaftsmerkmale und die Wetterphasen. Es ist ein ständiges Nachjustieren.“
Propellerflugzeug gibt Starthilfe
Die Wertung, in der Omsels den WM-Titel geholt hat, ist die 20-Meter-Doppelsitzer-Klasse. Er fliegt also nicht alleine, sondern zu zweit mit seinem Kumpel Kasten Leucker, der im Aero-Club Bad Nauheim ansässig ist. „Die Rollenverteilung ist dabei so: Während der eine fliegt, arbeitet der andere zu. Zum Beispiel durch das Beobachten der Wolken und der Konkurrenz, durch das taktische Vorausdenken oder durch die Kommunikation mit dem Bodenteam. Etwa alle 30 Minuten wird gewechselt.“ Das Bodenteam wurde bei der vergangenen WM auch durch einen Meteorologen, Bernd Fischer von TopMeteo, unterstützt. „Nur, wenn uns die aktuelle Wetterlage genaustens vorliegt, können wir die richtigen Entscheidungen treffen. Und ich kenne wenige Sportarten, in denen man so viele gravierende Entscheidungen trifft, die solch einen großen Einfluss auf das Ergebnis haben“, sagt der Langener.
Bei der diesjährigen WM trafen Omsels und sein Teamkollege Leucker wohl genau die richtigen Entscheidungen: Bereits ab dem dritten der zehn Wettkampftage lagen die beiden auf dem ersten Platz. Diese Platzierung verteidigten sie gegenüber den restlichen 15 Nationen bis zum Ende. Ebenfalls erfreulich: In der offenen Klasse wurde Filipe Levin Weltmeister, ehemaliger Kollege aus Omsels‘ Zeit als Sportsoldat. Ebenso holten die deutschen Segler den Titel des Teamweltmeisters.