Neue Überachungstechnik in Zittau: Deutlich mehr Autodiebe überführt
Grenzkriminalität geht zurück
Neue Überwachungstechnik in Zittau: Deutlich mehr Autodiebe überführt
von Jörg Winterbauer, MDR SACHSEN
Stand: 13.07.2026 20:21 Uhr
Seit rund zwei Jahrzehnten beschäftigt die Grenzkriminalität Zittau. In den vergangenen zwei Jahren sind bestimmte Delikte erheblich zurückgegangen - vor allem die Zahl der Auto- und Fahrraddiebstähle. Gleichzeitig werden mehr Fälle aufgeklärt - im Bereich Kfz-Diebstahl hat sich die Quote von 2023 zu 2025 sogar vervierfacht. Welche Rolle spielt dabei das Videosystem PerIS, das seit Ende 2023 an drei Grenzübergängen nach Polen steht?
- Grenzgänger in Zittau werden seit 2023 gefilmt
- Videotechnik PerlS ist "Gamechanger" - Diebe, Einbrecher, Enkeltrickbetrüger werden gefilmt
- Aufklärungsquote bei Kfz-Diebstählen vervierfacht
Video: Zittau: Mehr aufgeklärte Straftaten dank Videoüberwachung an Grenze (2 Min)
Ein Auto nähert sich dem Grenzübergang Chopinstraße in Zittau. Es fährt vorbei an einer grauen Säule mit vier Glasfenstern. Kurz, kaum merklich, leuchtet ein roter Laser hinter diesen getönten Gläsern auf. Das Auto, Fahrer und Beifahrer sind gerade gefilmt worden – und das in 4k-Auflösung, scharf und gut belichtet.
Autofahrer werden in Zittau seit 2023 gefilmt
Seit 2023 wird jeder, der in Zittau über einen der Grenzübergänge Friedensstraße, Chopinstraße oder B178 über die deutsch-polnische Grenze fährt, gefilmt. In Görlitz wurde das laserbelichtete Überwachungssystem PerIS schon 2019 eingeführt. Nach vier Tagen werden die Aufnahmen gelöscht – wenn ihnen die Polizei innerhalb dieses Zeitraumes keine Relevanz für die Aufklärung einer Straftat beimisst.
Auch dieses Auto am Zittauer Grenzübergang in der Chopinstraße und seine Insassen werden von PerIS erfasst.
Mehr Diebstähle nach Schengen-Erweiterung
Die Idee hatte der Kriminalpolizist Martin Reiner von der Polizeidirektion Görlitz. Bis 2023 leitete der Erste Kriminalhauptkommissar die Soko Argus, die die grenzübergreifende Kriminalität in der Region bekämpft. "Sowohl in Görlitz als auch in Zittau sind die Fallzahlen im Eigentumsbereich seit Öffnung der Schengengrenzen 2007 deutlich angestiegen", sagt er.
Dieses tschechische Diebesduo wurde im März an einem Zittauer Grenzübergang bei der Einreise mit einem gestohlenen Auto aufgenommen.
Seitdem seien sie im Vergleich zum Rest des Freistaates und der Bundesrepublik nach wie vor deutlich erhöht. Grenzkriminalität bedeutet in Görlitz und Zittau vor allem Diebstähle von Autos und Fahrrädern sowie Einbrüche in Wohnungen, Werkstätten und Keller. Auch Betrug und Drogen spielen eine Rolle.
Geschlecht, Alter, Tatzeit, Tatort, genutztes Fahrzeug werden gefiltert
Doch die Aufklärung im Grenzraum gestaltete sich in der Vergangenheit oft schwierig. Häufig hätten zum Beispiel Autodiebe aus Polen bei ihren Raubzügen kaum Spuren hinterlassen, bevor sie wieder über die Grenze verschwanden. "Da ist einfach bloß eine Parklücke", sagt Reiner. Es habe häufig kaum einen Ansatz für Ermittlungen gegeben.
Das habe sich mit der Einführung von PerIS geändert. "Seit 2023 sind wir in Zittau in der Lage, derartige Delikte zu klären, weil wir einfach einen Datenbestand haben, den wir nach relevanten Kriterien wie Geschlecht, Alter, Tatzeit, Tatort, genutztes Fahrzeug filtern können." So finden die Polizisten häufig Aufnahmen der Tatverdächtigen und ihrer Fahrzeuge und haben somit einen Ausgangspunkt für Ermittlungen. Insofern sei das System ein "Gamechanger".
Gute Zusammenarbeit mit polnischer Polizei
Mit Hilfe der polnischen Polizei – zu der es ein vertrauensvolles und enges Verhältnis gebe – könne man dann die Täter identifizieren. Sehr oft habe man so ganze Serien von Kfz-Diebstählen aufklären können und sei auch an die Hintermänner gekommen.
Allein in Zittau habe PerIS seit 2024 rund 370 Treffer mit Relevanz für Ermittlungen und Strafverfahren gebracht. Ins Netz gingen den Ermittlern dabei nicht nur Diebe und Einbrecher, sondern auch über die Grenze hinweg agierende Enkeltrickbetrüger, Drogendealer und andere Tatverdächtige.
Grenzübergreifende Ermittlungen sind herausfordernd. Mit der polnischen Polizei gibt es eine enge Zusammenarbeit.
Aufklärungsquote bei Kfz-Diebstählen vervierfacht
"Wir konnten die Aufklärungsquoten in bestimmten Deliktbereichen nachhaltig erhöhen", sagt Reiner. Die Aufklärungsquote bei besonders schweren Fällen des Diebstahls etwa stieg von 17 Prozent im Jahr 2023 auf 30 Prozent im Jahr 2025. Im gleichen Zeitraum stieg die Aufklärungsquote bei Kfz-Diebstählen in Zittau sogar von 12,5 auf 54 Prozent.
Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) zeigt sich zufrieden mit PerIS: "Es hilft vor allem bei der Aufklärung. Und da, wo gut aufgeklärt wird, dort vermeiden Kriminelle auch hinzugehen", sagt er.
Kfz-Diebstähle halbiert
Seit PerIS über die drei mit Kfz passierbaren Zittauer Grenzübergänge wacht, sind die Fallzahlen bestimmter Delikte deutlich zurückgegangen: Kfz-Diebstähle sanken von 57 im Jahr 2023 auf 25 im Jahr 2025, Fahrraddiebstähle von 158 auf 58.
Martin Reiner betont aber auch, dass sich ein direkter Zusammenhang zu PerIS kaum nachweisen lasse. Er selbst geht von mehreren Faktoren aus, die zu dieser Entwicklung beitragen – zum Beispiel geringere Einkommensunterschiede zwischen Polen und Deutschland. Oberbürgermeister Zenker nennt auch die Grenzkontrollen der Bundespolizei als wichtigen Faktor, die zwei Monate vor PerIS in Zittau eingeführt worden sind.
MDR
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