Portugal will Streit um Sonnenschirme mit Strandkarten beenden
27. Juli 2026, 18:25 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Darf ich meinen eigenen Sonnenschirm vor einer kostenpflichtigen Strandbude aufstellen oder nicht? Genau diese Frage sorgt in Portugal derzeit für Diskussionen. Neue Strandkarten sollen Urlaubern künftig zeigen, welche Bereiche frei nutzbar sind und wo besondere Regeln gelten.
An vielen portugiesischen Stränden gingen Urlauber davon aus, dass der Bereich vor bewirtschafteten Strandbuden kostenpflichtig sei und man davor keine eigenen Sonnenschirme aufbauen dürfe. Tatsächlich gab es bisher jedoch keine festgelegten Richtlinien für das Aufstellen von privaten Sonnenschirmen.
Was an Portugals Stränden gilt
Ausgelöst wurde die Debatte durch den Präsidenten der portugiesischen Umweltagentur (APA), José Pimenta Machado. In der Zeitung „Diário de Notícias“ bezeichnete er die Strandbereiche mit kostenpflichtigen Sonnenschirmen als „Missbrauch“. Laut Machado dürfen bewirtschaftete Flächen „niemals 30 Prozent der Nutzfläche des Strandes überschreiten“ oder „50 Prozent der Strandpromenade“.
Auch die Umweltministerin Maria da Graça Carvalho verteidigte das Aufstellen von privaten Sonnenschirmen vor kostenpflichtigen Badebuden. Laut der Ministerin für Umwelt und Energie „sind die Strände öffentlich, waren es schon immer und bleiben sie“. Die Frage, ob Badegäste Sonnenschirme auch vor kostenpflichtigen Strandabschnitten aufstellen dürfen, bejahte sie.
Uneinigkeiten bei Strandgästen und Betreibern
Nicht alle sehen das so. Urlauber, die für einen Sonnenschirm oder eine Strandbude bezahlen, äußern sich teils verärgert. „Während wir hier teuer bezahlen, zahlen die mit ihren Sonnenschirmen gar nichts“, beschwerte sich eine Strandbudenmieterin gegenüber SRF. Außerdem werde die Sicht auf das Meer durch die zusätzlichen Schirme eingeschränkt. Eine weitere Strandbesucherin überlegt, sich beim nächsten Mal einfach einen eigenen Sonnenschirm mitzubringen und sich somit das Geld für die Badebude zu sparen.
Auch Betreiber kostenpflichtiger Strandbereiche haben Bedenken. Sie verweisen darauf, dass sie Lizenzen finanzieren und sich an den Kosten für Rettungsschwimmer beteiligen. Im Süden der Algarve kam es laut Medienberichten bereits zu Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei eingreifen musste.
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Was sagen die portugiesischen Bürgermeister dazu?
Der Bürgermeister von Nazaré, Serafim Silva, empfindet die Diskussion um die Sonnenschirme als überhitzt: „In Nazaré haben wir lange Strände mit viel Platz“, erklärt er gegenüber SRF. In Nazaré sei die Lage deutlich entspannter als in anderen Regionen Portugals, da die Strandbereiche bereits klar ausgeschildert seien.
Bei einem Treffen von Bürgermeistern aus der Algarve, unter anderem aus Vila Real de Santo António, Castro Marim, Faro, Lagos und Vila do Bispo, sowie aus dem alentejanischen Grândola, wurde nun beschlossen, zukünftig Zonenkarten an den Strandzugängen anzubringen.
Wann die Strandkarten zu sehen sind
Die Karten sollen die Strände in vier Zonen unterteilen: Konzessionsflächen, Durchgangsbereiche, Sicherheitszonen und kostenfreie Bereiche für private Sonnenschirme. Die konkrete Aufteilung legen die jeweiligen Gemeinden fest. Dafür ist jedoch auch die Zustimmung der Maritimen Behörde sowie der Umweltagentur APA erforderlich.
Wann die neuen Karten an den Stränden zu sehen sein werden, ist noch offen. Nach Angaben der Ministerin sollen sie jedoch so schnell wie möglich aufgestellt werden, damit Badegäste und Betreiber künftig leichter erkennen können, wo sie für Sonnenschirme zahlen müssen und wo sie ihre eigenen mitbringen dürfen.