Kostenlose HIV-Selbsttests – Schweiz sucht neue Ansätze
Kampf gegen HIV und Aids Schweiz will bis 2030 HIV eliminieren – mit neuem Ansatz
Die Schweiz will HIV bis 2030 eliminieren. Doch die Fallzahlen sinken kaum noch. Jetzt stellt die Aids-Hilfe einen neuen Ansatz vor.
28.07.2026, 12:06
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Diese Woche findet in Rio de Janeiro die internationale Aids-Konferenz statt. Ein wichtiges Thema dort: Das Ziel, HIV-Neuinfektionen bis 2030 auf null zu bringen. Auch der Schweizer Bundesrat hat sich Ende 2023 diesem Ziel verpflichtet.
Für die Schweiz liegt dieses Ziel zumindest in Reichweite. Allerdings stagniert die Zahl der jährlich gemeldeten HIV-Infektionen hierzulande seit Jahren. Die Zahl weiter zu drücken, erweist sich als schwer.
Die letzten Meter sind die harzigsten
Seit Ausbruch der Aids-Epidemie hat die Schweiz viel erreicht. In den 1990er-Jahren wurden im Schnitt 1300 HIV-Fälle pro Jahr gemeldet. In den vergangenen Jahren waren es jährlich noch 300 bis 400.
Marc Eggenberger, Projektleitung bei der Aids-Hilfe Schweiz, weiss: «Die letzten Meter sind besonders intensiv.» Um das Nullziel bis 2030 noch zu erreichen, seien neue Präventionsansätze gefragt. Potenzial sieht die Aids-Hilfe unter anderem darin, HIV-Tests einfacher zugänglich zu machen.
Hier steht die Schweiz in der HIV-Prävention
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Die sogenannte «HIV-Kaskade» strebt an, dass
- 95 Prozent der Personen mit HIV von ihrer Infektion wissen (1. Stufe)
- davon 95 Prozent eine wirksame medikamentöse Therapie erhalten (2. Stufe)
- davon bei 95 Prozent keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind, sodass sie das Virus nicht weitergeben können (3. Stufe)
Die Schweiz hat die 95-Prozent-Ziele der zweiten und dritten Stufe der Kaskade bereits vor dem Jahr 2020 erreicht. Bei der ersten Stufe besteht jedoch noch Handlungsbedarf: Gemäss den aktuellsten verfügbaren Zahlen für das Jahr 2024 kennen schätzungsweise 93 Prozent der Menschen mit HIV ihre Diagnose. Entsprechend wird die Zahl der unbekannten HIV-Infektionen – also die Dunkelziffer – auf sieben Prozent geschätzt.
In der Schweiz wissen geschätzte sieben Prozent der Menschen mit HIV nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Das hat Konsequenzen: Werden sie nicht früh genug behandelt, erkranken sie an Aids. Und sie können das Virus unbemerkt weitergeben.
Selbsttests sollen neue Zielgruppen erreichen
Mit dem Ziel vor Augen, diese letzten sieben Prozent ausfindig zu machen, hat die Aids-Hilfe Schweiz ein nationales Pilotprojekt durchgeführt. Während eines Jahres konnten Risikogruppen kostenlose HIV-Selbsttests anonym nach Hause bestellen.
«Über schwule und bisexuelle Dating-Apps konnten wir Werbung schalten», so Marc Eggenberger. Ein Versuch, auch diejenigen Risikogruppen anzusprechen, die bislang nur schwer oder gar nicht erreicht wurden. Rund 1500 Personen haben sich auf diesem Weg einen Selbsttest bestellt.
Die Auswertung des Pilotprojekts zeigt, dass die kostenlosen Selbsttests tatsächlich auch Personen erreichten, die mit bisherigen Präventionsangeboten kaum in Kontakt kamen. Jeder Neunte hatte zuvor noch nie einen HIV-Test gemacht.
Marc Eggenberger hofft, dass sich diese Personen zukünftig regelmässig testen. Das sei entscheidend, um HIV-Infektionen frühzeitig zu entdecken, zu behandeln und weitere Übertragungen zu verhindern.
Wie es jetzt weitergeht
Das Projekt werde vorerst nahtlos weitergeführt, sagt Marc Eggenberger. Es wird hauptsächlich von Spendengeldern getragen. Der Bund unterstützt die Arbeiten der Aids-Hilfe im Rahmen einer Finanzhilfe.
Weniger Gelder für Kampf gegen HIV-Epidemie
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Die Vereinten Nationen (UNO) warnen vor einem Wiederaufflammen der weltweiten HIV-Epidemie aufgrund deutlicher Einschnitte bei den Finanzmitteln. Die Gelder seien im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 7.3 Milliarden Dollar gesunken und hätten damit den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht, teilte die UNO-Organisation UNAIDS am Montag zum Auftakt der Internationalen Aids-Konferenz in Brasilien mit. Ohne erneutes Engagement drohten die hart erkämpften Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte zunichtegemacht zu werden. Im vergangenen Jahr hätten sich rund 1.2 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, hiess es. Ein Hauptgrund für den Rückgang der Mittel sind Kürzungen durch die USA, die 75 Prozent der internationalen HIV-Hilfen bereitgestellt hatten. (Reuters)
Jetzt in die HIV-Prävention zu investieren, sei ein Zeichen mit wichtiger Signalwirkung nach aussen, betont Marc Eggenberger. «Wir sehen, wie weltweit Gelder gekürzt werden. Gerade im Bereich HIV.» Da sei es besonders wichtig, dass Länder wie die Schweiz an ihrem Ziel festhalten.
Ob die anonymen HIV-Selbsttests tatsächlich Infektionen verhindern können, muss sich erst noch erweisen. Die Resultate ihres Pilotprojekts präsentieren Marc Eggenberger und seine Kollegen diese Woche an der internationalen Aids-Konferenz in Rio. Gleichzeitig halten sie dort Ausschau nach weiteren Präventionsansätzen aus anderen Ländern. In der Hoffnung, das Ziel von null HIV-Neuinfektionen bis 2030 noch zu erreichen.
Radio SRF 1, Rendez-vous, 28.7.2026, 12:30 Uhr