LNB-Test – Welcher liefert die besten Empfangsleistungen?

LNB Test
Foto: KI-generiert

Welches LNB liefert die beste Empfangsleistung? Vier Top-Kandidaten von Inverto, Smart und Invacom im harten Praxistest an schwachen Satelliten-Signalen.

Smart TS Gold Titanum Edition

Der Smart TS Gold Titanium Edition verzichtet auf die Angabe der Rauschzahl auf seinem Typenschild. Online ist sie mit 0,1 Dezibel nachzulesen. Wie dieser Wert zu beurteilen ist, liegt im eigenen Ermessen. Im LNB wurden extrem rauscharme HEMT-Transistoren verbaut. Außerdem wurde auf hohe Frequenzstabilität geachtet. Beim Smart TS Gold Titanium Edition handelt es sich um ein preiswertes LNB, das mitunter für deutlich unter zehn Euro angeboten wird.

Inverto (Black) Ultra

Der Inverto Black Ultra genießt seit vielen Jahren unter den DXern einen ausgezeichneten Ruf und wird gerne für den Empfang anspruchsvoller Signale herangezogen. Unter die Lupe genommen wurde die aktuelle Version des LNBs, exakte Typenbezeichnung IDLT-SNL412-ULTRA-OPN, in der Single-Ausführung. Angaben zur Rauschzahl findet man weder am LNB selbst, noch auf dessen Verpackung.

Laut Herstellerangaben wurde die als Hochleistungs-Ultra-LNB bezeichnete Empfangseinheit speziell für anspruchsvolle Anwendungen an den Rändern von Satelliten-Footprints, für den Einsatz an kleinen Antennen oder um das Signal zufriedenstellend über lange Koaxialleitungen weiterleiten zu können, entwickelt. Weiter sollen das Feedhorn-Design, eine exzellente Kreuzpolarisationsisolation, sowie fortschrittliches Filterdesign für eine gute Performance unter schwierigen Empfangsbedingungen sorgen. Das Rauschmaß des Ultra-LNBs gibt Inverto mit typisch 0,2 und maximal 0,7 Dezibel an.

Beim Ultra handelt es sich um ein PLL-LNB (Phase-Locked Loop). In ihm sorgt ein quarzstabilisierter Oszillator für eine ausgesprochen hohe Frequenzstabilität. Sie kommt beim Empfang besonders schmalbandiger Signale – zu erkennen an vier- oder gar nur dreistelligen Symbolraten – zum Tragen.

Auf den beiden Invertos, sowie auf dem Smart-LNB, findet man keine Angaben mehr zur Rauschzahl. Sie ist nur noch auf den Hersteller-Homepages zu finden

Inverto Single Premium

Der Inverto Single Premium (Typenbezeichnung: IDLP-SNL413-PREMU-OPN) ist etwa um ein Drittel billiger als der Black Ultra. Der augenscheinlichste Unterschied ist, dass der Premium mit einem dunkelblauen Gehäuse kommt, während der Black Ultra nach wie vor schwarz ist. Auch am Typenschild des Premium und auf seiner Verpackung fehlen jegliche Hinweise zur Rauschzahl. Laut Hersteller-Homepage kommt auch dieses LNB mit einer Rauschzahl von typisch 0,2 und maximal 0,7 Dezibel. Die Stärken dieses LNBs liegen laut Hersteller weiter in der PLL-Technologie sowie in eingebauten Filtern, die es besonders gegenüber Störungen durch LTE-, 4G- und 5G-Mobilfunknetze unempfindlich machen sollen.

LNBs aus dem Hause Invacom gelten vielfach ebenfalls als DX-LNBs. Der SNH-031 kommt laut Typenschild mit einer Rauschzahl von 0,3 Dezibel. Weiter ist das LNB mit einer Seriennummer versehen. Sie findet sich auch auf dem beiliegenden Messprotokoll wieder. Es zeigt für alle vier Teilbereiche des Ku-Bands das Rauschmaß und die Verstärkung an. Die Kurven zeigen einen nicht-linearen Verlauf, der zudem je nach Ku-Band-Teilbereich etwas variiert. Aus ihnen lässt sich für das vorhandene LNB ein frequenzabhängiges Rauschmaß von rund 0,22 bis etwas über 0,4 Dezibel ablesen. Demnach stellen die auf dem LNB aufgedruckten 0,3 Dezibel einen Mittelwert dar. Im Vergleich zu den anderen Modellen fällt die voluminöse Bauform des SNH-031 auf. Insbesondere seine Breite stellt eine Herausforderung dar, falls das LNB in einer Multifeed-Anlage verbaut werden soll.

Der Invacom-LNB nennt als einziges noch eine Rauschzahl. Außerdem liegt ihm ein Messprotokoll für alle vier Ku-Band-Teilbereiche bei

Der Messaufbau: Wie wird getestet?

