Hunde, Handwerker, Hürden: Zwei Quereinsteigerinnen bauen das Tierheim Lampertheim neu auf
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Hunde, Handwerker, Hürden Junge Quereinsteigerinnen bauen das Tierheim Lampertheim neu auf
Kimberly Neudecker und Lisa Dauth haben ihre Jobs in der mobilen Pflege aufgegeben, um das Tierheim Lampertheim zu leiten. Seitdem kümmern sie sich gleichzeitig um schwierige Hunde, Bauarbeiten und Behördenauflagen. Ihr Alltag ist ein Kraftakt, doch ans Aufgeben denken sie nicht.
Lisa Dauth (links), Tier-Verhaltenstherapeut Thomas Schmitt und Kimberly Neudecker (rechts) Bild © Anna Vogel
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02:13 Min.|Anna Vogel
Körbchen oder Näpfe findet man im Hundehaus des Lampertheimer Tierheims aktuell nicht. Dafür herausgerissene Verankerungen, verrostete Gitter und blanken Betonboden. Bald sollen neue Fliesen verlegt und neue Zwingergitter installiert werden. "Als Allererstes ist geplant, dass wir eine neue Fußbodenheizung bekommen, damit unsere Hunde nicht frieren im Winter", sagt die neue Tierheimleiterin Lisa Dauth.
Außerdem sollen Fenster eingebaut werden, durch die die Hunde sich gegenseitig sehen können. "Damit nicht jeder in seinem eigenen Zwinger ist und nichts sieht von der Außenwelt, das ist ganz wichtig", sagt Dauth. Das sanierungsbedürftige Hundehaus ist eine von vielen Baustellen, auf die sich die neuen Tierheimleiterinnen einstellen müssen.
Vom Pflegedienst ins Tierheim
Noch vor rund einem Jahr arbeiteten Kimberly Neudecker und Lisa Dauth gemeinsam für einen mobilen Pflegedienst. Als Dauths Mutter Mitte 2025 den Vorsitz des Tierschutzvereins Lampertheim e.V. übernahm und eine neue Leitung gesucht wurde, entschieden sich die beiden für den Wechsel. "Wenn ich dabei bin, ist sie auch dabei, ganz klar", sagt Dauth über ihre Freundin.
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00:46 Min.|hessenschau.de
Pflegerinnen übernehmen Tierheim
Seit Anfang des Jahres leiten sie und Neudecker das Tierheim. In dieser Zeit haben sie den Betrieb neu organisiert, Schulungen absolviert und zugleich die umfassende Sanierung des Tierheims angestoßen.
Für Neudecker erfüllt sich damit ein langer gehegter Wunsch. "Es war mein Kindheitstraum, mit Tieren zu arbeiten", sagt sie, während sie sich um einen Wurf junger Katzen kümmert. "Ich bin angekommen. Ich bin echt glücklich."
Zwischen Tierpflege und Behördenauflagen
Der Alltag besteht nämlich längst nicht nur aus Füttern, Gassigehen und Streicheleinheiten. Ein Behandlungsraum, eine Katzenquarantäne, neue Fenster und weitere Umbauten gehören zu den Anforderungen, die das Tierheim erfüllen muss. "Vieles kommt von den Ämtern, gerade mit den Fenstern und ähnlichen Dingen, die wir nicht direkt auf dem Schirm hatten", sagt Neudecker.
Für Kimberly Neudecker geht mit der Arbeit im Tierheim ein Traum in Erfüllung Bild © hr
Beide Frauen absolvierten außerdem Schulungen und eine Sachkundeprüfung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes. Dabei beschäftigten sie sich mit Krankheiten, medizinischen Grundlagen und dem Verhalten verschiedener Tierarten. Die notwendigen Nachweise seien ihnen "nicht geschenkt worden", betont Dauth.
Platz für Hunde, Katzen und Kleintiere
Nach Abschluss der Umbauten soll das Tierheim bis zu 20 Hunde sowie 10 bis 20 Katzen aufnehmen können. Hinzu kommen Fundtiere wie Kaninchen und andere Kleintiere. Derzeit ist die Kapazität wegen der Bauarbeiten allerdings eingeschränkt.
