Indischer Bildungsminister tritt nach massenweiten Jugendprotesten zurück

Proteste gegen Missstände im indischen Bildungssystem haben Bildungsminister Dharmendra Pradhan zum Rücktritt gezwungen. Zuvor hatte sich erstmals auch Premierminister Narendra Modi zu den Unruhen geäussert und harte Strafen für Prüfungsbetrug angekündigt.

25.07.2026, 11.24 Uhr

2 Leseminuten


Die Anhänger der Kakerlaken-Bewegung forderten seit Wochen den Rücktritt des Bildungsministers.

Die Anhänger der Kakerlaken-Bewegung forderten seit Wochen den Rücktritt des Bildungsministers.

Bhawika Chhabra / REUTERS

ael. Indiens Bildungsminister Dharmendra Pradhan hat am Samstag seinen Rücktritt erklärt und damit den seit Wochen protestierenden jungen Menschen im ganzen Land einen wichtigen Erfolg beschert. Die Demonstranten hatten seinen Rücktritt wegen der Verantwortung für durchgesickerte Prüfungsunterlagen gefordert.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Der Minister gab seinen Rücktritt auf X bekannt, just als die Polizei mit Tränengas gegen jugendliche Demonstranten in der Hauptstadt Delhi vorging – Stunden bevor deren Anführer erneut mit Regierungsvertretern über seine Ablösung verhandeln wollten.

Schon zuvor hatte sich Premierminister Narendra Modi zu den Protesten geäussert, die seine Regierung seit Tagen belasten – zum ersten Mal überhaupt. Er kündigte an, künftig Schnellgerichte für Fälle von durchgesickerten Prüfungsaufgaben einzurichten. Es gebe nichts Wichtigeres als die Zukunft der Jugend, schrieb Modi. Wer diese gefährde, müsse dafür belangt werden.

Kakerlaken-Bewegung fordert Pradhans Rücktritt

Angeführt werden die Proteste von der sogenannten Kakerlaken-Bewegung, einem Bündnis vor allem junger Menschen. Sie fordern bereits seit vergangenem Monat den Rücktritt Pradhans. Grund sind wiederholte Skandale rund um Prüfungen. Ausgelöst wurde die Bewegung unter anderem durch eine medizinische Aufnahmeprüfung, deren Aufgaben schon vor dem Termin bekannt geworden waren. Über zwei Millionen Bewerberinnen und Bewerber mussten die Prüfung deshalb erneut ablegen. Dazu kamen Pannen bei der Online-Auswertung von Prüfungen fast zwei Millionen weiterer Schülerinnen und Schüler.

Passend zum Artikel

Die Proteste in Delhi sind ein Kristallisationspunkt für alle, die mit der Modi-Regierung unzufrieden sind. Der Auslandredaktor Daniel Rickenbacher war vor Ort.

Die Suizide von mehreren Studenten wegen geleakter Prüfungen haben schwere Proteste ausgelöst. Auch der Führer der Opposition soll festgenommen worden sein. Doch das Malaise sitzt tiefer: Die Wirtschaft wächst nicht schnell genug, um die Millionen Abgänger aufzufangen.