Stripe will Paypal übernehmen: Warum der einstige Payment-Pionier plötzlich zum Schnäppchen wird

Jeder kennt Paypal. Der US-Zahlungsdienstleister ist auch in Deutschland die beliebteste Bezahlmethode beim Onlineshopping. Der Marktanteil liegt laut dem Forschungsinstitut EHI gemessen am Umsatz bei rund 30 Prozent. Doch nun wird der einst von SpaceX-Chef Elon Musk und dem Investor Peter Thiel gegründete Pionier für Digitalzahlungen womöglich zum Übernahmekandidaten.

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Konkurrent Stripe hat gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent International ein Angebot von 60,50 US-Dollar je Aktie vorgelegt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Damit wird Paypal mit mehr als 53 Milliarden Dollar bewertet, ein Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag.

Eine erste Kontaktaufnahme soll es bereits Anfang April gegeben haben, allerdings haben die Bieter bislang keine Antwort von Paypal erhalten. Sie strebten nun in der kommenden Woche Gespräche mit dem Zahlungsdienstleister an.

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Der Absturz: So wurde Paypal zum Übernahmekandidaten

Auch wenn Nutzer:innen davon wenig spüren: Paypal hat schon länger Probleme. Seit einigen Monaten steht die Paypal-Aktie unter Druck. In den vergangenen zwölf Monaten verlor Paypal rund 35 Prozent seines Börsenwerts. Gemessen an dem Rekordhoch von 310 Dollar vor rund fünf Jahren verlor die Aktie sogar 83 Prozent an Wert bis zum Schlusskurs vor dem Übernahmeangebot.

Gründe für den Absturz sind der steigende Konkurrenzdruck sowie Margenprobleme. Paypal verdient am besten, wenn Kund:innen bewusst mit dem Dienst bezahlen, also auf das eigene Logo tippen. Von jeder Zahlung behält das Unternehmen dann einen kleinen Anteil ein.

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Wachsen kann Paypal momentan aber vor allem in einem Geschäft, in dem nicht die eigene Marke sichtbar wird. Über seine Tochter Braintree wickelt der Konzern etwa Zahlungen für fremde Unternehmen ab. An den Abwicklungen im Hintergrund verdient Paypal aber deutlich weniger als an den eigenen Transaktionen. Während der Umsatz steigt, sinkt deshalb der Gewinn pro Zahlung.

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Auch der eigene Dienst Venmo, mit dem US-Kund:innen Geld an Freunde überweisen können, brachte lange kaum Erträge. Erst jetzt versucht Paypal, daraus mit Bezahlkarte, Ratenkauf und Händleranbindung ein echtes Geschäft zu bauen. Außerdem hat sich der Wettbewerb verändert. Neue Bezahltrends wie etwa „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) oder Kryptozahlungen haben Wettbewerber früher erkannt und genutzt.

Zudem sind etwa Apple Pay oder Google Pay heute quasi in jedem iPhone oder Android-Handy bereits eingebaut, ohne dass Nutzer:innen eine zusätzliche App runterladen müssen. Paypal startete dagegen die eigene kontaktlose Bezahllösung fürs Handy in Deutschland und Großbritannien erst im Jahr 2025. Gerade hat der Bezahldienstleister der App noch einmal ein Update verpasst, damit Nutzer:innen schneller auf die wichtigsten Funktionen und Informationen zugreifen können.

Doch solche Neuerungen erscheinen eher als Reaktionen auf einen Markt, der sich schneller entwickelt als Paypal selbst. Anfang des Jahres bekam das Unternehmen daher bereits einen neuen Chef, der das Paypal aus der Krise führen soll.

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Seit April baut Enrique ‌Lores das Geschäftsmodell um. Das operative Geschäft von Paypal wird künftig in drei Einheiten eingeteilt. Neben den bekannten Bezahlfunktionen für Kund:innen und Händler und der Bezahl-App Venmo bündelt eine dritte Sparte das Geschäft mit Kryptowährungen, der hauseigenen Digitalwährung PYUSD und der Zahlungsabwicklung über Braintree.

Außerdem soll der Einsatz von KI in den kommenden drei Jahren Einsparungen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar bringen.

Stripe: Was kann der Paypal-Konkurrent?

Paypal-Bieter Stripe dürfte vielen eher kein Begriff sein. Das US-amerikanisch-irische Unternehmen wurde im Jahr 2010 gegründet und ist selbst nicht börsennotiert. Bei einer Finanzierungsrunde im Februar wurde Stripe mit 159 Milliarden Dollar bewertet.

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Allerdings wickelt Stripe für viele große Konzerne wie Amazon, Google oder Airbnb Zahlungen im Hintergrund ab. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erreichte das Unternehmen ein Transaktionsvolumen von 1,9 Billionen Dollar, ein Plus von 34 Prozent. Zum Vergleich: Paypal wuchs im gleichen Zeitraum lediglich um 7 Prozent auf 1,8 Billionen Dollar.

Zuletzt hat Stripe aber vor allem den Kryptobereich durch Zukäufe ausgebaut. So erwarb das Unternehmen den Stablecoin-Infrastrukturanbieter Bridge sowie den Wallet-Anbieter Privy. Außerdem setzt Stripe stark auf „Agentic Commerce“ und entwickelt gemeinsam mit Paradigm die Blockchain Tempo, die KI-Agenten und Bots erlaubt, autonom im Internet Dienstleistungen oder Produkte zu bezahlen. An dem Projekt sind auch Visa, Deutsche Bank und Revolut als Partner beteiligt.

60,50 Dollar pro Aktie: Ist das ein gutes Angebot für Paypal?

Den Paypal-Aktionär:innen bieten Stripe und Advent einen Aufschlag von 28 Prozent. Die Märkte reagierten sofort auf die Übernahmegerüchte, die Aktie stieg vorbörslich an der Nasdaq um mehr als 15 Prozent.

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Der bekannte Shortseller Michael Burry bewertete das Angebot allerdings bereits als zu niedrig. Paypal sei derzeit eines der günstigsten und qualitativ hochwertigsten Unternehmen in seinem gesamten Portfolio. Burry hält daher einen Preis zwischen 75 und 115 Dollar je Aktie für angemessen. „60,50 US-Dollar sind einfach zu wenig. Ich verkaufe nicht, und ich glaube, dass es sich nur um ein Eröffnungsangebot handelt“, so Burry.

Gelingt die Übernahme, würde sich Stripe seinen Platz als weltweite Nummer eins im Payment-Sektor sichern, inklusive Zugang zu den rund 430 Millionen Paypal-Nutzer:innen. Mit Advent hat das Unternehmen dabei einen Private-Equity-Partner an der seite, der sich mit Kostensenkung und Optimierungsprogrammen zur Steigerung der Effizienz auskennt.

Der Übernahmeversuch von Stripe passt zur aktuellen Konsolidierungsphase im Payment-Markt. So übernahm etwa Global Payments den Konkurrenten Worldpay für 24,25 Milliarden Dollar, Payoneer Global ging für 2,75 Milliarden Dollar an das kanadische Unternehmen Nuvei, das ebenfalls durch Advent International unterstützt wurde.

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