Philipp Mester (16) holt Vize-Titel bei Deutscher U18-Meisterschaft
Stand: 18.07.2026, 18:00 Uhr
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Der Kasseler Schüler hat sich bei der Deutschen U18-Meisterschaft in Willingen den zweiten Platz gesichert. In neun Partien über eine Woche sammelte er sechs Punkte – nur einen halben Punkt weniger als der Meister.
Kassel – Schachgeschichte für Nordhessen hat Philipp Mester geschrieben: Bei der Deutschen U18-Meisterschaft in Willingen gelang dem 16-Jährigen kürzlich der bislang größte Erfolg seiner Spielkarriere. Nach neun Partien und einer Woche Hochspannung holte er sich den deutschen Vizemeistertitel.
Schon gewusst
Bei großen Schachturnieren kommen elektronische Schachbretter zum Einsatz. Diese übertragen jeden Zug automatisch ins Internet, sodass Zuschauer die Partien in Echtzeit verfolgen können. Gleichzeitig werden die Züge digital gespeichert und können später ausgewertet oder überprüft werden. Übrigens sind schon nach den ersten beiden Zügen beider Spieler mehr als 70.000 verschiedene Spielstellungen möglich. Deshalb gleicht keine Schachpartie der anderen.
Das Turnier gilt als einer der wichtigsten Wettbewerbe im deutschen Nachwuchsschach. Jedes Jahr kommen mehrere Hundert Spieler nach Willingen, um dort eine Woche lang um die Titel in ihren Altersklassen zu kämpfen. Gespielt wird nach dem sogenannten Schweizer System. Dabei treten im Verlauf des Turniers Spieler mit ähnlichem Punktestand gegeneinander an. Für einen Sieg gibt es einen Punkt, für ein Remis (Unentschieden) einen halben Punkt und für eine Niederlage keinen Punkt. Mester absolvierte insgesamt neun Partien, die teils bis zu vier Stunden dauerten. Nach neun Runden hatte der Kasseler sechs Punkte gesammelt. Damit sicherte sich Philipp Mester den zweiten Platz bei der U18. Der spätere Deutsche Meister erreichte 6,5 Punkte.
Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm die letzte Runde, erklärt er. Vor der abschließenden Partie hätten noch mehrere Spieler Chancen auf den Titel gehabt. Eine Niederlage hätte ihn sogar aus den Top 5 geworfen. Die Partie endete mit einem Remis. Das reichte, um Platz 2 zu verteidigen und sich den Vizemeistertitel zu sichern.
Auf diesem Niveau spielt das Zeitmanagement eine entscheidende Rolle. Pro Spieler stehen 90 Minuten Grundbedenkzeit zur Verfügung, nach jedem Zug kommen weitere 30 Sekunden hinzu. „Wenn man von Anfang an auf die Zeit achtet und nicht trödelt, kommt man gut zurecht“, sagt Mester. Gerade in Zeitnot würden viele Fehler passieren. In guter Erinnerung geblieben sind nicht nur die Partien. Die von der hessischen Delegation organisierten Freizeitaktivitäten hätten für einen wichtigen Ausgleich gesorgt. „Da konnte man auch mal eine Pause vom Schach machen.“
Schon als Kindergartenkind lernte Philipp Mester Schachregeln. Woher die frühe Faszination für das Spiel kam, kann er selbst nicht genau sagen. Fest steht jedoch: Aus der frühen Begeisterung wurde eine Leidenschaft. Da niemand in seiner Familie Schach spielte, bat er seinen Vater, sich mit ihm in das Spiel einzuarbeiten. Später besuchte er eine Schach-AG an seiner Grundschule und fand schließlich mit neun Jahren den Weg in einen Schachverein. Schon früh zeigte sich, dass er mit erfahreneren Spielern mithalten konnte.
Wer auf diesem Niveau Schach spielt, verbringt einen großen Teil seiner Freizeit am Brett. Neben dem Vereinstraining bei der Schachvereinigung CAISSA Kassel trainiert Mester nahezu täglich. Hinzu kommen regelmäßige Kaderlehrgänge. Im Verein spielt er besonders gerne Blitzschach. Dabei haben die Spieler nur wenige Minuten Bedenkzeit pro Partie. Gleichzeitig schätzt er aber auch klassische Partien, bei denen strategische Überlegungen über mehrere Stunden hinweg eine deutlich größere Rolle spielen. Für Anfänger hat der 16-Jährige einen einfachen Rat: „Dranbleiben ist wichtig.“ Begabung könne zwar helfen, entscheidend sei aber vor allem die Übung, so Mester. Gleichzeitig müsse nicht jeder Spieler Höchstleistungen anstreben. Viele nähmen an Turnieren aus Spaß am Spiel teil – und genau das sei wichtig.
Turniere auf nationalem Spitzenniveau bringen auch Fehlzeiten in der Schule mit sich. Doch trotz des hohen Aufwands müsse die Schule nicht viel zurückstecken, sagt der Zehntklässler der Albert-Schweitzer-Schule. Für größere Turniere werde er zwar vom Unterricht freigestellt, doch der verpasste Stoff müsse nachgearbeitet werden. „Wenn man eine ganze Woche fehlt, merkt man das schon“, sagt Mester. Mit guter Organisation lasse sich beides jedoch miteinander vereinbaren. Besonders interessieren ihn die Naturwissenschaften. Dass ihm Schach in der Schule hilft, glaubt er durchaus. Das Spiel fördere logisches Denken und strukturiertes Vorgehen, Fähigkeiten, die ihm auch im Schulalltag zugutekämen.
Viel Zeit, den Erfolg zu feiern, bleibt Philipp Mester nicht. Mit seinem Vizemeistertitel hat er sich für die Europa- und Weltmeisterschaft qualifiziert. In den Sommerferien steht die Mannschafts-Europameisterschaft in Tschechien an – sein erstes internationales Turnier im Ausland. Langfristig möchte er seine Elo-Zahl, das ist seine internationale Wertungszahl, weiter steigern und sich für die Titel des Internationalen Meisters und Großmeisters empfehlen. Die internationale Wertungszahl dient weltweit als Maßstab für die Spielstärke von Schachspielern. Bereits heute trägt der Kasseler den Titel des FIDE-Meisters, der ab einer Elo-Zahl von 2300 vergeben wird. Danach folgen nur noch die Titel Internationaler Meister und Großmeister. Seine nächsten Ziele hat Philipp Mester damit bereits fest im Blick.