Besonders Katzen können momentan nur begrenzt untergebracht werden, weil einige ruhigere Räume für empfindliche Hunde gebraucht werden. Langfristig hoffen Dauth und Neudecker, das Tierheim vergrößern und zusätzliches Personal einstellen zu können. "Dann wird es sich ja alles wieder lösen", sagt Neudecker.
Das Hundehaus im Tierheim in Lampertheim muss aufwändig saniert werden, bevor Tiere darin wohnen können. Bild © hr
Kein Feierabendmodus
Während gebaut wird, muss der Tierheimbetrieb weiterlaufen. Morgens besprechen die Frauen, welche Hunde nach draußen müssen, welche Tiere zum Arzt sollen und welche Ehrenamtlichen oder Praktikanten kommen. "Die ganzen Umbauarbeiten, sich mit den Hunden gleichzeitig zu beschäftigen, jedem gerecht zu werden - das ist ziemlich schwierig", sagt Dauth.
Auch zu Hause lasse sie die Arbeit nicht los. "Man fragt sich: Wie geht es jetzt dem und dem, wenn man gerade nicht da ist?" Neudecker ergänzt: "Man ist eigentlich nie im Feierabendmodus."
Warum sie sich diesem Kraftakt trotzdem stellen? Die beiden sehen die aktuelle Belastung als vorübergehende Aufbauphase, aber auch als Verantwortung gegenüber Tieren. "Um die hat sich teilweise jahrelang keiner mehr gekümmert, jetzt sind wir an der Reihe", sagt Neudecker. Dafür könne man eine Zeit lang zurückstecken, sagt sie.
Gegenwind in sozialen Netzwerken
Zusätzlich zur Arbeit vor Ort müssen sich die jungen Leiterinnen mit Kritik in sozialen Netzwerken auseinandersetzen. Dort werde ihnen unter anderem zu wenig Erfahrung vorgeworfen oder behauptet, das Tierheim nehme grundsätzlich keine Katzen auf. "Das sind Hass-Kommentare, das kann man schon sagen", berichtet Neudecker.
Viele der Vorwürfe beruhten aus ihrer Sicht auf Halbwahrheiten. "Anstatt dass jemand mal selbst vorbeikommt und sich ein eigenes Bild macht, wird sich etwas ausgedacht", sagt sie. Das Tierheim sei offen für Besucher und auch für Kritiker: "Hier kann jeder vorbeikommen."
Rücklagen statt sicherer Finanzierung
Die Sanierung wird nach Angaben der Vereinsvorsitzenden Claudia Dauth voraussichtlich zwischen 50.000 und 60.000 Euro kosten. Der Verein greift dafür derzeit auf Rücklagen zurück, eine langfristige Finanzierung stehe aber noch nicht. "Im Moment stehen wir auf sehr wackeligen Beinen", sagt Claudia Dauth.
Vereinsvorsitzende Claudia Dauth (links) hat die Leitung des Tierheims an Kimberly Neudecker und Tochter Lisa Dauth übergeben Bild © hr
Sie hofft auf verlässliche Vereinbarungen mit Lampertheim, Bürstadt und Biblis sowie auf Spenden und neue Mitglieder. "Mit 4.000 Euro Darlehen im Jahr kann man ein Tierheim nicht betreiben", sagt die Vorsitzende über die bisherige Unterstützung aus Lampertheim. Ihre Vision sei deshalb "ein offenes Tierheim, ein junges Tierheim", in dem jeder sehen könne, wie gearbeitet wird.
"Dann weiß man, wofür man es macht"
Kimberly Neudecker und Lisa Dauth führen das Tierheim als angestellte Leiterinnen. Ihre Gehälter werden - wie die übrigen laufenden Kosten - vom Tierschutzverein getragen.
Unterstützung bekommen die beiden Leiterinnen von Ehrenamtlichen wie Doris Frank, die regelmäßig mit Tierheimhund Rocky spazieren geht. "Ich finde es toll, dass junge Leute sich für so ein Projekt und für die Tiere motivieren", sagt sie. Für Frank sei das Tierheim "ein Herzensprojekt".
Auch Dauth und Neudecker denken trotz aller Belastungen nicht ans Aufgeben. Wenn Neudecker sich einige Minuten zu den jungen Katzen setzt, werde der Stress für einen Moment kleiner. "Dann weiß man ja, für was man all das hier macht", sagt sie.