Malerei Fritz Scholders im MMK Frankfurt: Sogenannte Indianer lieben Katzen
In Frankfurt am Main gibt es eine erste große Retrospektive des 2005 verstorbenen US-Malers Fritz Scholder. Zu sehen ist viel Flachware – im besten Sinne.
Kunst: Axel Schneider
Eine Feder am Kopf, zwei lange Zöpfe, einen prächtigen Halsschmuck, und für den Fall, dass irgendjemand noch zweifelt, wen er vor sich sieht, hat der Maler diesen Hinweis auch gleich ins Bild gemalt: „INDIAN“ steht rechts oben im Bild, auf orange-brauner Zweidimensionalität, der Hintergrund ähnlich flach wie der prototypische Protagonist.
Wie ein Gruß aus der nahenden 80er-Postmoderne wirkt Fritz Scholders „Indian No. 1“, gemalt im Jahr 1967. Nur ein weiterer Beleg für die Ausnahmestellung des US-amerikanischen Malers, der jetzt erstmalig in großer Retrospektive im Frankfurter Museum für Moderne Kunst zu entdecken ist. In den großen Häusern von New Mexico, Arizona oder Colorado findet man zahlreiche Arbeiten, genau wie in Privatsammlungen – auch Andy Warhol kaufte seinerzeit Scholder.
Fritz Scholder, 1937 in Breckenridge, Minnesota, geboren, hatte sich geschworen, niemals sogenannte Indians zu malen. Die indigene Familie hörte man seinem Namen nicht an. Doch als Maler sucht man sich seine Themen nicht immer aus, manche finden einen oder suchen einen heim. Die Fremdbilder der edlen Wilden verfolgten Scholder, und so malte er 1967 seinen titelgebenden ersten „Indian“, auf den unzählige folgten.
Die Ausstellung
Fritz Scholder. MMK – Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, bis 25. Oktober
Es wäre simpel zu sagen, dass Scholder gegen jene Klischeebilder anmalte, die man sich in den USA (und, wie die Schau zeigt, kaum weniger in Europa) vom sogenannten Indianer machte und die der Maler auch in der Zementierung sogenannter Native Art reproduziert sah. Seine Praxis scheint aber vielmehr ein Malen mit den Klischees – deren Figuren, vor allem Gesichter, er mal in Manier eines Francis Bacon zu Farbgesten auflöst, hier völlig abstrahiert, da als wenig schmeichelhafte Grotesken oder humorvoll aufgefächerte Fratzen vom Bild blicken lässt.
Lose Verwandtschaft im eigensinnigen Werk
Naheliegend auch der Bezug zur Pop-Art, in deren Flachheit seine Malerei trotzdem nie ganz aufgeht, wie viele Bezüge bei Scholder eher lose Verwandtschaft in einem recht eigensinnigen Werk sind. Oft bleibt es ein Dazwischen, ein Agieren im Malerischen, die der Künstler Scholder mal so, mal so löst. Alles, was es zu sagen gibt, ist in diesen Bildern schon da.
Den amerikanischen Horizont, der so zwar in Film und Fernsehen geprägt wurde, aber eine reale Entsprechung kennt, verweigert Scholder seinen Protagonisten bevorzugt. Anstatt in den Western-Sonnenuntergang, reiten sie geradewegs in die blaue oder braune oder pinkfarbige Monochromie, einein Horizont aus Bubblegum.
Fritz Scholders Indianer, Indigene, Native Americans sind oft genug out of focus, wie der Fokus ja auch ein Subjekt und ein Objekt nötig hat, das der Maler gezielt durcheinanderschmeißt. Mal sind die Farben verwaschen wie ein Plakat, das zu lang im Regen gehangen hat; die Protagonisten ewige Projektionsfolien. Es gibt unterschiedliche Level an Wahrheitsgehalt in diesen Bildern, Fritz Scholder legt sich nicht fest. Seine Protagonisten lässt er in besagte Monochromie reiten. Oder sie fahren Motorrad, warten an der Bushaltestelle, tragen Regenschirm. Manche sind Trinker oder schlicht müde (großartig das Bild „Tired Indian“).
Kunst: Axel Schneider
Neben Gemälden zeigt die Schau eine Reihe an Lithografien, auf denen Fritz Scholder seinerzeit zeigte, wen so kaum jemand zuvor gemalt hatte – die dereinst Exotisierten als völlig gewöhnliche Menschen. Womit er sich nicht nur gegen Folien von außen, sondern auch internalisierte Erwartungshaltungen richtete. „Und das klingt furchtbar trivial, aber ich bin wahrscheinlich die erste Person in der gesamten Kunstgeschichte, die ein Gemälde eines Indianers mit einer Katze gemacht hat. Es gibt viele Gemälde von Indianern mit Hunden. Aber niemand, kein Nichtindianer hat bisher realisiert, dass Indianer Katzen lieben. Und das hat einen Aufruhr ausgelöst, ob Sie es glauben oder nicht“, zitiert ihn das Denver Art Museum.
Lange nicht gemalt: Massaker an Native Americans
Nie gemalt worden waren bis dato aber auch die Massaker an Native Americans – mit Wounded Knee eröffnet die Ausstellung. Immer wieder kommt Scholder auf die malträtierten Körper zurück.
Der Horizont taucht dann doch zwischendurch auf, in anderer Konstellation. Was ausschaut wie ein malerischer Gruß an Georgia O’Keeffe, stellt sich dem Titel nach auch als solcher heraus. Himmel und Landschaften in New Mexico oder Arizona hat der Maler in anziehende Farbstreifen übersetzt. Ein weiterer Beleg, dass Fritz Scholder nicht nur thematisch Avantgarde und ohnehin ein großer Maler, sondern auch ein begnadeter Kolorist war.
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