Investieren und Vorsorgen: Wie man vom Reden ins Tun kommt

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Investieren und Vorsorgen: Wie man vom Reden ins Tun kommt

Der Wunsch nach einem Vorsorgeprodukt ist da? Der Finanzcheck ist erledigt? Sheinvest-Gründerin Julia Stoetzel erklärt, wie man anfängliche Zweifel überwindet

Bettina Pfluger

Eine Frau steht selbstbewusst mit einem Smartphone in der Hand vor einer großen, leuchtenden LED-Anzeige mit Chart-Daten, die technologische Innovation und modernes Geschäftsleben symbolisieren.
Viele Frauen würden gerne eine Vorsorge starten, doch es fehlt der Mut. Die Zweifel lassen sich aber überwinden.

In den vergangenen Jahren haben viele Umfragen gezeigt: Geht es um die finanzielle Vorsorge, geben Frauen verstärkt an, dass sie sich zwar mit dem Thema auseinandersetzen. Für ein Investment fehlt dann aber der Mut. Das fehlende Finanzwissen wird oft als Grund dafür genannt, dass frau sich den letzten Schritt an den Kapitalmarkt nicht gehen traut.

"Investments scheitern aber nicht an fehlender Motivation, sondern daran, dass klare Strukturen fehlen und Entscheidungsprozesse", erklärt Julia Stoetzel, ehemalige Investmentbankerin und Gründerin der Plattform Sheinvest. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen hier den nötigen Mut zu vermitteln.

Strukturen aufbrechen

Kulturell sei die Veranlagung noch immer so, dass Frauen im Laufe ihrer Schul- und Bildungskarriere weniger mit Mathematik oder Finanzthemen zu tun haben. "Das gehört gebrochen", sagt Stoetzel. Zudem fehle es an weiblichen Vorbildern. "Große reiche Unternehmer im Rampenlicht sind fast immer Männer", sagt die Expertin. Bei Frauen komme stark die Angst hinzu, Fehler zu machen. Das sei ein Hemmschuh.

Fehler oder schlechte Entscheidungen kommen aber auch in anderen Bereichen des Lebens vor. Hier liege der Teufel im Detail. Kaufe man sich ein Kleidungsstück und wird dieses zu klein, dann ist das Geld, das man dafür ausgegeben hat, auch weg. Davor gab es aber mit der Freude über ein neues Kleidungsstück schon eine positive Emotion. "Bei der Vorsorge geht es um ein Thema in der Zukunft" erklärt Stoetzel und dieses "zwingt zu Einschränkungen im Heute". Da wie dort gelte aber: "Von Fehlern darf man sich nicht unterkriegen lassen."

Ein langer Weg

Von Fehlern weiß Stoetzel selbst viel zu berichten. In ihrer Zeit als Investmentbankerin hat sie viel ausprobiert am Kapitalmarkt, wollte überall veranlagt sein. "Da waren viele Fehlentscheidungen dabei", erzählt sie im Gespräch mit dem STANDARD ganz offen. Von dem guten Banker-Gehalt sei dann nicht mehr viel geblieben.

Weil sie das so nicht stehen lassen wollte, hat Stoetzel für sich selbst letztlich ein breit gestreutes Portfolio zusammengestellt und ihre Erfahrungen auch auf Social Media geteilt. "Da haben mich viele Fragen erreicht", sagt sie – daraus ist die Idee zur Plattform Sheinvest entstanden. "Bei Sheinvest geht es darum, zu zeigen, wie man aktiv werden kann", erklärt Stoetzel. Was muss ich wissen, wie lege ich los, was passt für mich? Das sind Fragen, die in den Webinaren besprochen werden. Stoetzel will damit vor allem jene Frauen ansprechen, die auch das nötige Geld für ihre Multiinvestment-Strategie haben. Also Ärztinnen, Unternehmerinnen – Gruppen, die Sicherheit und Freiheit verbinden wollen.

Stoetzel erklärt aber ganz klar: "Ich bin keine Anlageberaterin." Ihr gehe es um die Vermittlung von Wissen, damit andere ihre Entscheidungen frei treffen können.

