Liveblog Irankrieg: US-Regierungssprecherin Leavitt: Enger Austausch zwischen USA und Iran | FAZ
Regierungssprecherin Leavitt: Iran steht weiterhin im Austausch mit den USA
Iran soll nach Darstellung von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt weiter an einem Abkommen mit Washington interessiert sein. „Iran steht nach wie vor in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte Leavitt vor der Hauptstadtpresse in Washington. Es war ihr erster öffentlicher Auftritt im Weißen Haus seit der Geburt ihres zweiten Kindes im Mai.
Dass das US-Militär ungeachtet dessen seit Tagen Ziele im Iran angreift, begründete Leavitt mit dem Verhalten der iranischen Führung. Präsident Donald Trump werde nicht tatenlos zusehen, wie Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife.
Zuvor waren Schiffe bei der Durchfahrt beschossen worden, die Angriffe werden Iran zugeschrieben.
Philipp von Reinersdorff
US-Militär greift fünften Tag in Folge Iran an
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben den fünften Tag in Folge Ziele in Iran attackiert. Die Angriffe seien um 14.00 Uhr US-Ostküstenzeit (21.30 Uhr Ortszeit in Iran) aufgenommen worden, teilte das für die Region zuständige Kommando des US-Militärs (Centcom) auf X mit. Ziel sei es, „die militärischen Fähigkeiten Irans weiter zu schwächen.“
Das US-Militär hatte erst am Mittwoch erneut und in zwei Wellen Iran angegriffen. Teheran reagierte mit Beschuss auf Ziele in der Region – unter anderem meldeten die mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain Angriffe. Auch Jordanien meldete erneuten Beschuss aus Iran.
Iran greift abermals Kuwait an – Schiff vor irakischer Küste getroffen
Das Golfemirat Kuwait ist nach Armeeangaben abermals mit Drohnen aus dem Iran angegriffen worden. Die Flugabwehr bekämpfe „feindliche Drohnenangriffe“ infolge der „kriminellen Aggression des Iran“, teilte der kuwaitische Generalstab am Donnerstagmittag mit. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, waren in Kuwait Explosionen zu hören, dem Generalstab zufolge wurden diese vom Abfangen der Drohnen verursacht.
Vor der südirakischen Hafenstadt Basra traf unterdessen eine Drohne ein Schiff. Der Frachter kam nach Angaben eines irakischen Sicherheitsvertreters aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und transportierte Fahrzeuge von US-Herstellern. Der Angriff ereignete sich nahe eines irakischen Ölterminals. Zur Herkunft der Drohne gab es zunächst keine Angaben. Das irakische Ölministerium erklärte, Berichte über den Einschlag eines unbekannten Objekts auf einem Tankschiff würden geprüft.
Iran warf den USA derweil einen „barbarischen Angriff“ vor, nachdem ein Krebskrankenhaus in Ahwas wegen Einschlägen in der Nähe evakuiert worden war. Nach Angaben von Außenamtssprecher Ismail Baghaei mussten 211 Patientinnen und Patienten, die dort eine Chemotherapie erhielten, in Sicherheit gebracht werden.
Pakistan fordert Amerikaner und Iraner zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf
Pakistan will im Konflikt zwischen den USA und Iran weiter vermitteln, um die Umsetzung des im Juni unterzeichneten Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges voranzubringen. „Während die Umsetzung des Abkommens vor Herausforderungen steht, wird Pakistan weiter alle Seiten ermuntern, die Gewalt zu beenden und Gespräche auf technischer Ebene in Übereinstimmung mit dem Rahmenabkommen wieder aufzunehmen“, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Islamabad, Tahir Andrabi, am Donnerstag vor Journalisten.
Andrabi äußerte zudem die Hoffnung auf eine rasche Normalisierung in der für den weltweiten Handel mit Öl und Gas wichtigen Straße von Hormus. Pakistan sei es wichtig, die „Sicherheit und Freiheit der Seeschifffahrt zu gewährleisten“, sagte er.
Iran sieht in der US-Kontrolle der Straße von Hormus eine „rote Linie“
Die Kontrolle der Straße von Hormus ist für Iran eine „rote Linie“, wie Armeesprecher Brigadegeneral Mohammad Akraminia erklärt. Die USA hätten geglaubt, mit Angriffen auf Stützpunkte an der iranischen Südküste die Hoheit über die strategisch wichtige Meerenge übernehmen zu können, sagt Akraminia. Der Iran sei jedoch in der Lage, die Wasserstraße von jedem Punkt seines Territoriums aus zu beherrschen. Durch die Passage wurde vor dem Krieg rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert.
Iran droht mit Vergeltung bei Ausweitung von US-Angriffen
Nach Drohungen von US-Präsident Donald Trump, zivile Infrastruktur in Iran anzugreifen, droht der Iran mit umfangreichen Gegenschlägen. Dann werde sämtliche in der Region verbleibende Infrastruktur zum Ziel von Angriffen, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Stellungnahme des Khatam-al-Anbiya-Hauptquartiers, das als Oberkommando der Revolutionsgarde und des regulären Militärs dient. Es werde „keine Spur“ der Infrastruktur übrig bleiben, so „als hätte sie nie existiert“, hieß in der Mitteilung weiter.
