Neonazi Marla-Svenja Liebich: Haft in Männergefängnis trotz Geschlechtsänderung
Publiziert16. Juli 2026, 18:07
DeutschlandNeonazi Marla-Svenja Liebich kommt doch ins Männergefängnis
Nach seiner Verurteilung liess Sven Liebich sein Geschlecht offiziell ändern – wohl damit er in ein Frauengefängnis kommen könnte. Nun sitzt er jedoch trotzdem in einem Männergefängnis.


Darum gehts
- Der deutsche Neonazi Marla-Svenja Liebich soll seine Haftstrafe trotz weiblichem Geschlechtseintrag in einem Männergefängnis verbüssen.
- Die Anstaltsleitung des Frauengefängnisses in Chemnitz verlegte ihn noch am Tag seiner Auslieferung aus Tschechien in die JVA Zeithain im Landkreis Meissen.
- Sachsens Justizministerin Constanze Geiert begrüsste die Entscheidung: «Gut, dass die JVA sich nicht auf Inszenierungen eingelassen hat.»
Obwohl der deutsche Neonazi Marla-Svenja Liebich offiziell als Frau gilt, soll er seine Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer verbüssen. Das habe die Anstaltsleitung im Frauengefängnis in Chemnitz entschieden, teilte das Justizministerium des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen der Deutschen Presse-Agentur mit.
Im Juli 2023 war der Rechtsextremist – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.
Nach Tschechien geflohen
Ursprünglich sollte Liebich die Haft schon Ende August 2025 antreten, war dann aber nach Tschechien geflohen. Dort wurde er im April gefasst und am Mittwoch nach Deutschland ausgeliefert.
2025 war bekanntgeworden, dass Liebich den Geschlechtseintrag von männlich zu weiblich hatte ändern lassen, was Kritiker für eine Provokation hielten. Das 2024 unter der deutschen «Ampelregierung» aus SPD, Grünen und FDP eingeführte Selbstbestimmungsgesetz hatte diese recht unbürokratisch ablaufende Änderung des Geschlechtseintrags ermöglicht.
Liebich gab an, Angst vor Männergefängnis zu haben
Nach seiner Festnahme in Tschechien hatte er vor einem dortigen Gericht angegeben, nicht nach Deutschland gebracht werden zu wollen, weil er Angst habe, in einem deutschen Männergefängnis ums Leben zu kommen. Schliesslich gab die tschechische Justiz aber grünes Licht für die Auslieferung.
Nach seiner Auslieferung von Tschechien nach Deutschland am Mittwoch war Liebich zunächst in das Frauengefängnis in Chemnitz gebracht worden. Noch am selben Tag sei er in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im Landkreis Meissen verlegt worden, hiess es nun.
«Nicht auf Inszenierungen eingelassen»
«Gut, dass die JVA schnell Klarheit geschaffen und sich nicht auf Inszenierungen eingelassen hat», sagte die Justizministerin des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen, Constanze Geiert. Die Entscheidung der Anstaltsleitung wurde demnach unter anderem nach einem Gespräch mit Liebich und einer Untersuchung an ihm getroffen. In der Abwägung massgeblicher Aspekte sei es auch um die Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen, hiess es.
Vor dem Amtsgericht in Halle steht derzeit noch eine Entscheidung darüber aus, ob die Änderungen des Geschlechtseintrags rückgängig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte nach eigenen Angaben im Dezember 2025 rechtliche Schritte für eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet.

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.

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