Neuer Zuschnitt der Verwaltung – was sagen die potenziellen Chefs dazu?
Stand: 15.07.2026, 06:30 Uhr
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Der Stadtrat hat beschlossen, die Stadtverwaltung von drei auf sieben Fachbereiche und den Verwaltungsvorstand um eine dritte Person zu erweitern. Halten die Kandidatinnen und Kandidaten für die Bürgermeisterwahl das für sinnvoll?
Achim – Die Stadtverwaltung wird nach einem Beschluss des Stadtrats neu aufgestellt. Was halten die Kandidatinnen und Kandidaten für das Bürgermeisteramt davon? Und wie wollen sie im Falle eines Wahlsiegs die Verwaltung führen? Nachfolgend liefern sie Antworten dazu, gelistet in der Reihenfolge des Eingangs.
Halten Sie es für sinnvoll, die Zahl der Fachbereiche von drei auf sieben zu erhöhen?
Martin Puls (WGA): Dadurch werden die Hierarchien flacher, das Arbeitsaufkommen je Bereich geringer. Daher halte ich die Erweiterung auf sieben Fachbereiche für sinnvoll.
Sven Müller (CDU): Entscheidend ist, ob die Verwaltung dadurch tatsächlich schneller, bürgernäher und effizienter arbeitet. Genau dieser Nachweis erscheint mir allerdings anhand der öffentlich zugänglichen Unterlagen zur neuen Organisationsstruktur nicht ausreichend erbracht zu sein.
Bianca Kasakausky (SPD): Entscheidend ist für mich nicht die Anzahl der Bereiche, sondern ob die Verwaltung dadurch effizienter und bürgernäher arbeitet. Wenn die neue Struktur zu schnelleren und transparenteren Entscheidungen führt, finde ich es plausibel.
Saskia Zwilling (Grüne): Die Neuausrichtung halte ich für sinnvoll. Ich glaube, dass das neue Organigramm dafür sorgt, direktere Ansprechpersonen zu schaffen, die einen konkreteren Fokus auf ihre Themen haben und es einfacher für die Bevölkerung machen, ihre Anliegen gezielt an die Verwaltung zu richten.
Sven Adamietz (parteilos): Grundsätzlich ja. Allerdings sollte der Klimaschutz (besser Klimaschutz und -folgenanpassung) als übergeordnete Querschnittsaufgabe einen eigenständigen Bereich erhalten.
Stefan Baum (FDP): Die Verwaltung passt sich mit der Umstrukturierung den aktuell zu erfüllenden Aufgaben an. Die Neuaufteilung ist sachlich und organisatorisch sinnvoll.
Rainer Ditzfeld (Bürgermeister, parteilos): In Besetzungsverfahren hat sich gezeigt, dass die Fachbereiche und die damit verbundenen Aufgaben zu groß waren. Außerdem sehen wir mit der Politik in der gewählten Neuorganisation die größten Erfolgschancen, um die Herausforderungen der nächsten Jahre in Achim bestehen zu können.
Steffen Zorn soll als „Baudezernent“ in den Verwaltungsvorstand aufrücken. Kritiker halten dem Leiter des Fachbereichs für Bauen und Stadtentwicklung vor, dass bei Großprojekten, wie zuletzt dem Hallenbad, oft Mängel auftreten, die Bauaufsicht nicht gewährleistet sei. Wie sehen Sie das?
Puls: Herr Zorn hat über Jahre erstklassige qualitative und quantitative Arbeit abgeliefert. Die zuletzt aufgetretenen Schwierigkeiten sind das Ergebnis einer zu großen Arbeitslast. Ich bin mir sicher, dass wir mit Herrn Zorn als Baudezernent ganz hervorragend besetzt sind.
Müller: Herr Zorn bringt viel Erfahrung im Baubereich mit. Die neue Struktur wird sich daran messen lassen müssen, ob die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. Ich halte aus meiner Erfahrung als Bau- und Projektleiter wenig davon, einzelne Personen vorschnell für komplexe Projekte verantwortlich zu machen.
Kasakausky: Herr Zorn bringt fachliche Erfahrung mit, und ich finde es richtig, diese Position nach Kompetenz zu besetzen. Ja, es gibt Kritik bei Projekten. Das muss aufgearbeitet werden. Es ist aus meiner Sicht allerdings nicht angemessen, die Verantwortung einer einzelnen Person zuzuschreiben.
