Kämpferischer Buckelwal: Experte gab Buckelwal Hartwin „keine Chance

Kämpferischer Buckelwal Experte gab Buckelwal Hartwin „keine Chance" – doch er schwimmt nach 650 km noch immer

Update · Hartwin lebt. Der Buckelwal hat seit einer Todesprognose mehr als 650 Kilometer zurückgelegt und wurde nun noch tiefer in der Flensburger Förde gesichtet. Nun wächst der Druck auf Experten und Behörden.

27.07.2026 , 06:59 Uhr

 Buckelwal Hartwin könnte an Skoliose leiden, einer schweren Verkrümmung der Wirbelsäule.

Buckelwal Hartwin könnte an Skoliose leiden, einer schweren Verkrümmung der Wirbelsäule.

Foto: Philip Dulian/dpa/Philip Dulian

Update vom 26. Juli: Hartwin ist erneut gesichtet worden – diesmal noch tiefer in der Flensburger Förde. „Stranded no More" zeigt sich kämpferisch: Seit der Prognose von Fjord&Bælt-Geschäftsführer Heiko Buch-Illing vom 24. Juni, der dem Buckelwal „keine Chance" eingeräumt und seinen Tod vorausgesagt hatte, hat Hartwin mehr als 650 Kilometer durch dänische und deutsche Gewässer zurückgelegt, mehrfach internationale Grenzen überquert und schwimmt noch immer.

Die Organisation sieht darin einen Beleg für die mangelnde Glaubwürdigkeit solcher Experteneinschätzungen und macht sie mitverantwortlich für die anhaltende Untätigkeit: „Vielleicht sind Wale weitaus widerstandsfähiger, als Experten uns glauben machen wollen, was die Verweigerung verfügbarer und bereits getesteter medizinischer Eingriffe umso besorgniserregender macht.“

 Buckelwal Hartwin in der Flensburger Förde.

Buckelwal Hartwin in der Flensburger Förde.

Foto: Stranded No More/Screenshot Instagram/strandednolonger

Buckelwal Hartwin erneut vor Kiel gesichtet

Update vom 24. Juli: Buckelwal Hartwin wurde erneut in der Nähe von Kiel gesichtet – und kämpft weiter ums Überleben, ohne dass ihm geholfen wird. „Stranded no More" schlägt auf Instagram erneut Alarm: „Diejenigen, die helfen könnten und die Fähigkeiten dazu haben, weigern sich zu helfen."

Die Organisation kritisiert, dass die weltweiten Strandungsnetzwerke strukturell versagt hätten – es gebe schlicht keine Strukturen, um notleidenden Walen wirksam zu helfen. Zudem habe man einen weiteren Brief an die deutschen Behörden geschrieben.

Laut „Stranded no More" sei die ferndiagnostische Einschätzung der dänischen Experten zu Hartwins Zustand einmal mehr falsch gewesen – genau wie im Fall von Timmy. Die Organisation fordert, den Fokus weg von der Timmy-Debatte und hin zu lebenden Walen wie Hartwin zu lenken, die jetzt Hilfe brauchen.

Retter kritisieren Timmy-Debatte – Hartwin kämpft ums Überleben

Update vom 23. Juli: Die Organisation „Stranded no More“ hat sich auf Instagram zu Wort gemeldet und reagiert auf ein DNA-Testergebnis zu Buckelwal Timmy, das für Verwirrung gesorgt hatte. „Wir haben Kitsch-Theater, das sich über sie lustig macht, wir haben hartnäckige Gerüchte und Wahnvorstellungen, dass Hope nicht gestorben sei oder dass Hartwin Hope sei, und ähnlichen Unsinn“, so „Stranded no More“.

Trauer werde für „Aufmerksamkeit und Klicks" genutzt

Die Organisation kritisierte, dass Menschen die Trauer um den Wal für „Aufmerksamkeit und Klicks" ausnutzten, und rief dazu auf, sich stattdessen auf lebende Wale wie Hartwin zu konzentrieren, die aktuell Hilfe benötigten.

Kleintierärztin Kirsten Tönnies hatte bei einer Pressekonferenz in Hamburg ein Ergebnis eines chinesischen Labors präsentiert, das keine Übereinstimmung zwischen zwei Gewebeproben des Wals zeigte – und damit Zweifel gesät, ob der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal wirklich „Timmy" war.

Andere Mitglieder der Rettungsinitiative und das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern widersprechen jedoch: Tracker-Daten und äußere Merkmale sprächen klar für „Timmy". Das abweichende DNA-Ergebnis sei zudem auf fehlerhafte Probenentnahme zurückzuführen.

Sterbenskranker Hartwin in Kieler Förde gesichtet

Update vom 20. Juli: Hartwin schwimmt offenbar noch immer nicht in Richtung offenes Meer. Obwohl das Umweltministerium am Freitag mitgeteilt hatte, das Tier bewege sich wieder zur See hin, wurde der Buckelwal am Samstag noch tiefer in der Kieler Förde gesichtet – nahe der Hörnbrücke im Zentrum der Stadt.

Das bestätigte die Wasserschutzpolizei. Die Tierschutzorganisation „Stranded No More" schlägt erneut Alarm und spricht bereits von einem „sterbenden Wal": „Er ist in Schwierigkeiten und braucht Hilfe, die er nicht bekommt."

