NFL-Profi begeht Suizid mit 38: Die Eltern vermuten den Sport als Ursache

Jordan Devey hat als Profi in der NFL den Superbowl gewonnen. Mit 38 Jahren beging er Suizid. Seine Eltern vermuten den Sport als Ursache.

Jordan Devey, 2018
Suizid mit 38 Jahren: Jordan Devey

Foto: Icon Sportswire/imago

A ls Undrafted Free Agent war Jordan Devey 2013 in die NFL gekommen, die National Football League. 44 Spiele für fünf Franchises bestritt er dort, gewann mit den Patriots einen Super Bowl, war verheiratet, Vater von vier Kindern, engagierte sich nach seiner Karriere als High-School-Coach – und nahm sich mit 38 Jahren das Leben.

Der Freitod geschah zwei Tage vor seinem 15. Hochzeitstag. An diesem Tag zitierte seine Frau Linsey die letzten Worte aus Jordans Abschiedsbrief: „We'll talk soon.“ Bald werden wir reden.

Deveys Eltern äußerten den Verdacht, ihr Sohn könnte an chronisch-traumatischer Enzephalopathie (CTE) gelitten haben – jener degenerativen Hirnerkrankung, die seit Jahren wie ein Schatten über dem American Football liegt. „Sicher wissen werden wir das nie. Aufgrund der Umstände seines Todes werden wir nicht in der Lage sein, dies zu untersuchen“, sagte Deveys Vater dem Fernsehsender Fox13. Ihr Verdacht jedoch liegt nahe: In einer Studie des CTE-Zentrums der Boston University wurde bei 345 von 376 untersuchten Gehirnen ehemaliger NFL-Spieler CTE nachgewiesen.

Der erste Footballhelm, der das Risiko von Gehirnerschütterungen senken sollte, kam 2002 auf den Markt

„Wir wissen es nicht“

Gleichwohl gilt, „Wir wissen es nicht“ dürfte der wichtigste Satz der Debatte sein. Über kaum eine Krankheit im Sport gibt es zugleich so viel gesichertes Wissen und so viele offene Fragen. Fest steht: CTE entsteht durch wiederholte Einwirkung von Kräften auf den Kopf, kann nur nach dem Tod eindeutig diagnostiziert werden und geht mit Veränderungen des Tau-Proteins im Gehirn einher. Neuropathologische Studien zeigen, dass vor allem fortgeschrittene Stadien III und IV mit einer Demenz verbunden sind.

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie den Verdacht, an Depression zu leiden? Oder haben Sie sogar suizidale Gedanken? Andere Menschen können Ihnen helfen. Sie können sich an Familienmitglieder, Freun­d:in­nen und Bekannte wenden. Sie können sich auch professionelle oder ehrenamtliche Hilfe holen – auch anonym. Bitte suchen Sie sich Hilfe, Sie sind nicht allein. Anbei finden Sie einige Anlaufstellen.

Akute suizidale Gedanken: Rufen Sie den Notruf unter 112 an, wenn Sie akute suizidale Gedanken haben. Wenn Sie sofort behandelt werden möchten, finden Sie Hilfe bei der psychiatrischen Klinik oder beim Krisendienst.

Depression und depressive Stimmung: Holen Sie sich Hilfe durch eine Psychotherapie. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe kann Ihnen ferner Hilfe und Information zum Umgang mit Depression bieten.

Kummer: Sind Sie traurig und möchten jemanden zum Reden haben? Wollen Sie Sorgen loswerden und möchten, dass Ihnen jemand zuhört? Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr besetzt. Die Telefonnummern sind 116 123 oder 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Sie können auch das schriftliche Angebot via Chat oder Mail in Anspruch nehmen.

Onlineberatung bei Suizidgedanken: Die MANO Suizidprävention bietet eine anonyme Onlineberatung an. Wenn Sie über 26 Jahre alt sind, können Sie sich auf der Webseite registrieren. Sollten Sie jünger sein, können Sie hier eine Helpmail formulieren.

Hilfsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern: Die Nummer gegen Kummer hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern, Jugendlichen und Eltern zu helfen. Kinder erhalten dort Unterstützung unter der Nummer 116 111, Eltern unter 0800 111 0 550, und bei der Helpline Ukraine unter 0800 500 225 0 finden Sie auch Hilfe auf Russisch und Ukrainisch.

Hilfsangebot für Mus­li­m:in­nen: Die Ehrenamtlichen des Muslimischen Seelsorgetelefons erreichen Sie anonym und vertraulich unter 030 443 509 821.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention können Sie nach weiteren Seiten und Nummern suchen, die Ihrem Bedarf entsprechen.

CTE ist zur universellen Erklärung geworden. Ein ehemaliger Footballspieler entwickelt Depressionen? CTE. Er wird aggressiv? CTE. Er begeht Suizid? CTE. Der Reflex ist verständlich, wissenschaftlich aber ist er kaum noch haltbar. Die Forschung ist inzwischen vorsichtiger geworden: Zwar ist fortgeschrittene CTE nachweislich mit Demenz verbunden und Demenz geht häufig mit depressiven Symptomen einher, einen direkten Beleg dafür, dass CTE Depressionen oder gar Suizid verursacht, gibt es bislang jedoch nicht. Bekannt ist lediglich, dass Depressionen das spätere Demenzrisiko erhöhen. Ob sie Ursache, Risikofaktor oder frühes Symptom einer Hirnerkrankung sind, bleibt unklar. Genau das zeigt der Fall Jordan Devey.

Der erste Footballhelm, der ausdrücklich das Risiko von Gehirnerschütterungen senken sollte, kam 2002 auf den Markt. Ligaweite Concussion Protocols, also Untersuchungen zu möglichen Gehirnerschütterungen, folgten erst 2011. Im selben Jahr nahm sich der zweimalige Super-Bowl-Sieger Dave Duerson das Leben. Er schoss sich bewusst in die Brust, damit sein Gehirn für die CTE-Forschung erhalten blieb. Sein Fall rückte das Thema endgültig ins öffentliche Bewusstsein.

Dass diese Maßnahmen CTE nicht ganz verhindern können, zeigt der Fall Marshawn Kneeland. Der Profi der Dallas Cowboys nahm sich im Alter von nur 24 Jahren 2025 das Leben. Zwei Wochen vor Deveys Tod wurde die Diagnose veröffentlicht: CTE-Stadium I. Kneeland war erst ein Jahr alt, als der erste Anti-Concussion-Helm vorgestellt wurde. Entscheidend scheint weniger die einzelne Gehirnerschütterung zu sein als die Summe Tausender kleiner Kopfkontakte.

Die genannten Suizidfälle können freilich auch andere Ursachen haben. Kneeland war auf der Flucht vor der Polizei, als er sich erschoss. Duersons Unternehmen war wenige Jahre vor seinem Suizid insolvent geworden. Bei Devey weiß man es nicht. CTE bleibt eine schwerwiegende Erkrankung. Depressionen und Suizidalität sind es ebenso. Doch nicht jede Tragödie eines ehemaligen Footballspielers lässt sich mit einer einzigen Diagnose erklären.

Haben Sie suizidale Gedanken? Dann sollten Sie sich unverzüglich ärztliche und psychotherapeutische Hilfe holen. Bitte wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik oder rufen Sie in akuten Fällen den Notruf an unter 112. Eine Liste mit weiteren Angeboten finden Sie unter taz.de/suizidgedanken.

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