SpaceX nicht mehr schwerelos: Warum die Aktie unter den Ausgabepreis von 135 Dollar fiel
Nicht länger schwerelos: Die SpaceX-Aktie fällt unter den Ausgabepreis von 135 Dollar
Einen Monat nach seinem spektakulären Börsengang kämpft das Unternehmen mit der Ernüchterung rund um die KI-Wirtschaft. Ein Faktor für den Druck auf den Kurs ist auch, dass SpaceX-Mitarbeiter ihre gesperrten Aktien bald verkaufen können.
16.07.2026, 18.05 Uhr
4 Leseminuten

Eine SpaceX-Falcon-9-Rakete hebt am 9. Juli 2026 von Cape Canaveral in Florida ab, mit 29 Starlink-Satelliten im Gepäck. Im Vergleich zu diesem Start ist der Börsengang des Unternehmens eine Reise ins Ungewisse.
Jennifer Briggs / Imago
Ist einen Monat nach dem grossen Börsengang die Luft bei Space X bereits wieder draussen? Am Mittwoch fiel der Aktienkurs des Raumfahrtunternehmens erstmals unter den Ausgabepreis von 135 Dollar, den der Firmenchef Elon Musk damals selbst festgelegt hatte. Am Donnerstag hielt sich der Titel in etwa bei dieser Marke. Gegenüber dem Höchststand vom 16. Juni hat der Titel damit fast 40 Prozent verloren.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Noch kein Gewinn in Aussicht
Mit bis zu 220 Dollar pro Aktie war SpaceX wenige Tage nach dem Börsengang enorm hoch bewertet, wenn man die Entwicklung des Umsatzes sowie den heutigen und den erwarteten Gewinn des Unternehmens heranzieht. Das Raumfahrtunternehmen schreibt derzeit Milliardenverluste und dürfte wegen der hohen Investitionen, die es weiter tätigen will, erst ab 2029 einen positiven Cashflow erzielen – wenn alles nach Plan verläuft.
Darüber hinaus hatte SpaceX zunächst vom KI-Fieber an der Börse profitiert. Das Unternehmen erzielt zwar nur mit seinem Satellitennetzwerk Starlink einen Gewinn, während das Geschäft mit Raketenstarts für Kunden immerhin den grössten Teil seiner Kosten wieder einspielt. Die KI-Sparte, die auf Musks Startup xAI zurückgeht und sich SpaceX Anfang Jahr einverleibt hat, schreibt dagegen Milliardenverluste.
Die hohe Bewertung in den ersten Handelstagen war indes in erster Linie auf die Hoffnung zurückzuführen, dass SpaceX bald das dominierende KI-Unternehmen der Welt sein werde. Im Börsenprospekt sprach das Unternehmen davon, dass seine KI-Sparte einen Markt von 26,5 Billionen Dollar adressieren könne. Manche Investoren zweifeln nun nicht nur dieses Versprechen an, sondern auch die Aussichten der Branche insgesamt.
Zum einen hängt die Bewertung sämtlicher KI-Unternehmen und ihrer Lieferanten, etwa der Speicherchip-Hersteller SK Hynix und Micron, stark vom Erfolg von nur zwei Schmieden von KI-Modellen ab: Open AI und Anthropic. Diese müssen ihre Kundenzahl und später auch ihre Einnahmen sehr stark erhöhen, um die riesigen geplanten Investitionen in Rechenkapazität zu rechtfertigen. Zumindest bei Open AI scheint das Wachstum jüngst aber ins Stocken zu geraten sein.
Zum anderen beeinflusst das Zinsumfeld, wie geduldig Anleger mit Wachstumsunternehmen und -branchen umgehen. Sind die Zinsen tief, können sich auch Investitionen lohnen, die erst in ferner Zukunft Gewinne abwerfen werden. Schlicht, weil es hier und jetzt zu wenige Alternativen gibt, um das Geld rentabel anzulegen.
In den vergangenen Wochen hat sich am Markt aber die Befürchtung festgesetzt, dass die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins auf absehbare Zeit auf einem höheren Niveau halten oder ihn gar erhöhen wird. Der von Donald Trump neu entfachte Iran-Krieg und die erneute Blockade der Strasse von Hormuz treiben die Benzinpreise wieder nach oben und erhöhen die Gefahr, dass sich die hohe Inflation verfestigt.
Bald können die Angestellten ihre Aktien verkaufen
Zudem darf man nicht vergessen, wie geschickt die beteiligten Investmentbanken den Börsengang mit SpaceX zusammen strukturiert hatten und eine künstliche Knappheit erzeugten. Nur knapp 5 Prozent aller Aktien gelangten auf den freien Markt. Der Rest besteht aus den weiterhin gesperrten Titeln, die Arbeitnehmer, frühe Investoren sowie Elon Musk selbst halten.
Dass nur vergleichsweise wenige Aktien verfügbar waren, erzeugte bei vielen Kleinanlegern «Fomo», («Fear of Missing Out»): Sie hatten Angst, leer auszugehen, wenn sie sich nicht sofort über ihren Broker um eine Zuteilung von Aktien beim Börsengang bemühten. Viele der Anleger, die in dieser ersten Phase nicht zum Zug kamen, deckten sich in den ersten Handelstagen auf Teufel komm raus mit SpaceX-Titeln ein. Das trieb deren Wert auf über 200 Dollar.
Die nächste wichtige Wegmarke erreicht SpaceX Anfang August, wenn es sein erstes Quartalsergebnis als kotiertes Unternehmen präsentiert; das genaue Datum ist noch nicht bekannt. Erwartet wird ein Update des Firmenchefs Elon Musk dazu, wie sich das laufende Geschäft entwickelt und welche Schwerpunkte SpaceX in den kommenden Monaten und Jahren setzen will.
Zudem laufen kurz nach der Ergebnispräsentation die ersten Haltefristen für SpaceX-Mitarbeiter aus, die ihre Aktien verkaufen wollen. Diese Fristen sind gestaffelt. Im Lauf der kommenden Monate gelangen daher schrittweise immer mehr Titel in den freien Handel. Das könnte weiteren Druck auf die Aktie auslösen.
Gary Black, Managing Partner des Investmenthauses The Future Fund, wies am Mittwoch auf X darauf hin, dass sich der Anteil der frei handelbaren Aktien bis im September verzehnfachen werde. Irgendwann müsse die Bewertung wieder etwas bedeuten. Oder anders formuliert: An der Börse ist kein Unternehmen schwerelos, auch nicht ein Raumfahrtpionier.
Still not sure what people see in $SPCX as an investment. It’s already a megacap ($1.8T market cap) so upside is limited. It won’t generate profits until 2027. It trades at 2026 EV/Rev of 47x ( $TSLA 14x), and 2026 EV/EBITDA of 110x ( $TSLA 97x). I get the TAM story once other… pic.twitter.com/QQO8bn0vVh
— Gary Black (@garyblack00) July 15, 2026
Passend zum Artikel


