Nach Ahrtal-Flut: Werra-Meißner-Kreis rüstet weiter Hochwasser- und Brandschutz auf

Stand: 15.07.2026, 06:29 Uhr

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Dramatische Eindrücke: Auch der THW-Ortsverband Großalmerode half 2021 im Ahrtal. Ortsbeauftragter Thomas Kalny hielt seine Eindrücke in Bildern fest

Dramatische Eindrücke: Auch der THW-Ortsverband Großalmerode half 2021 im Ahrtal. Ortsbeauftragter Thomas Kalny hielt seine Eindrücke in Bildern fest. © Foto: Thomas Kalny

Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal investiert das Land Hessen 21 Millionen Euro in neue Einsatzfahrzeuge. Im Werra-Meißner-Kreis entstehen zwei THW-Neubauten für das zusätzliche Material.

Werra-Meißner/Ahrtal – Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat tiefgreifende Lernprozesse im deutschen Bevölkerungsschutz angestoßen. Sie jährt sich in der Nacht zum 15. Juli, zum fünften Mal und bietet einen Anlass, um auf die Veränderungen im regionalen Katastrophenschutz zu blicken.

„Für den THW-Ortsverband Eschwege war die Bewältigung des Hochwassers der bislang größte und längste Einsatz der Verbandsgeschichte“, erklärt THW-Ortsbeauftragter Timo Sippel und verweist auf eine personelle Stabilität sowie auf einen spürbaren Schub im Nachwuchsbereich seit dem Einsatz.

THW Epterode im Einsatz - Ahrtal Katastrophe 2021

Zerstörte Häuser und Berge aus Trümmern prägen das Bild nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021. Der THW-Ortsverband Großalmerode half über Wochen hinweg im Ahrtal. © Thomas Kalny

185 Tote bei Flutkatastrophe

Die Flutkatastrophe im Juli 2021 forderte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 185 Menschenleben – davon 135 im Ahrtal –, verletzte 766 Menschen schwer und gilt als eine der opferreichsten Fluten in der modernen Geschichte Deutschlands. Wassermassen zerstörten rund 9000 Gebäude, spülten Brücken sowie Straßen weg und hinterließen Schätzungen zufolge Schäden von mehr als 30 Milliarden Euro. Das Ereignis deckte Defizite im behördlichen Krisenmanagement auf und stieß eine Modernisierung des Katastrophenschutzes an.

Insgesamt waren 54 ehrenamtliche Helfer des THW-Ortsverbands Eschwege und 20 Einsatzkräfte aus dem Ortsverband Großalmerode waren über vier Monate an der Ahr im Einsatz. Die Ortsverbände Eschwege und Großalmerode profitierten in den vergangenen fünf Jahren von Investitionen in neue Ausstattung wie Schmutzwassertauchpumpen, eine Netzersatzanlage mit Lichtmast und spezialisierte Anhänger. Um das gestiegene Material unterbringen zu können, entstehen zwei Neubauten.

Prävention werde zudem datengestützt umgesetzt. Die Kreisverwaltung des Werra-Meißner-Kreises erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: „Regionale Starkregengefahrenanalysen, die über die Kommunale Klimarichtlinie gefördert werden, bieten präzise Simulationen von Niederschlägen und Abflüssen.“

Auf Landesebene wertete das hessische Innenministerium die Abläufe systematisch aus: „Daraus entstanden ein aktualisierter Sonderschutzplan für Starkregen und Hochwasserschutz sowie regionale Sensibilisierungsveranstaltungen für kommunale Entscheidungsträger“, so Sprecherin Adina Murrer.

Navigation funktionierte nicht mehr: Dort, wo ehemals Straßen langführten, war nichts als Trümmer und Schlamm

Navigation funktionierte nicht mehr: Dort, wo ehemals Straßen langführten, war nichts als Trümmer und Schlamm. © Foto: Thomas Kalny

„Die materielle Ausstattung im hessischen Katastrophenschutz wurde seither gezielt modernisiert, unter anderem durch die Beschaffung von 26 hochgeländegängigen, watfähigen Gerätewagen-Logistik im Gesamtwert von 21 Millionen Euro“, sagt Murrer weiter. Ein Teil dieser überörtlichen Einsatzmittel sei fest im Landkreis stationiert.

Flankiert wird dies von Investitionen in den lokalen Katastrophenschutz: In Witzenhausen beliefen sich die Katastrophenschutzausgaben des Landes in den vergangenen fünf Jahren auf insgesamt 234.000 Euro. Die Schutzinvestitionen lagen im Landkreis im Durchschnitt jährlich bei etwas mehr als 327.000 Euro.

„Es flossen zwischen 2021 und 2025 knapp 600.000 Euro an Landesgeldern in den präventiven Hochwasserschutz des Werra-Meißner-Kreises, womit unter anderem die Erweiterung des Werradeiches entlang der Bundesstraße 80 in Witzenhausen realisiert wurde“, erklärt Adina Murrer weiter. Die hessischen Gesamtausgaben für den präventiven Hochwasserschutz beliefen sich demnach im selben Zeitraum auf rund 68 Millionen Euro.

Ergänzend heißt es aus der Kreisverwaltung Werra-Meißner, dass die hiesige Topografie dank breiter Retentionsflächen im Werratal eine großflächige Wasserausbreitung ohne Strömungsgeschwindigkeiten erlaubt. Dennoch würden die Alarmpläne kontinuierlich angepasst und präventiv flächendeckend digitale Fließpfadkarten für alle 16 Kommunen beschafft. Außerdem sei die Warninfrastruktur durch die laufende Umrüstung von aktuell 157 digitalen Sirenen gestärkt worden.

Laut Kreisverwaltung haben unter anderem die Kommunen Eschwege, Sontra und Meißner bereits Starkregengefahrenanalysen erstellen lassen, um Schwachstellen im Gemeindegebiet präventiv zu sichern und die Bevölkerung auf zukünftige Wetterextreme vorzubereiten.

Ein Schwerpunkt der Reformen betrifft die Warninfrastruktur. Hessen hat rund 22 Millionen Euro in die Modernisierung der 25 Zentralen Leitstellen investiert, wie vom Innenministerium mitgeteilt wird. Der Landkreis erhielt daraus 110.000 Euro zur Erneuerung von 22 Sirenenstandorten.