Iran hatte in der Vergangenheit mehrfach Produktionsstätten zur Rohstoffgewinnung sowie zivile Infrastruktur in den Nachbarländern angegriffen. Am Mittwoch hatte Trump mit einer Ausweitung von Angriffen gegen Iran gedroht. In der kommenden Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, „es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch“, sagte er in einem Interview des US-Senders Fox News.
USA beschießt Iran, Teheran greift US-Stützpunkte in der Region an
Die USA und Iran haben sich in der Nacht abermals mit gegenseitigen Angriffen überzogen. Wie das US-Zentralkommando für die Region am frühen Donnerstagmorgen mitteilte, griff die Armee iranische Kommandozentralen, Flugabwehrstellungen, Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenüberwachungsanlagen an. Man wolle damit Iran schwächen und verhindern, dass „unschuldige Seeleute auf Handelsschiffen bedroht werden, die die Straße von Hormus durchqueren“. Ein Ziel war demnach die Hafenstadt Bandar Abbas.
Zudem habe ein US-Kampfflugzeug auf einen unbeladenen Öltanker geschossen, der versucht habe, die US-Blockade iranischer Häfen zu durchbrechen. Es war das erste Mal, dass die US-Armee seit der Wiedereinsetzung der Blockade iranischer Häfen am Dienstag ein Schiff gewaltsam stoppte.
Nach iranischen Angaben soll es in der Nacht auch zu einem Angriff im Nordosten des Landes gekommen sein. Geschosse seien am Flughafen von Semnan eingeschlagen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die Gouverneursverwaltung. Es habe keine Toten oder Verletzten gegeben.
Iran reagierte in der Nacht mit Angriffen auf amerikanische Militärstützpunkte. In Jordanien seien Radar- und Kommunikationssysteme sowie Treibstofflager auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak ins Visier genommen worden, hieß es aus Teheran. Auch Kuwait meldete iranische Angriffe auf sein Territorium, in Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst. Die Revolutionsgarde teilte mit, sie hätten die in dem Golfstaat stationierte US-Flotte angegriffen.
Indien verbietet Einsatz von Seeleuten in Straße von Hormus
Indien untersagt wegen der eskalierenden Gewalt im Persischen Golf vorerst den Einsatz indischer Seeleute auf Schiffen in der Straße von Hormus. Die Anordnung sei an Reeder, Schiffsmanager und Personalvermittler gegangen, teilt die Generaldirektion für Schifffahrt mit. Bei Angriffen in der Region wurden innerhalb von drei Tagen zwei indische Seeleute getötet. Die Regierung in Neu-Delhi legte Protest beim Iran ein und bestellte dessen stellvertretenden Botschafter ein. Indien ist mit mehr als 300.000 Seeleuten der weltweit drittgrößte Anbieter von Arbeitskräften für die globale Schifffahrt.
Unser Korrespondent Till Fähnders konnte vor einigen Wochen mit dem Kapitän eines Frachters aus Bangladesch sprechen. Wie er und seine Crew den Irankrieg erlebten, können Sie hier nachlesen:
Auch Jordanien meldet iranischen Beschuss
Die jordanische Armee hat nach eigenen Angaben in der Nacht acht iranische Raketen abgefangen. Sie seien auf das Staatsgebiet des Königreichs gerichtet gewesen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf das Militär. Es habe keine Verletzten oder Schäden gegeben. Trümmerteile seien beseitigt worden.
Im Osten des Landes liegt ein von der US-Armee genutzter Militärstützpunkt. Nach US-Angriffen auf Iran griff Teheran in der Nacht abermals auch die Golfstaaten Bahrain und Kuwait an. Auch iranische Medien berichteten unter Berufung auf die Revolutionsgarden über Angriffe auf US-Ziele in Jordanien.
Irak verurteilt Drohnenangriff im Norden
Während die USA und Iran in der Nacht sich abermals gegenseitig beschossen, meldete auch der Irak, er habe einen Drohnenangriff auf sein Staatsgebiet abgewehrt. Das Büro von Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi teilte am Donnerstag mit, die Drohnen seien über der Kurdenregion im Nordirak abgeschossen worden. Sie waren demnach über der Stadt Erbil in den irakischen Luftraum eingedrungen. Al-Saidi mache keine Angaben zur Herkunft der Drohnen und verurteilte den Angriff scharf.
Die zuständigen Sicherheitsbehörden seien angewiesen worden, in Abstimmung mit den Sicherheitskräften der Region „alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Wiederholung solcher Angriffe zu verhindern“, erklärte al-Saidi. Der Irak stelle sich allen in den Weg, die versuchten, „die Sicherheit unserer großartigen Gesellschaft zu gefährden – wo auch immer sie sein mögen“, fügte er hinzu.
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