Alle vier LNBs müssen sich in der Empfangspraxis auf 0,8 Grad West an einer Multifeed-Antenne beweisen. Dazu werden Transponder A3 auf 10,747 Gigahertz vertikal des Nordic-Beams und Transponder 6 auf 11,823 Gigahertz horizontal der Europa-Ausleuchtzone des Thor 6 unter die Lupe genommen. Welche Signal-Rausch-Verhältnisse (SNR) lassen sich mit den vier Testkandidaten ermitteln?

Grundlage zur Ermittlung des SNR-Werts bildet eine jeweils zum gleichen Zeitraum durchgeführte Langzeitmessung von je sechs Stunden Länge unter vergleichbaren Bedingungen. Dabei wurde jedes LNB auf beiden Frequenzen mindestens je zweimal untersucht.

Welcher LNB ist der beste?

Wider erwarten lässt sich die Frage nach dem besten der getesteten LNBs nicht so leicht beantworten. Denn zumindest drei Kandidaten schenken sich nichts und liegen bei den ermittelten Messwerten so gut wie gleich auf.

Zumindest beim schwachen Transponder des Nordic-Beams auf 10,747 Gigahertz vertikal liegen zwischen dem Smart TS Gold Titanium Edition, dem Inverto (Black) Ultra und dem Inverto Single Premium gerade einmal 0,1 Dezibel – sowohl bei den Durchschnitts- als auch bei den erreichten Maximalwerten. Dadurch lässt sich eindeutig feststellen, dass alle drei gleich gut mit schwachen Signalen klarkommen.

Erst bei stärkeren Signalen heben sich die drei Kandidaten etwas deutlicher voneinander ab. Auf dem Europa-Beam des Thor 6, lässt sich auf der 11,823 Gigahertz horizontal sorgt der Inverto (Black) Ultra für die höchsten SNR-Werte. Sie liegen bei den Durchschnitts- und Spitzenwerten zumindest um 0,3, beziehungsweise 0,2 Dezibel über jenen des Inverto Single Premium. An dritter Stelle rangiert der Smart TS Gold Titanum, dessen SNR-Werte einen halben Dezibel hinter jenen des Inverto (Black) Ultra liegen.

Wenn es um besonders anspruchsvolle Empfänge geht, wird immer wieder auf die LNBs aus dem Hause Invacom verwiesen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen in den Invacom Uni.Single SNH-031. Aber sie werden nicht annähernd erfüllt: Klar abgeschlagen belegt das teuerste LNB dieser Testreihe den letzten Platz.

Beim schwachen Nordic-Beam auf 0,8 Grad West liegt sein SNR um ein Dezibel unter den Werten der anderen unter die Lupe genommenen LNBs. Noch extremer fällt der Unterschied bei dem Europa-Beam-Transponder auf. Hier liefern die anderen LNBs jedenfalls ein um 1,3 Dezibel höheres SNR.

Die Grafik veranschaulicht, wie nahe die Empfangsleistungen der vier Testkandidaten beieinander liegen

Welcher LNB für DX-Anwendungen?

Abgesehen von wenigen Ausreißern, liegen die Empfangsleistungen der LNBs auf vergleichbarem Niveau. Es macht demnach kaum einen Unterschied, für welchen LNB man sich entscheidet. Am Ende können nur Langzeitbeobachtungen mit verschiedenen LNBs eine Aussage über deren Empfangsleistungen geben. Hier ist allerdings nicht von Stunden oder Tagen, sondern mindestens von Wochen die Rede. Nachdem die Empfangsleistungen derart eng beieinander liegen, wird es schwer sein, bei grenzwertigen Empfängen einen LNB zu finden, der für eine markante Empfangsverbesserung sorgen kann.

Fazit

Die recht ähnlichen Empfangsergebnisse der meisten LNBs dürften auf ein recht ähnliches Innenleben zurückzuführen sein. Werden bei der Elektronik weitgehend dieselben Komponenten verbaut, muss sich das auch auf die Empfangsleistungen auswirken.

Die Qualität eines LNBs geht aber über seine reinen Empfangsleistungen hinaus. So gilt es auch auf die Langlebigkeit der Gehäuse und die Beschaffenheit der Feedabdeckungen zu achten. Minderwertige Materialien können sich bei großer Hitze verziehen oder sogar schmelzen.

Den ultimativen DX-LNB hat zumindest diese Testreihe nicht hervorgebracht. Ob man nun das eine oder andere Modell an der Antenne einbaut, wird sich nicht groß auf die Empfangsleistungen auswirken. Viel mehr lässt sich herausholen, indem die Justierung des LNBs an der Antenne an sich optimiert wird. Gerade hier lässt sich gewöhnlich viel mehr herausholen als nur durch einen reinen LNB-Tausch.