Trumps gefährliches Spiel um die Strasse von Hormus (B+)

Donald Trump (80) geht aufs Ganze: Er will die Strasse von Hormus «übernehmen» und unter amerikanische Kontrolle bringen. Künftig sollen US-Kriegsschiffe Handelsschiffe eskortieren – gegen eine saftige Gebühr von 20 Prozent des Warenwerts.

Ist das ein Modell von Schutzmacht oder schon staatlich organisierte Piraterie? Auf jeden Fall ist Trumps Absicht ein geopolitisches Himmelfahrtskommando, das bisher passive Supermächte wecken und in den Krieg hineinziehen könnte.

Die Strasse von Hormus ist im Iran-Krieg der grosse Zankapfel. Da sie zu weiten Teilen unter der Kontrolle des Irans steht, benutzt Teheran das Nadelöhr als Druckmittel. Die Folgen der Blockade sind weltweit spürbar: Weil die Schiffe nicht weiterkommen und ein Umweg astronomisch teuer wäre, schiessen die Ölpreise in die Höhe.

Bürgenstock war für die Katz

Eigentlich lag die Hoffnung auf Frieden in der Schweiz. Doch weil die Iraner vor wenigen Tagen Handelsschiffe beschossen und die USA massive Vergeltung verübt haben, ist der auf dem Bürgenstock NW angedachte Waffenstillstand endgültig vom Tisch. Statt Diplomatie regiert die Eskalation.

Trump liess auf seiner Plattform Truth Social die Bombe platzen: «Die USA werden nun als Wächter der Strasse von Hormus bekannt sein, werden aber in dieser Eigenschaft und aus Gründen der Fairness eine Erstattung in der Höhe von 20 Prozent aller beförderten Fracht erhalten, um alle Kosten zu decken, die für die Gewährleistung von Sicherheit und Schutz in diesem äusserst instabilen Teil der Welt erforderlich sind.»

Wer bezahlt?

Die Umsetzung dieser Drohung ist allerdings alles andere als einfach und erfordert zunächst eine weitere militärische Schwächung des Gegners. Der Iran verfügt an seiner Küste über unzählige geheime Bunker, aus denen er die Strasse von Hormus mit Raketen oder Schnellbooten attackieren kann.

Um das Maut-Modell durchzusetzen, müsste die US-Navy vor und hinter der Meeresenge eine lückenlose Seeblockade mit schwimmenden Checkpoints errichten. Der Ablauf wäre strikt: Schiffe aus dem oder nach dem Iran werden konsequent abgewiesen. Neutrale Frachter dürfen die Passage nur passieren, wenn sie die 20-Prozent-Maut vorab elektronisch an Washington entrichtet haben. Erst nach Zahlungseingang werden sie von US-Kriegsschiffen in bewachten Konvois durch die hochgradig verminten Gewässer eskortiert.

Schon die bürokratische Abwicklung ist eine logistische Knacknuss. Wie sollen Reedereien die Gebühren berechnen und auf ihre Kunden abwälzen, wenn ein einziges Containerschiff Tausende verschiedene Konsumgüter geladen hat? Wer ist überhaupt bereit, eine so astronomische Abgabe zu bezahlen? Am Ende drohen endlose Wartezeiten auf See, die die globalen Lieferketten massiv lähmen würden.

Dass Teheran dieses Diktat nicht kampflos hinnimmt, versteht sich von selbst. Die Revolutionsgarden haben die Strasse von Hormus bereits vermint und können die unter der Wasseroberfläche lauernden Bomben auf Knopfdruck aktivieren. Gleichzeitig droht ein asymmetrischer Gegenschlag: Der Iran könnte amerikanische Militärstützpunkte im benachbarten Bahrain, Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt ins Visier nehmen.

China wird geweckt

Trumps Vorstoss zwingt auch China dazu, aus seiner bisherigen Beobachterrolle auszubrechen. Peking ist der grösste Abnehmer von iranischem Öl. Die US-Abgabe wirkt wie eine direkte Strafsteuer auf das chinesische Wirtschaftswachstum.

Wie reagiert die Führung in Peking? Schickt China nun eigene Kriegsschiffe an den Golf, um seine Megatanker vor dem Zugriff der Amerikaner zu schützen? Wenn ja, droht die direkte militärische Konfrontation der beiden globalen Supermächte auf See. Denkbar ist aber auch ein fieser Revanche-Akt: China könnte vor der eigenen Haustür im Südchinesischen Meer damit beginnen, westliche Handelsschiffe nach ähnlichem Muster abzuzocken.

Es droht das Chaos

Selbst wenn das US-Militär die Kontrolle behaupten sollte, entscheidet am Ende eine ganz andere Instanz über den Erfolg des Plans: die globalen Schiffsversicherer. Sobald die Lage eskaliert und die ersten Tanker brennen, könnten die Konsortien schlicht die Deckung für Frachten verweigern, die sich in die Gefahrenzone wagen. Ohne Versicherungsschutz läuft kein einziges Schiff mehr aus.

Trumps Vorstoss ist ein klassischer Erpressungsversuch, um den Iran wirtschaftlich auszubluten und den US-Wählern Stärke zu demonstrieren. In der Praxis droht dieser Plan jedoch an der unerbittlichen Realität von Logistik, Völkerrecht und militärischer Asymmetrie zu scheitern. Statt den Golf zu befrieden, könnte der selbsternannte «Schutzengel» die globalen Märkte ins Chaos stürzen.