Meinung: News des Tages: ZDF und Danger Dan – ein Fail fürs Zweite?
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1. Mit dem Zweiten hört man weniger
Foto:
Jan Philip Welchering / DER SPIEGEL
Das ZDF macht von sich reden. Allerdings weniger damit, dass es »Ein Fall für zwei« einstellt (hier mehr dazu), sondern damit, dass es den Liedermacher Danger Dan und den Pianisten Igor Levit ausgeladen hat: Der Sender verbot ihren Auftritt in der Satiresendung »Die Anstalt«, je nach Sichtweise aus politischen oder rechtlichen Gründen. Wird der Vorgang damit zu einem Fail fürs Zweite?
Danger Dan und Levit waren eigentlich in die Sendung eingeladen, die am Dienstag um 22.15 Uhr ausgestrahlt wird. Sie sollten das Lied »Keine Angst« spielen, das nicht nur zum Widerstand gegen Rechtsextremismus aufruft, sondern eine Gebrauchsanweisung mitliefert, wie man sich mit Vertrauten zusammenschließen und Aktionen planen kann. Es geht um Partys gegen Nazis, um Spenden für Aufkleber und Spraydosen, aber auch darum, Faschisten und solche, die man dafür hält, auszuforschen und bloßzustellen. Bei all dem solle man darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen, weil, so der Vorwurf, die Sicherheitsbehörden von rechts unterwandert seien: »Ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst: Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.«
Gegen Ende des Songs zwinkert Danger Dan in Richtung linksextremer Gewalttäter: Er richtet »liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk« aus. Alles Leute, die wegen zum Teil brutaler Übergriffe auf Nazis strafrechtlich verfolgt werden. Man muss das alles nicht richtig finden. Aber lässt sich da schon ein »Aufruf zur Gewalt« hineinlesen, wie es das ZDF tut?
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Mein Kollege Andreas Borcholte hat mit Danger Dan gesprochen. Für Andreas ist er »einer der mutigsten Popmusiker in diesem Land«. Man müsse ihm nicht in jeden Winkel seiner Polemik folgen, um zu spüren, dass ihm das Aufrütteln gegen die Bedrohung von rechts ein ernsthaftes Anliegen ist. »Von seiner Feuilleton-tauglichen Liedermacher-Identität und den Pianomelodien soll man sich nicht täuschen lassen«, sagt Andreas über Danger Dan. »Er ist immer noch in erster Linie Rapper der Hip-Hop-Spaßguerilla Antilopen Gang – und in jeder Form von schelmischer Provokation und Aufmerksamkeitsökonomie versiert.« Trotzdem solle man »Keine Angst« nicht als Aufruf zur Gewalt missverstehen, »sondern als Weckruf ernst nehmen«.
2. Die heißesten Jahre kommen erst noch
Niedrigwasser um die Rheinkniebrücke
Foto: Jochen Tack / IMAGO
Die Hitze macht auch den Arbeitnehmern in Deutschland zunehmend zu schaffen. Jetzt fordert DGB-Chefin Fahimi ein Ausfallgeld für jene, die an besonders heißen Tagen nicht mehr arbeiten können (hier mehr dazu).
Sicher ist: Die Zukunft wird heiß und trocken, auch hierzulande. Meine Kollegin Sophie Garbe und mein Kollege Andreas Niesmann haben mit SPD-Umweltminister Carsten Schneider darüber gesprochen, wie sich Deutschland darauf vorbereiten sollte. »Schneider hatte nie viel mit Klimapolitik zu tun, bevor er Umweltminister geworden ist«, sagt Sophie. »Nach einem Jahr im Amt wirkt es aber so, als sei er darin ziemlich aufgegangen und dazu sehr optimistisch, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, was die Klimaziele angeht.« Das allerdings hat sie überrascht. Der Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung stellte vor einigen Wochen klar: Die Klimaziele seien bis 2030 nicht mehr einzuhalten.
3. Deutschlands Mann in Moskau wechselt nach Israel
Diplomat Lambsdorff auf dem Balkon der Deutschen Botschaft
Foto:
Dmitry Serebryakov / DER SPIEGEL
Russland hat die Ukraine erneut mit Drohnenangriffen überzogen, dabei gab es zahlreiche zivile Opfer, wie das angegriffene Land meldet. Ukrainische Truppen wehren sich mit Gegenschlägen und nahmen wieder die russische Flotte ins Visier (hier mehr dazu).
Leider gehören solche Meldungen seit über vier Jahren zum Alltag. Und es sieht nicht danach aus, dass Russland in naher Zukunft einlenkt. Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, sieht jedenfalls bei Machthaber Wladimir Putin weiter »keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen« über ein Ende des Kriegs. »Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen«, sagte Lambsdorff meiner Kollegin Christina Hebel.
