Mutmaßlicher CSD-Attentäter von Polizei erschossen

Was wir wissen
 

Tatgeschehen und unmittelbarer Ablauf

In Berlin ist ein weißer Van in der Nähe des Brandenburger Tors unweit der CSD-Veranstaltung in eine Menschenmenge gefahren; das Geschehen ereignete sich am Samstagabend gegen 22.00 Uhr. Der Kastenwagen fuhr laut Polizeisprecher Florian Nath am Ahornsteig parallel zur Lennéstraße und erfasste dabei mehrere Menschen, bevor das Fahrzeug gegen einen Baum prallte. Der Fahrer stieg nach dem Aufprall aus und flüchtete in unbekannte Richtung, wie Nath erklärte. Eine Frau wurde bei dem Vorfall getötet, 29 weitere Menschen wurden zum Teil lebensbedrohlich verletzt. 

Tatverdächtiger und Fahndung

Die Polizei hatte bereits in der Nacht einen mutmaßlichen Verdächtigen identifiziert, wie Polizeisprecher Nath mitteilte. Der Mann sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet.

Am Morgen veröffentlichte die Polizei ein Fahndungsfoto des 21 Jahre alten Abdul B. Zu dem Tatverdächtigen sagte Alexander Dobrindt bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag: "Wir haben es hier mit einem mutmaßlichen Täter zu tun, der in der Vergangenheit auffällig war durch ein hohes Maß an Straftaten, durch eine Radikalisierung, durch eine Zugehörigkeit zur islamistischen Szene."  Er sei 2005 in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger, sagte Dobrindt weiter.

Fahndungsfoto Abdul B.
Zur Fahndung ausgeschrieben- der Tatverdächtige der AmokfahrtBild: Polizei Berlin

Das gesamte Statement von Innenminister Dobrindt finden Sie hier.

Fahrzeug und polizeiliche Maßnahmen

Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich laut Polizeisprecher Nath um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen. Das leere und stark demolierte Fahrzeug wurde im Bereich des Tatorts sichergestellt. Das Gebiet rund um den Tatort wurde großräumig abgesperrt, der Tiergarten wurde in der Nacht mit Wärmebildkameras abgesucht, wie Nath schilderte.

Zerbeultes Auto zwischen Bäumen, daneben Ermittler in Schutzanzügen
Die Polizei sichert die Spuren am TatfahrzeugBild: dts Nachrichtenagentur/IMAGO

In den Stunden nach der Tat kam es zu mehreren weiteren Polizeieinsätzen in Berlin im Zusammenhang mit der Auto-Attacke, darunter war eine Wohnungsdurchsuchung in Berlin-Schöneberg. Dort wurde niemand angetroffen, es gab keine Festnahme, so Nath.

Hintergrund und Motivlage

Dobrindt stuft die Tat als "islamistischen Terroranschlag" ein. Auf eine derartige Motivation des Tatverdächtigen deute "alles" hin, so Dobrindt am Sonntag in Berlin. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen, wie Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ankündigte. Karlsruhe übernimmt in der Regel bei schweren Straftaten gegen die innere oder äußere Sicherheit Deutschlands die Ermittlungen. Dazu gehören etwa Terrorismus, Landesverrat und Spionage.

Was noch unklar ist
 

Gab es eine zweite Tatphase?

Noch ist nach Behördenangaben unklar, ob Abdul B. tatsächlich das Fahrzeug gesteuert hat. Ebenfalls offen ist, wem der weiße Van gehört. Die Ermittler gehen davon aus, dass es nach der "Fahrphase" eine zweite Tatphase gab, in der jemand das Fahrzeug verlassen und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt haben könnte. Dobrindt sagte bei der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag, der Täter sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen. Nach Zeugenaussagen gibt es unterschiedliche Angaben dazu, ob ein einzelner oder mehrere Täter beteiligt waren. Die genaue Täterzahl ist daher noch ungeklärt.

Zum Gedenken liegen eine Regenbogenfahne, eine Kerze und Sonnenblumen an einem Baum
Die Trauer zeigt sich bereits am TatortBild: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Debatte um Sicherheit

Taten wie der Angriff auf den Berliner CSD lassen sich nach Einschätzung von Experten praktisch nicht verhindern. "Ich glaube, dass ein Staat oder auch die Europäische Union, eine Staatengemeinschaft, sehr viele Maßnahmen ergreifen kann, damit die Menschen in Deutschland sicher sind", sagte der Terrorismusexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Felix Neumann. Eine hundertprozentige Sicherheit sei aber nicht möglich. "Es wird immer Menschen geben, die aus was für einem Motiv auch immer zur Gewalt greifen und dann irgendwelche Lücken finden."