Nach Spahn-Rücktritt: Merz deutet Kabinettsumbildung an – und nennt ersten Gedanken nach Leihmutter-Geständnis

Merz im Sommerinterview: Kanzler verteidigt Forderung nach mehr Arbeit – „nichts gesund beten“

Stand: 19.07.2026, 14:32 Uhr

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Jens Spahn ist zurückgetreten – damit könnte es in der Regierung zu einer Umbildung des Kabinetts kommen. Dies deutet Kanzler Merz im ZDF-Sommerinterview an.

Berlin – Update, 19. Juli, 14:28 Uhr: Neben der Leihmutter-Affäre um Spahn war im Sommerinterview auch ein weiterverbreiteter Vorwurf gegen Merz Thema. „Ich habe nie jemandem persönliche Faulheit unterstellt“, sagte der Kanzler dazu. „Ich habe nur gesagt, dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland im Augenblick zu niedrig ist.“ Produktivität und wirtschaftliche Leistung seien zu gering – „da müssen wir ran“.

Konfrontiert mit dem Vorwurf, er würde diejenigen beschimpfen, die das Land am Laufen halten, betonte Merz, er wolle niemandem persönlich zu nahe treten. „Ich versuche, ein Problem zu beschreiben, das wir haben, und ich versuche, aus dieser Problembeschreibung heraus eine Lösung zu entwickeln. Und natürlich geht das nur mit den Menschen.“

Merz im Sommerinterview: Kanzler stellt sich hinter Leistungs-Forderung – „Dazu stehe ich“

In einer Demokratie brauche man Zustimmung in der Breite der Bevölkerung. „Die haben wir im Augenblick nicht in dem Umfang. Deswegen werden wir noch viel mehr erklären müssen. Aber es hat keinen Sinn, etwas gesund zu beten, was im Augenblick nicht gesund ist“, so Merz.

„Ich weiß, wie viel Menschen leisten und arbeiten.“ Er sehe das in Krankenhäusern, Pflegeheimen und an vielen anderen Stellen. „Ich sage aber auch: Insgesamt müssen wir in diesem Land einfach eine höhere Leistung erbringen. Und dazu stehe ich.“

Nach Spahn-Rücktritt: Merz deutet Kabinettsumbildung an – Leihmutter-Affäre habe er unterschätzt

Erstmeldung: Sein Sommerinterview hatte sich Kanzler Friedrich Merz (CDU) vor ein paar Tagen wahrscheinlich noch anders vorgestellt: Anstatt der großen Reformen, für die seine Regierung zuletzt den Grundstein gelegt hat, steht nun die Leihmutterschaft-Affäre von Jens Spahn im Mittelpunkt. Die Affäre gipfelte gestern im Rücktritt des Unionsfraktionschefs. Merz deutet im ZDF-Sommerinterview, das heute Abend ausgestrahlt wird, an, dass es jetzt zu einer Umbildung seines Kabinetts kommen könnte.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) sitzt beim ZDF-Sommerinterview 2026 in Meschede in diesem Foto vom ZDF.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) sitzt beim ZDF-Sommerinterview 2026 in Meschede in diesem Foto vom ZDF. © Dominik Asbach/ZDF/dpa

„Es könnte eine Gelegenheit sein, noch mal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken“, sagte der Kanzler auf eine Frage im ZDF-Sommerinterview – und betonte, dass er dabei im Konjunktiv spreche. Angesprochen darauf, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei als Top-Kandidat für die Nachfolge von Jens Spahn gelte, sagte Merz: „Ich weiß nicht, wer ihn zum Top-Kandidaten gemacht hat, ich höre das von Ihnen zum ersten Mal.“ Er wolle die Nachfolge Spahns in den kommenden Tagen in den Gremien der CDU/CSU besprechen.

Merz äußert sich im ZDF-Sommerinterview heute zu Spahn und Leihmutter – wer wird Nachfolger?

Das Sommerinterview mit Merz wird am Sonntagabend (19. Juli) in voller Länge im ZDF ausgestrahlt. Das Thema Jens Spahn nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Ihm sei zunächst das Wohl des Kindes durch den Kopf gegangen, als der Unionsfraktionschef ihm von der Leihmutterschaft in den USA erzählt habe, sagte Merz laut ZDF-Vorabmeldung. Er habe aber niemanden in der Partei informiert. Die Weitergabe der Nachricht habe er Spahn überlassen wollen. Spahn hatte, wie berichtet, gemeinsam mit seinem Partner Daniel Funke eine Leihmutter beauftragt, um ein Kind für die beiden auszutragen. In Deutschland ist dies verboten.

Merz sagte laut ZDF im Sommerinterview weiter, er habe sich nach Spahns Geständnis ihm gegenüber gedacht: „Naja, hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um und erklärt es gut.“ Dass dann eine solche Empörung in der CDU ausbreche, habe er „nicht in diesem Umfang“ erwartet. Der Kanzler wies Spahn indirekt eine Mitschuld daran zu: „Aber es hatte wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun und auch mit der Kommunikation.“ Merz kritisierte, dass Spahn die CDU erst „sehr, sehr spät“ informiert habe. „Wenn wir Zeit gehabt hätten, hätten wir das in Ruhe besprechen können. Aber die Zeit hatten wir nicht“, sagte er.

Merz im ZDF-Sommerinterview: Empörung um Spahns Leihmutter habe er unterschätzt

Erst gestern, am Samstag, sei ihm „überdeutlich“ geworden, wie groß der Schaden für die Union durch die Leihmutterschaft von Spahn sei. „Und deswegen haben wir dann ja auch gehandelt“, so Merz. Jens Spahn (46) gab gestern seinen Rücktritt bekannt. Zuvor habe der Kanzler ihn dazu aufgefordert, heißt es zum Beispiel in der Bild und im Spiegel. (Quellen: ZDF, frühere Berichterstattung)