Abnutzungskrieg im Iran: USA erschöpfen Waffenlager – droht den USA unter Trump ein neuer „Forever War“?
Iran-Krieg: Trumps maximale Ziele schrumpfen auf ein einziges
Stand: 19.07.2026, 13:47 Uhr
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Einst wollten die USA das Mullah-Regime stürzen. Heute kämpfen sie verzweifelt um die Straße von Hormus. Eine Analyse.
Washington, D.C. – Zu Kriegsbeginn blieben die Ziele der USA und Israels unausgesprochen, waren aber offensichtlich: Das oberste Ziel war ein Regimewechsel. Über fünf Jahrzehnte hinweg hatte sich Teherans unbelehrbare Führung als immun gegen Diplomatie, Zwang und Abschreckung erwiesen. Wenn dort „Tod den USA“, „Tod Israel“ oder „Tod England“ skandiert wurde, war das kein leeres Schlagwort. Die Überzeugung war klar: Langfristig gab es nur ein Entweder-oder.
Darauf folgte eine ganze Kaskade weiterer Ziele. Zunächst ging es um die Vernichtung des Raketenarsenals und der regionalen Stellvertreter – jenes Schutzschilds, das der verstorbene Ali Chamenei geduldig für den Bau seiner Atombombe errichtet hatte. Es folgten die Demontage der militärischen Schlagkraft Irans, die Enthauptung des Oberkommandos und als wichtigster Punkt: die Zerstörung des Atomprogramms. Dies war der strategische Rahmen, in dem Washington und Jerusalem ihre Angriffe auf den Iran planten.

Iran-Krieg: Vom Regimewechsel zur Kontrolle über die Straße von Hormus
Fast fünf Monate später, selbst nachdem Washington ein Memorandum of Understanding unterzeichnet hatte, das all diese Ziele preisgab und obendrein umfassende Sanktionslockerungen vorsah, findet sich die US-Regierung in einem unwürdigen Todesringen mit dem Regime wieder, das weiterhin die Straße von Hormus im Würgegriff hält. Alle ursprünglichen Ziele sind auf dieses eine zusammengeschmolzen – und es stand ursprünglich nicht einmal auf der Liste. Die strategische Agenda ist von maximalistischen Ambitionen zu einem einzigen, erzwungenen Minimalziel geschrumpft.
In dieser Woche zerstörten amerikanische Kampfflugzeuge Straßen, Brücken und Eisenbahnlinien rund um Bandar Abbas, eine Küstenstadt mit fast 500.000 Einwohnern, die mit einem Marinestützpunkt verbunden ist. Da etwa die Hälfte des gesamten Handels des Landes über diesen Hafen läuft, werden wohl Millionen in Elend gestürzt werden. Die Eskalation schien der Versuch zu sein, iranische Streitkräfte an der Nachversorgung zu hindern und so ihre Angriffe auf Hormus einzudämmen.
USA in der Defensive: Warum der Iran-Krieg moralisch und rechtlich umstritten ist
Ob der militärische Vorteil das zivile Leid rechtfertigte – ein zentrales Kriterium für die Rechtmäßigkeit nach dem Kriegsvölkerrecht –, ist bestenfalls fraglich. Sicher ist nur, dass die Tatsache, dass der letzte Staatschef, der genau diese Infrastruktur bombardierte, Saddam Hussein in den 1980er Jahren war, kein gutes Bild für Donald Trump abgab. Der Vergleich mit einem völkerrechtlich geächteten Diktator unterminiert jeden Anspruch auf moralische Überlegenheit.
Das Ganze wirkte verzweifelt. Der Wandel im Schicksal Washingtons ist dramatisch. Was als verheerender Angriff der furchterregendsten Militärmaschine der Menschheitsgeschichte begann, hat sich in einen unerbittlichen Abnutzungskrieg gegen einen weit schwächeren, aber raffinierteren Gegner verwandelt – vor der Kulisse grotesk schlecht geführter Verhandlungen. Aus einer Position erdrückender Stärke heraus ist Amerika in eine Lage geraten, in der es nur noch auf die Schritte Teherans reagieren kann.
