Neue Steuer lässt ab 2027 die Preise steigen – Supermärkte und Discounter in NRW reagieren

Stand: 22.07.2026, 06:40 Uhr

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In NRW reagieren Händler zurückhaltend auf die geplante Steuererhöhung für Spirituosen. Die Bundesregierung will 20 Prozent mehr. Die Hersteller warnen vor einem gegenteiligen Effekt.

Hamm – Wer sich in den nächsten Jahren einen Wodka, Rum oder Korn in seinen Einkaufswagen legt, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Bundesregierung plant, die Spirituosensteuer zum 1. Januar 2027 um 20 Prozent anzuheben – von derzeit 13,03 Euro auf 15,64 Euro je Liter Reinalkohol. Ein entsprechender Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums liegt bereits vor und soll im Rahmen eines Begleitgesetzes zum Haushalt 2027 beschlossen werden. Auch für Champagner, Sekt, Likörweine und Alkopops sind Erhöhungen vorgesehen. Bier und Wein bleiben von der Reform ausgenommen.

 Alkohol kurz vor der Kasse. Die kleinen Flaschen sollen zum Impulskauf animieren.

Spirituosen könnten teurer werden. © IMAGO/Ute Grabowsky/photothek.de

Hintergrund der Pläne sind vor allem leere Kassen: Das Finanzministerium rechnet durch die Anhebung mit Mehreinnahmen von rund 455 Millionen Euro pro Jahr, die in den Bundeshaushalt fließen sollen. Bereits im April hatte das Kabinett eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer als eine von mehreren Maßnahmen zur Schließung der Haushaltslücken angekündigt. Zusätzlich argumentiert die Regierung gesundheitspolitisch: Eine vom Gesundheitsministerium eingesetzte Kommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen hatte sogar drei aufeinanderfolgende Steuererhöhungen zwischen 2027 und 2029 empfohlen. Ziel sei es, den Alkoholkonsum zu senken – Fachleute rechnen dadurch mit bis zu 1000 vermiedenen Krebsfällen pro Jahr sowie weniger alkoholbedingten Unfällen.

Steuerpläne für Alkohol: Sekt und Alkopops werden teurer, Bier nicht

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Nordrhein-Westfalen dürfte die Neuregelung spürbare Folgen haben, sobald sie in Kraft tritt. Ob und in welchem Umfang die höhere Steuer tatsächlich an der Kasse ankommt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie Handelsketten und Discounter in der Region darauf reagieren. Auf wa.de-Anfrage zeigt man sich bei der Regionalgesellschaft Edeka Nordwest, die auch zahlreiche Märkte in NRW betreibt, noch zurückhaltend. „Eine abschließende Bewertung der geplanten Reform der Spirituosensteuer ist aus unserer Sicht derzeit noch nicht möglich. Aktuell liegt kein verabschiedetes Gesetz vor, sondern es handelt sich um politische Überlegungen und einen laufenden Prozess. Daher ist es zu früh, konkrete Auswirkungen auf Preise, Produkte oder das Kaufverhalten von Kundinnen und Kunden zu bewerten“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Man wolle die Entwicklung „transparent begleiten“ und erst nach Vorliegen konkreter gesetzlicher Regelungen mögliche Folgen für Sortiment und Kundschaft prüfen.

Noch zurückhaltender äußern sich die großen Discounter: Die Schwarzgruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, verweist auf Anfrage an den Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) und möchte darüber hinaus keine weiteren Angaben machen. Ähnlich reagieren Aldi Nord und Aldi Süd: „Wenden Sie sich gerne direkt an den HDE (Handelsverband Deutschland), da es sich hier um ein branchenübergreifendes Thema handelt. Wir bitten um Verständnis, dass wir darüber hinaus keine Angaben machen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Die Zurückhaltung der Discounter zeigt: Solange kein endgültiger Gesetzestext vorliegt, wollen sich große Handelsketten offenbar nicht auf konkrete Preisreaktionen festlegen und verweisen lieber auf die zuständigen Branchenverbände. Auch dort bleibt man vage.

Deutlich weniger zurückhaltend positioniert sich die Herstellerseite: Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) lehnt die geplante Steuererhöhung in einem Positionspapier scharf ab. Als Interessenvertretung der Branche warnt der Verband vor einer Belastung des mittelständisch geprägten Sektors und rechnet vor, dass Spirituosen schon heute rund 70 Prozent aller Alkoholsteuern aufbrächten, obwohl sie nur einen kleinen Teil des Konsums ausmachten.

Spirituosensteuer steigt 2027 – Handel in NRW bleibt vage

Nach einer vom Verband selbst in Auftrag gegebenen Modellrechnung könnte die Anhebung wegen sinkender Absatzmengen und Ausweichkäufen im Ausland langfristig sogar zu Mindereinnahmen für den Staat führen – eine Einschätzung, die naturgemäß im wirtschaftlichen Interesse der Branche liegt und sich von den offiziellen Prognosen des Bundesfinanzministeriums von 455 Millionen Euro Mehreinnahmen deutlich unterscheidet. Auch den gesundheitspolitischen Nutzen der Reform stellt der BSI infrage und verweist auf sinkende Konsumzahlen der vergangenen Jahre; unabhängige Studien der WHO sehen Steuererhöhungen auf Alkohol hingegen grundsätzlich als wirksames Instrument zur Eindämmung des Konsums.

Bis zur endgültigen Verabschiedung des Gesetzes bleibt damit vieles in der Schwebe – auch für den Handel in NRW. Klar ist bislang nur der Zeitplan: Sollte der Entwurf des Bundesfinanzministeriums wie geplant durch den Bundestag gehen, würde die höhere Spirituosensteuer zum Jahreswechsel 2026/2027 greifen.