Leichtathletik-DM: Finaleinzug geschafft, EM-Ticket wohl verpasst

Leichtathletik-DM Finaleinzug geschafft, EM-Ticket wohl verpasst

Wattenscheid · Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken sprintet bei der DM auf Platz sieben. Der Sieg in Wattenscheid ging überraschend an Lokalmatadorin Jolina Ernst.

26.07.2026 , 18:45 Uhr

Die DM-Siebte Sina Mayer (vorne) vom LAZ Zweibrücken gratuliert Überraschungssiegerin Jolina Ernst vom TV Wattenscheid.

Die DM-Siebte Sina Mayer (vorne) vom LAZ Zweibrücken gratuliert Überraschungssiegerin Jolina Ernst vom TV Wattenscheid.

Foto: IMAGO/Beautiful Sports/IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring

Leicht kritisch geht der Blick von Sina Mayer nach dem 100-Meter-Finale Richtung Anzeigetafel. Als Siebte hat die Sprinterin des LAZ Zweibrücken am Samstagabend in 11,45 Sekunden die Ziellinie des Wattenscheider Lohrheidestadions überquert. Nachdem die ungläubigen Jubelschreie von Überraschungssiegerin Jolina Ernst vom TV Wattenscheid vor heimischer Kulisse verebbt waren, drückte Mayer die Konkurrentin, gratulierte dieser zu ihrem ersten DM-Titel.

„Ich kann ehrlich gesagt noch gar nicht richtig beschreiben, wie es mir geht“, sagte Ernst, Tochter der früheren Staffel-Weltmeisterin Melanie Paschke, nach dem Rennen, das sie in neuer persönlicher Bestzeit von 11,26 Sekunden gewann: „Einfach unglaublich gut – und ich bin auch sehr überrascht, muss ich sagen. In den letzten Wochen hat leider nicht alles geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb habe ich überhaupt nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Es ist einfach mega. Vor allem, dass ich den Sieg vor meinen ganzen Freunden und meiner Familie holen konnte, bedeutet mir unfassbar viel. Das macht diesen Erfolg einfach noch einmal ganz besonders“, ergänzte die 22-Jährige.

Auch die Reihenfolge hinter der neuen deutschen Meisterin kam unerwartet. Nur drei Tausendstelsekunden hinter Ernst gewann U20-Athletin Emma Goretzka (LAC Berlin) zeitgleich Silber. Titelverteidigerin Gina Lückenkemper (SCC Berlin; 11,29 sek) kam als Dritte an. Die Europameisterin von 2022 hatte in den vergangenen Wochen mit den Folgen eines Zeckenbisses zu kämpfen. Und die mit ihrer Bestzeit von 11,04 Sekunden Führende der deutschen Jahresbestenliste, Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar, 11,30 sek), musste sich mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Die amtierende deutsche Hallenmeisterin Philina Schwartz (Berlin Athletics Capital Club, 11,35 sek) wurde Fünfte.

Ihren Vorlauf am Nachmittag hatte Sina Mayer in 11,43 Sekunden noch vor Schwartz (11,47) gewonnen und damit souverän das Halbfinalticket gelöst. Auch dort kämpfte sich die 31-Jährige in einem Lauf mir ihren DLV-Staffelkolleginnen Gina Lückenkemper (11,37 sek) und Rebekka Haase (11,41 sek), mit denen zusammen sie und Sophia Junk im Vorjahr bei der WM in Tokio Bronze über die vier Mal 100 Meter gewannen, als Dritte in 11,47 Sekunden weiter. Mayer stand somit im Finale der besten Acht und hatte ihr erstes Tagesziel erreicht. Doch um auch den Traum vom Einzelticket für die Europameisterschaft im britischen Birmingham (10. bis 16. August) nach einer bislang schwierigen Saison noch zu erfüllen, hätte sie einen der vorderen Plätze und nach dem Abhaken der EM-Norm von 11,18 im Vorjahr auch noch einmal die DLV-Bestätigungsnorm (11,25 sek) gebraucht. Beides schaffte die Schönenberg-Kübelbergerin am Samstagabend nicht. In 11,43 Sekunden überquerte Mayer als Siebte die Ziellinie. Und auch ein EM-Einsatz in der Staffel scheint dieses Mal weit entfernt. Nicht nur bei der DM, sondern auch in der deutschen Jahresbestenliste hat die LAZ-Athletin ein paar Konkurrentinnen vor sich liegen.

Trotz ihres ersten DM-Titels hat auch Jolina Ernst die EM-Normzeit verpasst. Sie darf sich allerdings Hoffnungen auf eine Staffelnominierung machen. Für diese werden auch Haase und Lückenkemper gebraucht. Die deutsche Topsprinterin hatte in den vergangenen Wochen allerdings auch mächtig zu kämpfen. Unmittelbar vor dem Diamond-League-Meeting in Paris am 28. Juni wunderte sich Lückenkemper über etwas Seltsames an ihrem Hinterkopf. Dort hatte sich eine Zecke festgebissen, wie Lückenkemper den Tränen nah erzählte, nachdem sie gerade als deutsche Meisterin von Ernst entthront worden war. Nachdem sie schon eine Sommergrippe auskuriert hatte, musste die deutsche Sprintkönigin der vergangenen Jahre zwei Wochen lang mit dem Training aussetzen und ein Antibiotikum einnehmen. „Es war echt hart“, sagte die 29-Jährige, die sogar daran dachte, auf die Meisterschaften in ihrer westfälischen Heimat zu verzichten. „Vom Herz her nein, vom Kopf zwischendurch ja“, sagte Lückenkemper. „Der Körper war viel zu sehr angegriffen. Das Nervensystem hat so einen Treffer davon genommen. Ich habe nachts acht Stunden geschlafen, aber ich war nicht richtig erholt danach.“ Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht behinderten sie beim Start, der ohnehin die Schwachstelle von Lückenkemper ist. So war sie letztlich „unfassbar froh, überhaupt drei Runden auf der Bahn zu stehen“ und am Ende im Finale in 11,29 Sekunden noch Dritte geworden zu sein.

Für die beiden jungen Homburgerinnen Ksenia Helios (Jg. 2005, SV Go! Saar 05) und Emely Rothfuchs (Jg. 2006, Eintracht Frankfurt), die in Wattenscheid ebenfalls über die 100 Meter am Start waren, war der Endlauf am Samstag noch ein Stück zu weit weg. Helios schaffte als Vierte ihres Vorlaufs in 11,58 Sekunden aber den Sprung ins Halbfinale. Hier im gleichen Rennen wie Sina Mayer auf der Bahn, musste sie sich der starken Konkurrenz in 11,62 beugen. Für Rothfuchs (11,94 sek) war nach dem Vorlauf Schluss.