Kalköfen gab es entlang der Isar alle 500 Meter – Vortrag in Geretsried beleuchtet Handwerk
Stand: 25.07.2026, 17:00 Uhr
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In der Blütezeit der Kalkbrennerei im 19. Jahrhundert reihten sich die Öfen dicht an dicht am Fluss. Helmut Schmidmeier erklärt, warum München so viel Kalk brauchte.
Geretsried – Die Nähe Münchens war für die Menschen des Isarwinkels Mitte des 19. Jahrhunderts ein wirtschaftlicher Segen. Die Stadt wuchs schnell und brauchte allerlei Güter: an erster Stelle Baumaterial wie Holz und Kalk, aber auch Pech, Torf und Bier. Weil die Straßen schlecht waren, schwamm die Fracht ganz einfach Isar und Loisach hinunter. Das war billig und ging schnell. Bau- und Brennholz wurde in den flussnahen Wäldern geschlagen und auf dem Wasserweg getriftet. Eine schwere und gefährliche Arbeit. Aber woher kam der Kalk? Dieser Frage widmete sich Helmut Schmidmeier vom Arbeitskreis Historisches Geretsried bei einem gut besuchten Vortrag im Rathaus.
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Kalköfen gab es entlang der Isar alle 500 Meter – Vortrag in Geretsried beleuchtet Handwerk
Die Römer errichteten große Gebäude aus Kalk und Stein. Das Pantheon in Rom, ein antiker Tempel mit einer knapp 44 Meter messenden Kuppel, ist rein aus Kalk gebaut. Über das fränkische Kloster Corvey im Teutoburger Wald gelangte die Technik nach Süddeutschland. Als Heinrich der Löwe im 12. Jahrhundert das Herzogtum Baiern erhielt, ließ er Städte bauen, darunter München. Nachdem die Stadt unter der Herrschaft von Kaiser Ludwig dem Bayern drei Mal abgebrannt war, verfügte er, dass fortan nur noch Steinbauten errichtet werden durften – aus Ziegeln und Kalk.
Sonderausstellung läuft noch wenige Tage
Der Vortrag von Helmut Schmidmeier war eine Begleitveranstaltung der Ausstellung „Vergessene Wege auf dem Wasser – Die Flößerei auf Isar & Loisach“. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 2. August im Museum der Stadt Geretsried zu sehen.
Kalk stammt aus den Ablagerungen kleiner Tierchen und Pflanzen in einem Ozean, der vor Millionen Jahren die Alpen bedeckte. Dieser Rohstoff befindet sich auch in Isarkieseln. „Stoaklauberinnen“ mussten sie mühevoll aus dem Fluss holen. In den Öfen wurden die Steine acht Tage lang auf über 900 Grad erhitzt. Dafür brauchte man etwa 18 Ster Holz. Anschließend wurde der Kalk mit Wasser „gelöscht“ und mit Sand gemischt.
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Das Holz zum Brennen des Kalks, der gebrannte Kalk und die Steine kamen aus dem Isarwinkel und wurden auf Isar und Loisach geflößt. In der Blütezeit standen entlang der Isar alle 500 Meter Kalköfen, so Schmidmeier, so groß war der Bedarf. Im Raum Geretsried gab es drei Kalköfen, darunter an der Tattenkofener Straße. Um 1900 verdrängte die industrielle Herstellung die klassischen Kalköfen. Eisenbahn und Lastwagen machten die Flößerei obsolet. Heute wird sie nur noch zum Vergnügen betrieben. Manfred Hummel