Zwilling: Da viele der großen und teuren Projekte der Stadt in den Kompetenzbereich von Herrn Zorn fallen, finde ich es richtig, die Stelle eines Baudezernenten in die Verwaltungsspitze zu integrieren. Und er ist dafür auch die richtige Person, weil er sehr engagiert ist. Ich sehe das Problem vor allem an der Art, wie ausgeschrieben wird. Wir sollten von Firmen Referenzen von ähnlichen, mängelfreien Projekten einfordern.
Adamietz: Die Aufweitung des Verwaltungsvorstands um einen Baudezernenten sehe ich kritisch, weil nicht erforderlich. Entscheidend ist, gemeinsam Maßnahmen und Verfahren zu entwickeln, um verantwortungsbewusst Baurisiken zu minimieren. Auch die Kontrollfunktion des Stadtrats muss zukünftig stärker wahrgenommen werden.
Baum: Steffen Zorn wird den Verwaltungsvorstand um eine technische Dimension erweitern und nimmt damit eine Position ein, die dem Stellenwert seiner Rolle innerhalb der Stadtverwaltung längst entspricht. Ich sehe in ihm eine passende Besetzung dieser Schlüsselrolle für die strukturelle Weiterentwicklung Achims. Leider gehören Baumängel zur Realität. Es macht in meinen Augen jedoch keinen Sinn, aus der Ferne und ohne Detailkenntnis über die Arbeit eines Mitarbeiters der Achimer Verwaltung zu urteilen.
Ditzfeld: Wir haben millionenschwere Bauprojekte zu stemmen, daher erweitern wir den Verwaltungsvorstand mit der Expertise in Person von Steffen Zorn. Leider beschert uns das Vergaberecht mitunter Betriebe, die die versprochenen Leistungen nicht liefern. Ich lasse nicht zu, dass deren unseriöses Verhalten einem einzelnen Mitarbeitenden der Stadt angelastet wird. Steffen Zorn und seine Mitarbeitenden drängen stets vehement auf die beste Lösung für Achim.
Wie würden Sie bei einem Wahlsieg die Verwaltung führen? Worauf käme es Ihnen dabei an?
Puls: Der von mir angewandte Führungsstil ist weitestgehend kooperativ und darauf ausgelegt, den Mitarbeitenden Freiraum zu bieten, Entscheidungen in einem sinnvollen Rahmen selbstständig zu treffen.
Müller: Ich sehe den Bürgermeister nicht in erster Linie als Repräsentanten der Stadt, sondern als Verwaltungschef. Seine Aufgabe ist es, klare Ziele zu setzen und dafür zu sorgen, dass die Verwaltung als Team erfolgreich arbeitet.
Kasakausky: Ich möchte eine Verwaltung führen, die strukturiert und effizient arbeitet. Klare Zuständigkeiten, kurze Entscheidungswege und eine gute Zusammenarbeit sind für mich die Grundlage. Gleichzeitig sollen die Bürgerinnen und Bürger spüren, dass ihre Anliegen zuverlässig, nachvollziehbar und verständlich bearbeitet werden.
Zwilling: Mir ist wichtig, eine Verwaltung zu führen, die verlässlich, bürgernah und lösungsorientiert arbeitet. Gute Entscheidungen entstehen im Team. Mein Ziel ist eine Verwaltung, die den Menschen als Dienstleister begegnet.
Adamietz: Ich arbeite seit 20 Jahren in einem Unternehmen mit einer flachen Organisationsstruktur. Mitarbeiterorientiertes, eigenverantwortliches und vertrauensbasiertes Arbeiten habe ich stets als motivierend erfahren. Als Führungskraft orientiere ich mich an einem kooperativen Führungsstil.
Baum: Die Achimer Verwaltung steht in einer Zeit großer Veränderungen vor wachsenden Aufgaben. Als Bürgermeister würde ich mit ausgeprägten kommunikativen und koordinativen Fähigkeiten sowie eigenen Ideen durch diesen Prozess führen.
Ditzfeld: Den Mitarbeitenden möchte ich auch in Zukunft klare Zuständigkeiten an die Hand geben, sie an Prozessen beteiligen und mit ihnen eine respektvolle Kommunikation mit regelmäßigen Feedbacks pflegen. Dazu gehört auch, getroffene Entscheidungen nachvollziehbar zu vermitteln.