Neue Hoffnung für Sykes Innenstadt: Ein Treffpunkt ohne Konsumzwang
Stand: 28.07.2026, 13:38 Uhr
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Die Stadtbibliothek zieht in die Immobilie an der Hauptstraße 33. Dort können sich Bürger künftig konsumfrei treffen – auch außerhalb der Öffnungszeiten.
Syke – In der Bibliothek herrscht reges Treiben. Kinder tauchen in die Welt der Bücher und Spiele ein, während Erwachsene sich in gemütlichen Ecken niederlassen. Ein Mädchen zieht ein Kinderbuch aus dem Regal und blättert neugierig darin. Dieses Regal, auf Rollen montiert, gehört zu den neueren Möbelstücken und wird bald umziehen. Denn die Stadtbibliothek bekommt einen neuen Standort: „Wessels Hotel“. Die Immobilie an der Hauptstraße 33, im Besitz der Stadt, soll zu einem sogenannten Dritten Ort werden.

Dritte Orte sind Treffpunkte außerhalb des eigenen Zuhauses und des Arbeitsplatzes. Sie bieten Raum für informelle Begegnungen, Gespräche und gemeinschaftliche Aktivitäten – möglichst niedrigschwellig und ohne Konsumzwang. Der Begriff geht auf den US-amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg zurück. Typische Dritte Orte sind Cafés, Kneipen, Bibliotheken, Parks, Kulturhäuser oder Nachbarschaftszentren. Sie fördern soziale Kontakte, wirken Einsamkeit entgegen und stärken das Gemeinschaftsleben.
Nicht genutztes Potenzial
„Luft nach oben“ – so beschreibt Anna-Sophie Heinrich das Potenzial der Syker Innenstadt. Sie betreibt die Konditorei „Anna’s“ an der Hauptstraße und bekam jüngst im Rahmen des Kommunalverbund-Fachtags Besuch von den Teilnehmenden. Auch „Stadtretter“ Stefan Müller-Schleipen war darunter. Er hatte sich bereits einen Tag zuvor in der Stadt umgesehen. Sein Fazit für die Hachestadt: „Syke hat viel Potenzial und Plätze, spielt diese aber nicht richtig.“ Müller-Schleipen nennt zwei Beispiele: „Es gibt eine Fußgängerzone, die keine ist. Und mit der Hache hat die Stadt Charme. “ Statt das Gewässer zuwuchern zu lassen, sollte sich Syke diesem zuwenden und es etwa bei Hitze nutzen. Kuchem und Laue bestätigen, dass der Stadtretter den Verantwortlichen Sykes beim Rundgang einige schnell umsetzbare Ideen mit auf den Weg gegeben hat.
„Wessels Hotel“ ist dafür der perfekte Ort, davon sind Sykes Bürgermeisterin Suse Laue und ihr Erster Stadtrat Thomas Kuchem überzeugt. Die Voraussetzungen sind ideal: Die Immobilie gehört der Stadt und liegt zentral in der Innenstadt. Laue und Kuchem hoffen, dort nicht nur einen zentralen Treffpunkt für die Menschen zu schaffen, sondern auch die Syker Innenstadt zu beleben. Denn Syke hat das Problem vieler Städte: Es gibt zwar noch einige inhabergeführte Geschäfte, doch in manchen Bereichen entlang der Hauptstraße herrscht Flaute.
„Die Stadtretter“ haben Hoffnung für Syke
Dritte Orte, so die Hoffnung, könnten diese Entwicklung umkehren. Darum ging es auch beim Fachtag „Dritte Orte im Fokus“ des Kommunalverbundes Niedersachsen-Bremen in Syke. Rund 40 Teilnehmende tauschten sich einen ganzen Tag lang aus. Für den Blick von außen sorgte Stefan Müller-Schleipen von der bundesweiten Initiative „Die Stadtretter“, die 2020 gegründet wurde und mittlerweile rund 1400 Kommunen umfasst. „Uns verbindet die Überzeugung, dass urbane Räume und Ortskerne wieder Orte der Begegnung, des Miteinanders und der Zukunft werden können, wenn Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln. Dabei verstehen sich die Stadtretter nicht als externe Problemlöser, sondern als Partner auf Augenhöhe.“ Städte und Gemeinden sollen Werkzeuge zur Problemlösung an die Hand bekommen.
Mit „Wessels Hotel“ habe die Stadt ideale Voraussetzungen, findet Müller-Schleipen. Dass sich die Menschen aus Syke dort „konsumfrei aufhalten können, ist eine Supersache“. Er lobt ausdrücklich die Verantwortlichen: „Das wird diese Straße aufwerten, wenn es erst einmal fertig ist.“ Mit den Dritten Orten sei es nämlich so eine Sache, weiß der Stadtretter. Alle finden das Prinzip toll, doch die Finanzierung sei oft nicht gesichert. Leider gebe es nur wenige Beispiele für derartige Projekte, so Müller-Schleipen. Als eines dieser Beispiele verweist er auf das „HOMie“ in Homburg. Das Projekt startete als zeitlich befristetes Projekt gegen Leerstand für Schüler und wird inzwischen auch von Studierenden der Universität des Saarlandes als Lern- und Begegnungsort genutzt.
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Keine Studierenden, wohl aber Berufstätige und Schüler können sich Laue und Kuchem als Nutzergruppen für „Wessels Hotel“ vorstellen. Laut Kuchem sollen dort auch Co-Working-Plätze entstehen. Doch bis dahin dauert es noch, denn erst muss die Immobilie entsprechend umgebaut werden. „Wir gehen jetzt in die Ausschreibung“, sagt Sykes Bürgermeisterin. Dies soll für drei Gewerke geschehen: Für die Baudurchführung sucht die Stadt ein Architekturbüro, die anderen Gewerke betreffen Elektroarbeiten sowie Heizung-Lüftung-Sanitär.
Die Stadtbibliothek hat sich bereits auf den Weg gemacht, ein Dritter Ort zu sein. Am jetzigen Standort unter dem Dach des Rathauses gibt es schon jetzt neben Ausleihen auch Doppelkopf-Turniere, Lesungen und andere Veranstaltungen sowie Chorproben. „Hier ist ein Ort, hier kannst Du hingehen“, beschreibt Laue die Idee dahinter. Am neuen Standort wird zudem das Prinzip der „Open Library“ eingeführt. Dann können registrierte Nutzer auch außerhalb der Öffnungszeiten Literatur und Co. ausleihen oder zurückbringen – wie unter anderem in Twistringen.