Lehren aus Flutkatastrophe im Ahrtal: Landkreis setzt auf Frühwarnung

Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr

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Beim Weihnachtshochwasser 2023/24 waren Einsatzkräfte aller Organisationen im Landkreis tagelang gefordert. Auch aus dieser Lage wurden Lehren in Sachen Beschaffung von Ausrüstung gezogen.

Beim Weihnachtshochwasser 2023/24 waren Einsatzkräfte aller Organisationen im Landkreis tagelang gefordert. Auch aus dieser Lage wurden Lehren in Sachen Beschaffung von Ausrüstung gezogen. © Archivfoto: Kreisfeuerwehr

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hat der Landkreis Northeim in den Bevölkerungsschutz investiert. Vom Land Niedersachsen gab es unter anderem ein Hochleistungs-Förderpumpensystem.

Northeim – 184 Tote in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, 62 zerstörte Brücken, Hunderte weggespülte Häuser von einer bis zu 10 Meter hohen Flutwelle: In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 sind bei der Flutkatastrophe im Ahrtal viele Menschen ums Leben gekommen. Seit der Katastrophe haben Bund, Länder und auch Landkreise ihre Investitionen in den Bevölkerungsschutz intensiviert. Wie wirkt sich das auf den Landkreis Northeim aus?

In den vergangenen fünf Jahren hat der Landkreis zahlreiche Investitionen in Fahrzeuge und Gerätschaften für den Brand- und Katastrophenschutz vorgenommen. Nicht nur aufgrund der Erkenntnisse aus der Flutkatastrophe, sondern auch als „Teil einer umfassenden Weiterentwicklung des Brand- und Katastrophenschutzes“, sagt Landkreissprecherin Julia Kleine auf HNA-Anfrage. Dazu gehören unter anderem die Beschaffung von sogenannten Logistik-Komponenten sowie der Aufbau eines Fachzuges „Bevölkerungswarnung und Öffentlichkeitsarbeit“.

Diesen mehr als 70 Mitglieder starken Zug haben der Landkreis sowie das Land Niedersachsen mit jeweils drei mobilen Warn- und Durchsageeinrichtungen ausgestattet. Lautsprecherdurchsagen und Sirenensignale sind damit gleichermaßen möglich. Vom Land Niedersachsen gab es außerdem eine Geräteeinheit zur Sandsackbefüllung, eine mobile Tankanlage und ein Fachmodul mit einem Hochleistungs-Förderpumpensystem – bis zu 50.000 Liter die Minute können mit dem „HFS“ gepumpt werden.

Um Abläufe im Katastrophenfall oder den jeweiligen Vorstufen zu üben, kommt der Verwaltungsstab „regelmäßig zu Übungen und Fortbildungen zusammen“, betont Julia Kleine. Zu den konkreten Inhalten einzelner Übungsszenarien macht der Landkreis keine Angaben, allerdings das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Hier wurden bei der Länder- und Ressort übergreifenden Krisenmanagementübung, kurz Lükex, in den vergangenen Jahren Dürren und Hitzewellen (2026), Cyberangriffe (2023) und eine Gasmangellage (2018) geübt.

„Eine wesentliche Erkenntnis aus der Flutkatastrophe im Ahrtal ist, dass die Bevölkerung in einer Gefahrenlage schnell, zuverlässig und möglichst über mehrere voneinander unabhängige Wege erreicht werden muss. Der Warnmittelmix im Landkreis wird deshalb regelmäßig überprüft, erprobt und weiterentwickelt“, sagt Kleine. Mit dem Fachzug „Bevölkerungswarnung und Öffentlichkeitsarbeit“ und den mobilen Durchsage- und Warnanlagen habe der Landkreis zugleich seine Möglichkeiten zur örtlichen Warnung verstärkt. Beim Stromausfall in mehreren Ortschaften im Stadtgebiet Einbeck kamen die Warntrupps zum Einsatz.

Investitionen laufen weiter

Der Landkreis investiert weiter in seinen Brand- und Katastrophenschutz. „Grundlage hierfür sind Erkenntnisse aus Einsätzen und Übungen, veränderte Gefahrenlagen sowie die technische Entwicklung“, sagt Julia Kleine. Die Planungen richten sich nicht nur auf Extremwetterereignisse, sondern auf eine umfassende Stärkung der Gefahrenabwehr und der Krisenfestigkeit des Landkreises. Ergänzt werden die Maßnahmen inzwischen durch Informationsangebote zur persönlichen Vorsorge.