Pavillon der Vielfalt: An sechs Samstagen gegen den Rechtsruck
Stand: 24.07.2026, 06:30 Uhr
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Maike Seyfried und Silke Thomas errichten vor der Kommunalwahl jeden Samstag einen Pavillon auf dem Achimer Wochenmarkt. DRK, Geschichtswerkstatt und evangelische Kirche beteiligen sich mit Aktionen.
Achim – Sie wollte sich angesichts des Erstarkens der Rechten nicht länger machtlos fühlen. Also hat Maike Seyfried ihren Pavillon zu Hause hervorgeholt und gemeinsam mit Silke Thomas die Idee in ihren Netzwerken gestreut: An sechs Samstagen vor der Kommunalwahl wird während des Wochenmarkts jeweils von 9 bis 13 Uhr ein Pavillon der Vielfalt errichtet. Verschiedene Gruppen werden den Ort mit unterschiedlichen Aktionen bespielen und zeigen, wie vielfältig die Stadt ist. „Wir waren überwältigt von der Resonanz“, sagt Seyfried.
Organisationen, Vereine, Institutionen, Unternehmen und Einzelpersonen unterstützen das Vorhaben, das Seyfried als Privatperson initiiert hat, wie sie betont.
Erstmals wird am 8. August auf dem Platz der abgebrannten Paulsberg-Apotheke Werbung für die Demokratie gemacht. „Der Rechtsruck in der Gesellschaft, die Normalisierung macht uns Sorgen“, sagt Seyfried. „Wir möchten zeigen, wie wichtig Vielfalt ist.“
Vor allem geht es ihnen darum, für Grundwerte wie Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Zusammenhalt einzustehen und sich damit gegen Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu stellen.
Als Geschäftsführerin des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) beobachtet Seyfried, wie die Vielfalt im Kulturbereich beschnitten zu werden droht. Das Bundesprogramm „Demokratie leben“, das Demokratie und Vielfalt in Deutschland fördern soll, wird infrage gestellt.
Rund 200 Projekte könnten, wenn es nach Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) geht, Ende des Jahres keine Förderung mehr erhalten. In Niedersachsen hat die AfD im Landtag im März dieses Jahres mit ihrem Antrag „Bürgerkultur statt Soziokultur“ versucht, „die institutionelle Förderung des Landesverbandes Soziokultur zu beenden und keine Landesmittel mehr an sogenannte soziokulturelle Zentren auszureichen“, so eine der Forderungen. Der Antrag wurde vom Kulturausschuss abgelehnt.
Der Pavillon soll grundsätzlich als politisch neutral verstanden werden, erklärt Seyfried. Faire Gespräche und ein Austausch im Wahlkampf sollen die Aktionen der einzelnen Gruppen begleiten. Geplant sind unter anderem Kuchenverkauf, Musik und Malen. Beteiligt sind beispielsweise das DRK, die Geschichtswerkstatt, die evangelische Kirche, der Waveclub, aber auch Geschäftsleute und „Werner Momsen“-Darsteller Detlef Wutschik. Mit einem Flyer informieren die Verantwortlichen zudem über die Kommunalwahl und darüber, warum es wichtig ist, wählen zu gehen: Demokratie stärken, Zukunft mitgestalten, Extreme verhindern, mitbestimmen.
Einer der formulierten Grundsätze lautet: „Wir wollen Menschen jeden Alters ermutigen, sich für unsere freiheitliche Gesellschaft einzusetzen. Wir zeigen Haltung, schaffen Begegnung und setzen Zeichen gegen Hass und Hetze.“ Vielfalt bedeute, „dass jeder so sein darf, wie er möchte, sich ausleben darf“.
Aktuell koordinieren Maike Seyfried und Silke Thomas die Gruppen für die jeweiligen Samstage. Es können sich aber weiterhin Gruppen und Einzelpersonen beteiligen. Wer Interesse daran hat, kann sich per E-Mail an [email protected] melden.