Asymmetrische Kriegsführung: Teherans Widerstand trifft auf leere US-Waffenlager
Seit Monaten ächzt das Regime unter der Last von Attentaten, chirurgischen Schlägen, einer tiefen Wirtschaftskrise und Welle um Welle taktischer militärischer Niederlagen. Da es sein Monopol auf innere Gewalt jedoch gewahrt hat, konnte es dem Druck im Inneren standhalten; und dank seiner Dominanz über Hormus kann es Trump an der Nase herumführen, während es der Weltwirtschaft die Pistole an den Kopf hält. Der innenpolitische Repressionsapparat bleibt ebenso intakt wie die Fähigkeit, globale Energiemärkte zu erpressen.
Auf amerikanischer Seite indes wächst der Schmerz ebenfalls. Nicht nur gehen die Bestände an Raketenabwehrsystemen in der gesamten Region zur Neige, auch die Lager an fortschrittlichen offensiven Waffen und Munition der USA sind in beunruhigendem Maße erschöpft. So wird etwa nicht damit gerechnet, dass die Zahl der Tomahawk-Marschflugkörper in den nächsten fünf Jahren vollständig wieder aufgefüllt werden kann. Das wirkt sich auf das größere strategische Bild aus: Je länger sich der Konflikt hinzieht, desto schwächer wird Washingtons Abschreckung gegenüber Peking und Moskau.
Iran-Krieg: Strategische Weggabelung für Trump
Strategisch steht Trump an einer Weggabelung. Einerseits könnte er sich entscheiden, dieses Regime um jeden Preis an Blut und Geld zu zerstören. Wirtschaftskrieg – etwa durch Angriffe auf Raffinerien, Terminals und Exportinfrastruktur für Öl – würde Teil einer solchen Strategie sein und eine Abkehr von der bloßen maritimen Eindämmung markieren. Ein solcher Kurs würde den Aufbau von Allianzen mit bewaffneten Oppositionsgruppen und Überläufern innerhalb Irans erfordern, ebenso wie Vorbereitungen, um die Stabilität nach einem möglichen Zusammenbruch zu sichern.
Können Sie sich vorstellen, dass der Präsident, dem ein Großteil seiner innenpolitischen Stärke abhandengekommen ist, diesen Weg einschlägt? Ich auch nicht, zumal die Zwischenwahlen näher rücken. Die Alternative bestünde in einem weiteren ausgehandelten Abkommen, das die gleichen Demütigungen mit sich brächte – unvorstellbare amerikanische Zugeständnisse bei allem, von Raketen über Stellvertretermilizen bis hin zu Versprechen über Hunderte Milliarden Dollar –, wie wir sie bereits im Juni-Memorandum gesehen haben. Und wir wissen, wie gut das funktioniert hat.
Zwickmühle vor den Wahlen: Droht den USA ein neuer „Forever War“ im Nahen Osten?
Also verfällt Trump in eine fortlaufende Strategie der Zwangseindämmung. Da keine der beiden Seiten bereit – Amerika – oder in der Lage – Iran – ist, den coup de grâce zu führen, geraten sie in eine Endlosschleife der Abnutzung. Teheran testet das Abkommen; Washington schlägt gegen strategische militärische Fähigkeiten und zivile Infrastruktur zurück; Teheran trifft Golfstaaten, Militärbasen und die Schifffahrt in der Straße; Vermittler nähen einen weiteren vorübergehenden Waffenstillstand zusammen.
Das alles erinnert stark an einen weiteren „Forever War“, verursacht durch die Inkompetenz eben jenes Präsidenten, der geschworen hatte, sie zu beenden. (Dieser Artikel von Jake Wallis Simons entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)