Der Diplomat warnte: In Moskau redeten »immer mehr Menschen« über eine zweite mögliche Mobilmachung wehrfähiger Männer nach der Duma-Wahl im September. »Auch ich befürchte, dass noch mal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten.« Lambsdorff verlässt diese Woche nach drei Jahren Russland, um in Kürze nach Israel zu wechseln.
Hier das ganze Interview: »Es ist fürchterlich, eine schleichende Re-Stalinisierung«
Was heute sonst noch wichtig ist
Krankenkassen sollen 170 Millionen Euro mit Immobilienfonds in den Sand gesetzt haben: Mit Investments in Immobilienfonds wollten Krankenkassen ihre Reserven gewinnbringend anlegen. Nach Medienberichten haben sie damit Millionenverluste eingefahren.
Andy Burnham ist neuer Chef der britischen Labour-Partei: Er folgt auf Keir Starmer: Andy Burnham übernimmt den Vorsitz der Labour-Partei und soll als neuer Premierminister Großbritannien aus der Krise führen. Der 56-Jährige verspricht, vieles anders zu machen.
Apple überholt Nvidia und ist wieder wertvollstes Unternehmen der Welt: Apple ist laut Marktbewertung nun erneut das weltweit wertvollste Unternehmen. Der Techkonzern hat damit Nvidia überholt. Die Aktie des Chipherstellers sackte zum Börsenstart in den USA um mehr als vier Prozent ab.
Mein Lieblingskommentar heute: Die Spahn-Debatte
Foto:
Michael Kappeler / dpa / picture alliance
Jens erst recht, scheinen sich einige Spahn-Kritiker gedacht zu haben, als die Leihmutter-Diskussion so richtig Fahrt aufgenommen hatte. »Babykauf«, »erbärmlich«, »persönlich geschockt« – die Empörung über den Vorgang vereint Linke und Rechte, Grüne Jugend und Senioren-Union. »Das ist allzu durchsichtig«, findet mein Kollege Alexander Neubacher. »Die Kritiker von Spahn haben jedes Maß verloren.« (Hier mehr .)
Gestern habe ich in der Lage am Abend selbst kritisch über Spahn geschrieben (hier), trotzdem habe ich mich über den Kommentar von Alex gefreut. Oder gerade deswegen. Wo sich alle einig sind, entsteht selten ein neuer Gedanke.
Politisch allerdings wird es eng für Spahn. Er will seine Fraktion über seine politische Zukunft entscheiden lassen. Ob er auch diese Krise aussitzen kann? Dieser Frage gehen meine Kollegen Paul-Anton Krüger, Christian Teevs und Severin Weiland hier nach: »Massives Glaubwürdigkeitsproblem«.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Jetzt wird es eng für Jens Spahn
Was heute weniger wichtig ist
Foto: Sammlung Richter / picture alliance
Nein oder nicht nein: Für Thomas Anders, 63, steht ein Modern-Talking-Comeback gemeinsam mit Dieter Bohlen, 72, »nicht zur Diskussion«. Das teilte der Sänger auf Anfrage der »Bild«-Zeitung und über Instagram mit. Er bedankte sich für das große Interesse und die vielen Nachrichten, die er von Fans des Popduos erhalten habe. Seinem ehemaligen Bandpartner wünsche er »für seine zukünftigen Projekte selbstverständlich ebenfalls alles Gute und viel Erfolg«.
Mini-Hohlspiegel
Aus der »Rheinpfalz«
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und am Wochenende?
Drei Vorschläge: Sie könnten...
...Musik hören, vielleicht das neue Album der New Yorker Elektronikmusikerin Eartheater, es heißt »Heavenly Body: If I’m the Bottle You’re the Message«. Darauf finde sie in »ihren fremdartigen Körperbefindlichkeiten zu Momenten größter musikalischer Schönheit«, sagt mein Kollege Andreas Borcholte (hier mehr ).
Foto: Andrea Thode
...etwas kochen, vielleicht Spicy Summer Rolls mit Erdnussbutter-Limetten-Mayonnaise. Mein Kollege Stevan Paul erzählt, er habe beim Fototermin für das Rezept die Erdnuss-Limetten-Mayonnaise im Kühlschrank vergessen. Frei nach dem Lehrkräfte-Motto: »Es ist auch für mich die sechste Stunde.« Dabei sehe sie wirklich hübsch aus, appetitlich cremefarben, verspricht er, und sie sei »richtig köstlich zu den Rolls«. (Hier mehr .)
...das neue Buch von Heinz Strunk anfangen zu lesen, es heißt »Memories of Heidelberg«. Aber vorsichtig: »Strunk schreibt Paardialoge, nach deren Lektüre man nie wieder eine Paarbeziehung führen möchte«, warnt mein Kollege Tobias Becker (hier mehr ).
Ihnen ein unterhaltsames Wochenende. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde eine Textstelle von Danger Dan falsch wiedergegeben, die Linksextremistin, um die es geht, heißt Lina, nicht Nina. Wir haben den Fehler korrigiert.