Blase oder nicht? Die Sorge um die KI-Wirtschaft hält die US-Börse in Atem
Ist es doch eine Blase? Die Sorge um die Zukunft der KI-Unternehmen treibt die amerikanische Börse um
Der Tech-Index Nasdaq gab am Freitag zeitweise stark nach, nachdem ein chinesisches KI-Modell mit starken Werten aufgetrumpft hatte. Während sich der Index erholte, blieb Raketenbauer SpaceX im Tief.
18.07.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Die Entwicklung der Kurse an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq hat am Freitag die Anleger wieder einmal in Atem gehalten.
Jeenah Moon / Reuters
Werden die führenden KI-Unternehmen eine Revolution anführen und ihre Investoren unglaublich reich machen? Oder hat sich am Aktienmarkt nicht doch eine gigantische Blase gebildet, die bald platzen wird? Die Börse hat sich am Freitag einmal mehr eingehend mit der Frage beschäftigt, die schon die Kursentwicklung der vergangenen Monate geprägt hat.
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Am Freitag waren die Pessimisten tonangebend: Der Nasdaq 100 fiel kurz nach Handelsstart um über 2 Prozent, konnte sich bis zum Mittag amerikanischer Ostküstenzeit aber wieder etwas fangen. Die jüngsten Kursverluste gilt es in Perspektive zu setzen: Seit Jahresbeginn liegt der Technologie-Index noch immer um 14 Prozent im Plus. Die grosse KI-Euphorie hievte den Nasdaq von gut 23 000 Punkten Ende März bis Ende Mai auf über 30 000 Punkte – seither verharrt er in dieser Region.
Die Zulieferer stehen im Fokus
Deutlich stärkere Ausschläge als der Gesamtindex erlebten am Freitag einzelne Titel, die vom rapiden Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Dazu gehören etwa die Chiphersteller Intel und SK Hynix, das südkoreanische Unternehmen, das seit einer Woche eine Zweitkotierung in New York unterhält.
Das Traditionsunternehmen Corning, das seit 175 Jahren Glas- und Keramikwaren herstellt und zeitweise vor allem als Hersteller eines Spezialglases für iPhones bekannt war, ist ein besonders interessantes Beispiel für den jüngsten Hype. Sein Aktienkurs hatte sich bis Ende Juni innert Jahresfrist verfünffacht, weil das Unternehmen mittlerweile auch Glasfaserkabel produziert, die beim Bau von Rechenzentren Verwendung finden.
Eine Kooperation mit dem führenden Chip-Designer Nvidia fällt dabei besonders ins Gewicht: Glasfaserkabel von Corning sollen in Serverfarmen von Nvidia Kupferkabel ersetzen und damit für eine schnellere Datenübertragung sorgen. In letzter Zeit ist der Kurs wieder deutlich gefallen, aber noch immer ist Corning 73 Prozent mehr wert als noch zu Jahresbeginn.
Während sich die Titel von Corning und Intel im Tagesverlauf erholten und diejenigen von SK Hynix sogar deutlich ins Plus drehten, blieben die Aktien des Raketenbauers SpaceX, der sich ebenfalls als KI-Unternehmen vermarktet, stark unter Druck. Die Anleger zeigten sich enttäuscht, dass am Donnerstag ein weiterer Test des Starship missglückte – der grossen Rakete, auf deren Entwicklung die riesigen Ambitionen von SpaceX fussen. Um 18 Uhr Schweizer Zeit am Freitag wurden die SpaceX-Titel daher für mehr als 5 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortags bei unter 125 Dollar gehandelt.
Die Anleger verkauften am Freitagmorgen auch Anteile des führenden Chip-Entwicklers Nvidia, der seinen Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt zeitweise an Apple abgeben musste; zum ersten Mal seit über einem Jahr. Der iPhone-Hersteller hat dem KI-Pessimismus der vergangenen Wochen besser widerstehen können als seine Konkurrenten.
Viele Marktbeobachter sind zuversichtlich, dass die Preiserhöhungen, die Apple Ende Juni aufgrund steigender Kosten für Speicherchips verfügt hat, auf Dauer die richtige Entscheidung sind. Für Optimismus sorgt auch die neueste Version des Sprachassistenten Siri, die kürzlich für einen grösseren Kreis an Testnutzern freigegeben worden ist. Siri soll endlich bessere KI-Fähigkeiten erhalten haben.
Was hoch steigt, fällt oft
Doch warum zweifelt der Markt genau jetzt an den KI-Zulieferern? Viele Analysten geben die naheliegende Erklärung, dass die Bewertungen dieser Unternehmen in den vergangenen Monaten enorm angestiegen sind; es braucht nicht viel, sie wieder etwas zurückfallen zu lassen.
Hinzu kommt die altbekannte Sorge, dass sich künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren zwar als enorm einflussreiche Technologie etablieren wird, der Zugang zu den Modellen aber zur austauschbaren «Commodity» verkommt. Das Telefon, die Eisenbahn oder das Internet haben die Welt ebenfalls stark verändert. Zahlreiche führende Unternehmen, welche diese Netze ausgebaut hatten, gerieten aber in Krisen und verschwanden wieder von der Bildfläche.
Diese Sorge ist am Donnerstag genährt worden, als ein chinesisches Unternehmen ein leistungsstarkes und nicht proprietäres KI-Modell vorgestellt hat, das deutlich günstiger ist als die führenden Modelle von Anthropic und Open AI. Die beiden amerikanischen Anbieter stehen ohnehin bereits in einem immer härteren Preiskampf.
Viel Aufmerksamkeit werden kommende Woche die Ergebnisse von Alphabet wecken, die das Unternehmen am Mittwochabend nachbörslich vorstellen wird. Der Google-Konzern will 2026 an die 200 Milliarden Dollar in neue Infrastruktur investieren, insbesondere in KI-Rechenzentren. Im Frühling beruhigte der «Hyperscaler» die Märkte, als er ein starkes Wachstum seiner Cloud-Sparte auswies, in der auch das KI-Geschäft gebündelt ist. Wie dieser nervöse Freitag zeigt, könnten die Anleger eine solche Beruhigungspille erneut gut gebrauchen.
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