Skoliose-Verdacht - überlebt Buckelwal Hartwin?

Erstmeldung vom 16. Juli: Er ist krank, allein und verloren – und trotzdem will ihm niemand helfen. Buckelwal Hartwin kämpft ums Überleben in einem Meer, das ihn töten wird. Der geschwächte Wal schwimmt seit Wochen durch die Ostsee, ein Gewässer der Natur, das für seine Art schlicht nicht geeignet ist. Nun haben Tierschützer der Organisation „Stranded No More" neue Videoaufnahmen ausgewertet und stehen vor einem erschreckenden Verdacht.

Der 15 Meter lange Wal könnte an Skoliose leiden, einer schweren Verkrümmung der Wirbelsäule.

Hartwins Schicksal erinnert an Buckelwal Timmy

Hartwins Weg durch die Ostsee erinnert die Aktivisten fatal an den Buckelwal Timmy, der im März 2026 in der deutschen Ostsee strandete und trotz aufwendiger Rettungsversuche verendete.

Ob Hartwin dasselbe Schicksal ereilt, hängt auch von einer politischen Entscheidung ab, die bislang gegen das Tier ausgefallen ist.

Wie Buckelwal Hartwin in die Ostsee geriet

Am 20. Juni 2026 tauchte Hartwin erstmals unter einer Brücke über den Kleinen Belt auf – jenem Wasserweg, der das dänische Festland von der Insel Fünen trennt. Die Tierschutzorganisation „Stranded No More" begann, das Tier zu beobachten, und gab ihm den Namen Hartwin.

Statt umzukehren, schwamm der Buckelwal immer tiefer in die Ostsee. Am 5. Juli 2026 wurde Hartwin erstmals in deutschen Gewässern gesichtet, vor der Halbinsel Holnis in der Flensburger Förde. Wenige Tage später kehrte er in dänische Gewässer zurück; zuletzt wurde er vor der Stadt Aarhus sowie nahe der Insel Tunø gesichtet. Von Entwarnung kann keine Rede sein.

Skoliose-Verdacht bei Buckelwal: Was die neuen Aufnahmen zeigen

„Wir sehen zwei sehr besorgniserregende Dinge“, schreiben die Tierschützer von „Stranded No More" nach der Auswertung neuer Aufnahmen. Konkret beobachten sie:

Auch Meeresbiologe Heiko Buch-Illing vom dänischen Zentrum „Fjord&Bælt" hatte bereits früh Alarm geschlagen. Er beobachtete den Wal aus nächster Nähe vor Fünen, „fast vor meiner Haustür", wie er sagte. Die heller werdende Haut und die auffällig langsame Fortbewegung wertete er als deutliche Warnsignale für einen stark geschwächten Zustand. Sein Urteil: „Da gibt's keine Chance. Er wird sterben.“

Was ist Skoliose – und wie gefährlich ist sie für Wale?

Skoliose bezeichnet eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Bei Walen kann sie sowohl angeboren als auch erworben sein, etwa durch ein massives Weichteiltrauma nach einer Schiffskollision. Selbst wenn dabei keine Knochen brechen, kann die Verletzung eine schnell sichtbare Krümmung verursachen, wie „Stranded No More" erklärt.

Hartwin hatte laut Berichten bereits eine Begegnung mit einem Segelboot. Ob es dabei tatsächlich zu einem Kontakt kam, ist jedoch nicht gesichert. Die Tierschützer fordern mehr Bildmaterial, um den Skoliose-Verdacht zu erhärten oder auszuschließen.

Wie dramatisch sich Skoliose bei Walen auswirken kann, zeigt ein Fall vor drei Jahren: Vor der spanischen Küste bei Valencia wurde ein Finnwal mit schwerer Wirbelsäulenverkrümmung entdeckt, der sich kaum noch fortbewegen konnte. Tierärzte wollten dem Tier einen Peilsender anbringen, doch der Wal zog sich ins offene Meer zurück. Sein weiteres Schicksal blieb unbekannt.

Warum Mecklenburg-Vorpommern die Hilfe für Buckelwal Hartwin verweigert

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern hat eine aktive Rettung von Hartwin abgelehnt, eine Entscheidung, die Tierschützer scharf kritisieren.

„Stranded No More" widerspricht der impliziten Botschaft, dass eine Rettung unmöglich sei: „Hartwin zu helfen ist nicht gleichbedeutend mit dem Schicken einer Rakete zum Mars. Es ist ganz einfach. Es könnte sofort getan werden, nicht-invasiv und sicher für den Wal und die Retter."

Die Organisation betont: In Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien war Hartwin noch nicht in diesem kritischen Zustand. Hätte man damals gehandelt, wäre das Tier womöglich längst in Sicherheit. „Ihm hätte geholfen werden können. Ihm könnte immer noch geholfen werden“, so „Stranded No More" auf Facebook.

Zwei Szenarien für Hartwin – beide enden tödlich

Meeresbiologe Buch-Illing sieht für Hartwin nur zwei mögliche Ausgänge:

„In spätestens einem Monat, vielleicht einer Woche, vielleicht auch zwei, wird der Wal stranden“, prognostiziert der Experte. Was bleibt, ist die Frage, ob Europa diesmal anders reagiert, oder ob Hartwin dasselbe Ende nehmen muss wie Timmy.