Reform mit Folgen: Wie Merz‘ Renten-Änderung die Wirtschaft beeinflusst
Merz‘ Renten-Änderung „entfaltet Wirkung“ – Unternehmensboss spricht von „klarer Trendumkehr“
Stand: 21.07.2026, 06:17 Uhr
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Mit der Aktivrente können Ruheständler bis zu 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen scheinen von der Regelung Gebrauch zu machen.
Berlin – Die sogenannte Aktivrente soll seit Anfang dieses Jahres das Weiterarbeiten nach Eintritt ins Rentenalter finanziell attraktiver machen. So können steuerfrei bis zu 2000 Euro zusätzlich zur Rente hinzuverdient werden. Voraussetzung ist allerdings eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Vor allem in kleinen und mittelgroßen Unternehmen wird die Aktivrente genutzt
Das Interesse von Ruheständlern an dem Zusatzverdienst scheint groß zu sein. „Die im Januar eingeführte Aktivrente entfaltet Wirkung. Die Beschäftigung von Rentnern in kleinen und mittleren Unternehmen nimmt zu“, berichtet Robert Mayr, Chef der Datev, der Welt.
Laut dem Anbieter von Buchhaltungssoftware hatte sich die Beschäftigung von Rentnern im Mittelstand bereits zwischen 2022 und 2024 positiv entwickelt. Die Anhebung des Mindestlohns im Januar 2024 führte jedoch zu signifikanten Rückgängen. „Seit Einführung der neuen gesetzlichen Regelungen zur Aktivrente zu Beginn des Jahres lässt sich eine klare Trendumkehr erkennen“, erklärt Mayr. So habe es im Januar drei Prozent mehr Anstellungen von Vollrentnern im Vergleich zum Vormonat gegeben, im Februar zwei Prozent, im März vier Prozent und im April ein Prozent. Diese Entwicklung soll sich in den kommenden Monaten fortsetzen.

Aktivrente bietet nicht nur beachtlichen finanziellen Vorteil
Wie eine Berechnung der Lohnsteuerhilfe (Lohi) zeigt, ist der finanzielle Vorteil durch die Aktivrente beträchtlich. Demnach bleiben einem Arbeitnehmer vor dem Renteneintritt von einem monatlichen Bruttogehalt von 4000 Euro rund 2630 Euro übrig. Mit der Aktivrente erhält er zusätzlich zur Altersvollrente jedoch 3516 Euro zusätzlich aufs Konto. Einen großen Teil der Differenz von 886 Euro im Vergleich zur Vorruhestandszeit macht die Lohnsteuer aus. Sie sinkt von 524 Euro auf 73,91 Euro. Ebenso erheblich ist der Wegfall des Beitrags zur Rentenversicherung in Höhe von 372 Euro. Zudem muss kein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung in Höhe von 52 Euro gezahlt werden.
Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass etwa 168.000 Menschen den Steuervorteil in Anspruch nehmen könnten, was einem Viertel der Anspruchsberechtigten entspricht. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die Erwerbstätigkeit im gesetzlichen Rentenalter um bis zu zehn Prozent steigen könnte.
Schon heute gehen viele Rentner arbeiten
Schon heute sind in Deutschland viele Personen trotz Bezugs einer gesetzlichen Altersrente erwerbstätig. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) waren im Jahr 2024 rund 13 Prozent der 65- bis 74-jährigen Ruheständler beruflich aktiv. Der Anteil der arbeitenden Männer mit Altersrente ist mit 16 Prozent höher als der von Frauen mit zehn Prozent. Allerdings sinkt der Anteil der arbeitenden Rentenbeziehenden mit zunehmendem Alter. So gehen etwa 18 Prozent der 65- bis 66-Jährigen einer Erwerbstätigkeit nach, bei den 73- bis 74-Jährigen sind es nur noch rund acht Prozent.
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Viele Rentner arbeiten mit einem reduzierten Stundenumfang. Bei 39 Prozent sind es normalerweise weniger als zehn Stunden pro Woche, bei 26 Prozent zehn bis unter 20 Stunden. Zwölf Prozent kommen auf 20 bis unter 30 Stunden pro Woche und neun Prozent auf 30 bis unter 40 Stunden. 14 Prozent arbeiten sogar mehr als 40 Stunden in der Woche. (Quelle: Welt, Lohi, Destatis)