Iran schließt Straße von Hormus – USA greifen das Land an

Iran blockiert im Konflikt mit den USA erneut die strategisch wichtige Straße von Hormus und droht mit einer entschiedenen Antwort auf jede militärische Reaktion. Ein Schiff, das die Sicherheit im Seeverkehr gefährdet habe, sei getroffen und gestoppt worden, teilte die Marine der Iranischen Revolutionsgarden am Sonntag mit. Die Meerenge sei „bis auf Weiteres“ und bis zum „Ende der US-Einmischung in dieser Region“ geschlossen.

Bei dem betroffenen Frachter handele es sich um das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff GFS Galaxy, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Ein Besatzungsmitglied werde vermisst. Das Schiff sei wegen eines Feuers an Bord sowie erheblicher Schäden im Maschinenraum nicht in der Lage, seine Reise fortzusetzen. Laut der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO hat die Mannschaft das Schiff inzwischen verlassen.

Das US-Militär hat eigenen Angaben zufolge mit Angriffen auf Iran reagiert. Land- und seegestützte Kampfflugzeuge, Drohnen und Marineschiffe hätten Präzisionsmunition auf rund 140 iranische Militärziele abgefeuert. Zu den Zielen gehörten demnach iranische Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsstandorte.

Eine vom US Central Command (Centcom) veröffentliche Aufnahme  zeigt angeblich einen eigenen Angriff auf ein iranisches Geschütz.
Eine vom US Central Command (Centcom) veröffentliche Aufnahme  zeigt angeblich einen eigenen Angriff auf ein iranisches Geschütz. U.S. Central Command/via REUTERS

Alarm in Golfstaaten: Angriffe mit Raketen und Drohnen

Nachdem Iran zuvor gewarnt hatte, Aggressionen gegen das Land würden „auf eine scharfe Reaktion stoßen“, ist es tatsächlich zu Angriffen auf mehrere mit den USA verbündete Golfstaaten gekommen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten Angriffe mit Raketen und Drohnen ab, teilte das dortige Verteidigungsministerium mit. Der Katastrophenschutz warnte die Bewohner vor der Bedrohung. Auch das Verteidigungsministerium von Katar teilte auf der Plattform X mit, die Flugabwehr habe einen Raketenangriff abgewehrt, die Sicherheitslage sei ernst. Die Einwohner sollten in Gebäuden bleiben und sich von Fenstern und offenen Flächen fernhalten. Iranischen Angaben zufolge wurde hier der US-Luftwaffenstützpunkt Al Udeid von ballistischen Raketen getroffen. In Bahrain ertönten Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Menschen wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und einen sicheren Ort aufzusuchen.

Nach eigenen Angaben zerstört Katars Luftabwehr auf diesem Foto eine iranische Rakete.
Nach eigenen Angaben zerstört Katars Luftabwehr auf diesem Foto eine iranische Rakete. dpa

Der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X: „Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis“. Der Militärsprecher Amir Akraminia warf der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim zufolge dem US-Präsidenten Donald Trump vor, Zusagen nicht einzuhalten. „Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormus eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht“, sagte er.
Gemäß dem Rahmenabkommen liege die Verantwortung beim Iran.

Die Eskalation folgt auf eine Woche zunehmender Spannungen und gescheiterter Vermittlungsbemühungen. Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der für den Handel wichtigen Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen.

Trump erklärte Waffenruhe für beendet

Am Freitag hatte Präsident Trump zwar erklärt, die Gespräche mit Teheran würden fortgesetzt, zugleich aber die Waffenruhe für beendet erklärt. Zuvor hatten hochrangige US-Vertreter Iran öffentlich aufgefordert, die Angriffe auf Schiffe in der Meerenge einzustellen und alle Seewege offenzuhalten.

Vermittler aus Katar und Pakistan sowie aus Oman hatten sich um die Fortsetzung der Verhandlungen in dem Konflikt bemüht, der nach US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf Iran am 28. Februar begann. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi traf sich in Oman mit seinem Amtskollegen, um über Möglichkeiten einer sicheren Durchfahrt zu beraten.

Von US-Centcom hieß es, Iran habe mit dem Angriff auf das Schiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Rahmenabkommen zu halten. Teheran habe versagt. Es handelt sich laut Centcom bereits um die dritte Angriffswelle der USA gegen Iran in dieser Woche.

Der Transport durch die Meerenge deckt ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs

Durch die Straße von Hormus wurde vor der Eskalation des Konflikts etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert. Die Blockade durch Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die weltweite Inflation angeheizt. Einem Bericht des Senders CNN zufolge hatte Oman einen Vorschlag unterbreitet, der eine freie Durchfahrt im südlichen Korridor in omanischen Gewässern vorsah.

Den Persischen Golf (links), den Golf von Oman (rechts) und dazwischen  die Straße von Hormus zeigt diese Satellitenaufnahme der Nasa.
Den Persischen Golf (links), den Golf von Oman (rechts) und dazwischen  die Straße von Hormus zeigt diese Satellitenaufnahme der Nasa. The Visible Earth/Nasa/dpa

Zusätzlich angeheizt wird der Konflikt immer wieder durch gegenseitige Drohungen. Der neue oberste geistliche Führer Irans, Ayatollah Modschtaba Chamenei, schwor am Samstag Rache für den Tod seines Vaters und Vorgängers, Ayatollah Ali Chamenei, der bei den Angriffen am 28. Februar getötet worden war.

Trump hatte seinerseits am Freitag erklärt, er habe das US-Militär angewiesen, darauf vorbereitet zu sein, im Fall eines Anschlags auf ihn Tausende Raketen auf Iran abzufeuern. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, Israel habe Washington Geheimdienstinformationen über einen iranischen Anschlagsplan gegen Trump übermittelt.

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