Pakete weg: Diebstähle in Wohnheim: Hilfe für Trierer Studis scheitert an Datenschutz
Pakete weg Diebstähle in Wohnheim: Hilfe für Trierer Studis scheitert an Datenschutz
Trier · Die Bewohner eines Trierer Studentenwohnheims kennen inzwischen das Problem: Es ist viel zu einfach, ihnen die Pakete zu stehlen. Das nutzen Diebe häufig aus.
16.07.2026 , 13:05 Uhr
Im Neubau der Wohnanlage Martinskloster/Haus am Baum in der Trierer Ausoniusstraße beklagen Bewohner eine Reihe von Paketdiebstählen.
Foto: Holger Teusch
Wenige Dutzend Meter von der Mosel entfernt liegt das Wohnheim Martinskloster/Haus am Baum, das vom Trierer Studierendenwerk betrieben wird. Dort gehört das Verschwinden von Paketen laut betroffenen Bewohnern mittlerweile zur Normalität. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen, um herauszufinden, wie groß das Problem ist.
Das schildern die Betroffenen im Trierer Wohnheim
Alle Bewohner des Wohnheims, die sich gegenüber dem Volksfreund über ihre Erfahrung äußern wollten, kommen aus dem 2022 fertiggestellten Neubau, der Wohnanlage Haus am Baum. Demnach wurden allen Betroffenen Pakete gestohlen, nachdem diese vom Paketdienst entweder im Eingangsbereich des Gebäudes in der Nähe der Briefkästen oder im Foyer abgelegt worden waren.
Eine Bewohnerin der Wohnanlage berichtet, dass sie zum Zeitpunkt des von ihr vermuteten Diebstahls auf der Arbeit war. Als sie rund vier Stunden später zurückkehrte, war das Paket weg. In einem anderen Fall sei ein Paket laut ihr über mehrere Tage nach der Lieferbestätigung verschwunden und plötzlich doch noch aufgetaucht, was innerhalb der Wohnanlage auch öfters vorkomme. Ein weiterer Betroffener schildert einen Diebstahl innerhalb rund einer Stunde, nachdem das Paket auf dem dafür vorgesehenen Tisch im Eingangsbereich abgelegt worden war.
Der Wert der gestohlenen Pakete
Zudem gibt ein Bewohner dem Volksfreund Auskunft über den hohen Wert der gestohlenen Pakete: „Mir wurde jetzt Werkzeug im Wert von 300 Euro geklaut. Vorher waren es Klamotten und Fahrradgepäck.“ Auch eine weitere Bewohnerin soll laut eigener Aussage mehrfach Opfer von Paketdiebstahl geworden sein: In einem Fall bestellte sie kurz nach Einzug ins Wohnheim auf der Internetplattform Amazon mehrere Pakete auf einmal, welche an einem Tag ihrer Abwesenheit geliefert wurden. Am darauffolgenden Tag waren die Pakete ausnahmslos nicht mehr da. Zwar nutzte sie danach oft Packstationen und bat Freunde und Nachbarn darum, ihre Pakete, wenn möglich, entgegenzunehmen. Trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen seien ihr in den darauffolgenden Monaten weitere Pakete gestohlen worden.
Besonders bitter findet sie: „Man würde nicht in einem Wohnheim wohnen, mit nur einem Zimmer, wenn man nicht Student wäre und das Geld hätte, woanders zu wohnen.“ Zwar enthielten einige der ihr gestohlenen Pakete billige Haushaltsprodukte, andere hatten aber einen Bestellwert über 100 Euro. Außerdem berichtet sie davon, schon mehrfach aufgerissene Pakete im Eingangsbereich gesehen zu haben. Sie vermutet, dass mögliche Diebe sich so schnell den Inhalt der Pakete angeschaut hätten, sie diese jedoch liegen ließen.
Das sagt das Studiwerk Trier
Die Erfahrungsberichte sind verheerend, aber die Frage nach der Häufigkeit des Problems bleibt. Ein Sprecher des Studierendenwerks teilt auf Anfrage mit: Ein „wiederkehrendes Problem mit Diebstählen in den Wohnheimen“ gebe es nicht, es seien nur „vereinzelte Fälle“ in nur einem Wohnheim bekannt. Damit meint das Studiwerk das Wohnheim an der Mosel. Ein Problem könnte sein: Die Bewohner haben die Fälle womöglich gar nicht der Polizei gemeldet, das spekuliert zumindest eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Trier auf Anfrage. Ihr zufolge sind der Polizei keine Fälle aus Wohnheimen in diesem Jahr bekannt, obwohl mehrere Studenten Fälle in jüngster Zeit schildern. Auch zur Dunkelziffer gebe es keine belastbaren Erkenntnisse.
Laut Aussagen der Mieter gegenüber dem Volksfreund bestehen die Gründe des Problems vor allem darin, dass der Bereich der Briefkästen, in welchem auch die Pakete laut Beschilderung abgelegt werden sollen, nie abgeschlossen ist. Durch große Glasfenster und -türen und Beleuchtung rund um die Uhr seien die Pakete daher auch für jeden einzusehen, auch für Nicht-Bewohner. Zwar sei das angrenzende Foyer des Gebäudes mit einer Überwachungskamera ausgestattet, diese schütze aber nicht den Bereich, aus dem die Pakete gestohlen werden.
Das Studiwerk wiederum weist darauf hin, dass das Verschwinden von Paketen kein spezifisches Problem seiner Wohnheime sei, sondern auch in Mehrfamilienhäusern und privat vermieteten Wohnungen vorkomme. Außerdem liege es nicht in der Verantwortung des Studierendenwerkes, was mit Paketen geschehe, die in „gemeinschaftlich zugänglichen Fluren abgelegt werden“.
Welche Lösungen werden diskutiert?
Vonseiten der Bewohner wurden mehrere Lösungen für die Diebstähle vorgeschlagen: Die Forderung nach Videoüberwachung ist davon am lautesten und wird schon länger gefordert. Dem erteilt der Sprecher des Studiwerks jedoch mit Hinweis auf Datenschutz, die Notwendigkeit einer Rechtsgrundlage und Verhältnismäßigkeit eine Absage. Die Mieter bringen zudem auch die Idee ins Spiel, die Ablagestelle für Pakete ins nicht immer öffentlich zugängliche Foyer zu verlegen, um zumindest Diebstähle von außen zu erschweren. Einige Bewohner bemängeln auch: Die Klingelanlage des Gebäudes sei zu kompliziert und würde daher von Lieferanten nicht benutzt werden.
Die Bewohner, mit denen wir gesprochen haben, sind sich aber einig: Die Problematik ist schon länger bekannt, dagegen unternommen wurde bislang nichts.