Vom Wissen ins Tun

Doch wie kommt man nun vom Wissen ins Tun? "Durch das tun", sagt Stoetzel. So einfach gehe das. Man legt einfach los. Aber mit einer Strategie. Doch zuerst muss ein Finanzcheck durchgeführt werden:

Das sind die Fragen, die es vorab zu klären gilt. "Denn", so sagt Stoetzel, "auch Personen, die viel verdienen, stehen schlecht da, wenn der Job weg ist". Wer einen eher luxuriösen Lifestyle pflege, komme ebenso in Nöte, wenn der Job mit dem guten Gehalt weg ist wie andere Menschen, die weniger verdienen. Es sei ein Irrglaube, dass "gut verdienen" oft gleichgesetzt werde mit "vermögend seiend". Oft seien es die Lifestylekosten, die Potenzial für eine Veranlagung aufsaugten.

Notgroschen und Plan

Wer den Finanzcheck erledigt hat, muss sich einen Notgroschen aufbauen. Den brauchen wohlhabendere Personen genauso wie jene, die weniger verdienen. Dieser Notgroschen kann im Tagesgeld (also am Sparbuch, Konto) gehalten werden. Erst dann kann an Produkte wie Sparpläne, Fonds oder Anleihen gedacht werden. Rund 20 Prozent des Einkommens sind laut Stoetzel eine gute Sparquote, die in eine Veranlagung fließen sollten. Die Expertin rät: "Nicht jeder Bonus muss voll ausgegeben werden." Auch von Zusatzleistungen sollte ein Teil in die Vorsorge gesteckt werden.

Eine blonde Frau sitzt auf einem Regiestuhl vor einem weißen Hintergrund. Sie trägt einen schwarzen Blazer und lächelt in die Kamera, während ihre Hand ihr Kinn berührt.
Julia Stoetzel, Gründerin von Sheinvest, will mit ihrem Ansatz Frauen Mut machen, um den Schritt in die Veranlagung zu schaffen.

Damit man nicht permanent Entscheidungen treffen muss, sollten die Vorsorgelösungen automatisiert werden: Ein Abbuchungsauftrag für den Sparplan enthebt davon, dauernd an den Beitrag zu denken. Die Summen, die auf diese Weise zusammengespart werden können (wenn der Plan konsequent durchgezogen wird), sind mitunter groß. Der Zinseszins dürfe dabei nicht unterschätzt werden, sagt Stoetzel.

Jedenfalls sollte man seine Veranlagung streuen. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien. Der Mix hänge laut Stoetzel aber immer davon ab, was man mit der Veranlagung erreichen möchte und wie risikoreich man es haben möchte. Niemals sollte man sein gesamtes Geld in ein einziges Investment stecken. Man sollte auch keine Angst haben, etwas zu verpassen. Ein solider Vermögenszuwachs brauche Zeit. "Man muss sich einfach trauen", sagt Stoetzel. Auch, wenn nicht jedes Investment perfekt laufe, lerne man etwas und das sei wieder ein Wissen, das man für seinen nächsten Schritt brauche.

Bildung ausbauen

Die Gen Z sei laut Stoetzel mit Startschwierigkeiten konfrontiert. Eine Krise nach der anderen habe den Lebensweg beim Erwachsenwerden begleitet. Dass diese Generation eher pessimistisch in die Zukunft blickt und ihr Geld lieber ausgibt, um es im Hier und Jetzt fein zu haben, sei ein Motiv, das man verstehen könne. Der Wohnraum ist teuer, die Lebensmittel auch. Die Gen Z habe zweifelsohne mehr Zukunftssorgen als frühere Generationen. Doch auch sie sollten an einen Vermögensaufbau und eine Pensionsvorsorge denken.

Das Thema Finanzbildung gehört für Stoetzel in den Schulen viel besser verankert. "Den Satz des Pythagoras werde ich im Leben später nicht brauchen, eine Idee dafür, wie ich finanziell gut da stehe, aber schon." Auch Menschen, die gut verdienen, wüssten damit nicht automatisch, wie sie ihr Geld gut veranlagen. Das Management der privaten Finanzen ist laut Stoetzel keine leichte Aufgabe, aber eine, die man angehen kann. (Bettina Pfluger, 14.7.2026)

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