Judith Kerrs "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" in Helfenberg

Neu im Theater

Judith Kerrs "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" in Helfenberg

Das Theater in der Kulturfabrik Helfenberg zeigt noch vor der Uraufführung in München die erste Bühnenadaption von Kerrs Roman als Musical

Ella Kurowski

Ein Mann und ein Mädchen in Winterkleidung und mit Koffer. Da Mädchen trägt ein rosa Kaninchen.
Jackpot: Regisseur Henry Mason darf den Klassiker über das Schicksal einer Familie im Faschismus bereits vor der Uraufführung inszenieren, mit Papa (Rob Pelzer) und Anna (Sarah Weidinger).

Die Gemeinde Helfenberg im oberen Mühlviertel zählt knapp 1500 Einwohner. Trotzdem beherbergt sie eine Spielstätte, die nicht nur über die Grenzen des Dorfes, sondern auch die des Landes bekannt ist: Das Theater in der Kulturfabrik Helfenberg. In der Ziegelhalle einer ehemaligen Textilfabrik präsentiert das Theater seit 2007 jeden Sommer eine Produktion und glänzt dabei durch den Charme und die Einbindung der Umgebung.

Diese Saison bekommen Zuseher von nah und fern Als Hitler das rosa Kaninchen stahl zu sehen. Der autobiografische Roman von Judith Kerr aus dem Jahr 1971 wurde 2019 verfilmt. Dass dieser Stoff nun als Musical adaptiert in Helfenberg Programm ist, ist einzigartig: Es handelt sich dabei nämlich um die weltweit erste Bühnenfassung, verantwortet vom preisgekrönten Autorenduo Thomas Zaufke und Henry Mason. Die eigentliche Uraufführung ist erst Ende des Jahres in München geplant. Als Tryout-Produktion – und große Ausnahme – darf das Musical aber schon jetzt in Helfenberg gezeigt werden.

Autobiografische Erzählung

Situiert im faschistischen Berlin anno 1933 ist die Handlung die Geschichte einer jüdischen Familie vor dem Zweiten Weltkrieg: Der Nationalsozialismus zwingt Mutter (Ariane Swoboda), Vater (Rob Pelzer), Tochter Anna (Sarah Weidinger) und Bruder Max (Patrik Cieslik), ins Exil zu fliehen. Zurück bleiben ein rosa Kaninchen und alles Vertraute. Eine Erzählung, die die Fluchterfahrung aus Kinderaugen begreiflich macht und trotzdem humorvoll bleibt.

Judith Kerr verhandelte damit im Grunde die Geschichte ihrer eigenen Familie: Ihr Vater, Alfred Kerr, war selbst bekannter Autor und als solcher von Joseph Goebbels auf die Schwarze Liste gesetzt worden, ihre Mutter, Julia Kerr, war Komponistin. Trotz aller Widrigkeiten gelang es den Eltern, der Flucht den Horror zu nehmen. Die Schwere der Erfahrung begriff die Autorin erst als Erwachsene und verfasste daraufhin den Klassiker. (Ella Kurowski, 23.7.2026)

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