Klopp wird Bundestrainer: Bei dieser Entscheidung trägt der DFB das ganze Risiko
Klopp wird Bundestrainer Bei dieser Entscheidung trägt der DFB das ganze Risiko
24.07.2026 · 13:07 Uhr
Bernd Neuendorf (v.l.n.r.), DFB-Präsident, Jürgen Klopp und Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident, stehen zu Beginn einer Pressekonferenz auf dem Podium.
Foto: Florian Wiegand/dpa/Florian Wiegand
Meinung | Düsseldorf · Jürgen Klopp wird der neue Bundestrainer: Coach, Verband und sein vorheriger Arbeitgeber Red Bull haben eine Einigung erzielt. Das ist zunächst einmal eine sehr gute Nachricht für den deutschen Fußball. Gefährlich könnte es für den DFB trotzdem werden.
Das ist in allererster Linie eine sehr gute Nachricht für den deutschen Fußball, der seit dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay mal wieder am Boden liegt: Jürgen Klopp hat bei all seinen Trainerstationen – in Mainz, Dortmund und Liverpool – herausragende Arbeit geleistet. Er ist ein fulminanter, selbstbewusster Menschenfänger – das deutete er bei seiner Antritts-PK am Freitag nicht nur mit seiner Warnung an die Medien an –, kann Reformen anstoßen und umsetzen und ist ohne Frage einer der besten deutschen Trainer der Geschichte. Dass er jetzt endlich das Ruder beim DFB übernimmt, ist nur folgerichtig.
Einen Plan B gab es nicht
Schon kurz nach dem Aus von Julian Nagelsmann hatte der Verband sich auf Klopp als Nachfolger festgelegt und dies sogar bereits offensiv in die Rücktrittsmeldung geschrieben. Einen Plan B gab es beim DFB nicht. Die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft mit Klopp als Bundestrainer sind riesig – ebenso die Erwartungen und das Risiko für den Verband. Denn das trägt bei dieser Entscheidung einzig und allein die DFB-Spitze um Bernd Neuendorf, Hans-Joachim Watzke und Rudi Völler. Sollten sich unter dem Heilsbringer die Erfolge nicht zeitnah einstellen, wird das Narrativ lauten: Nicht einmal Klopp kann diesen Verband noch retten.
Auch deshalb wird es darauf ankommen, dass beim DFB mehr Veränderungen angestoßen werden als nur auf dem Posten des Bundestrainers. Denn nur mit Klopp werden die kommenden Turniere 2028 und 2030 nicht automatisch zum Erfolg. Es braucht umfangreiche Reformen im Nachwuchsbereich, auf Verbandsebene und im Ligabetrieb – sonst wird ganz sicherlich auch Klopp scheitern. Der 59-Jährige ist zwar die richtige Wahl, aber längst kein Messias.
Das weiß Klopp auch selbst, der sich seinen engen Vertrauten und langjährigen Berater Marc Kosicke als „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ dazu holte. „Dass nur ein Cheftrainer kommt, reicht nicht“, sagte Klopp. „Wir müssen ganz viele Dinge ändern. Wir wollen jeden Stein umdrehen.“ Mit Sven Bender kommt ein Co-Trainer, der im Gegensatz zu Klopp Erfahrung in der Nationalmannschaft hat, dazu die früheren Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders. Alles im Sinne des neuen Bundestrainers.
Und sollte auch diese Mission nicht zum Erfolg führen, stünde der DFB vor einem noch viel größeren Scherbenhaufen als heute schon.
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