Schweizer AHV-Rentner: Leben im Ausland mit vier Autos

Darum gehts

Seit ein paar Tagen stehen Pensionierte im Fokus: Weil Todesfälle oder Wegzüge teils nicht gemeldet wurden, hat die AHV fast 40 Millionen Franken zu viel ins Ausland überwiesen. Die Politik fordert deshalb strengere Regeln.

Auf einen Aufruf meldeten sich zahlreiche, ausschliesslich männliche Leser aus der 20-Minuten-Community, die ihre Pension im Ausland verbringen. Sechs von ihnen erzählen, wie ihr Leben fernab der Heimat aussieht.

Helmut (64), Ungarn

Seit sechs Jahren lebt Helmut in Ungarn und geniesst dort seinen Ruhestand. «In der Schweiz würde ich auf die Dauer verarmen. Hier kommt man mit 1000 Franken durch und muss den Franken nicht zweimal umdrehen, bevor ich etwas kaufe», sagt er.

Per Zufall stiess er auf eine Kleinstadt in der Tiefebene Ungarns, kaufte sich dort ein Haus und lebt heute dort mit seiner Hündin Bubu. Besonders schätzt der 64-Jährige die Ruhe: «In der Schweiz könnte ich nicht mehr wohnen. Es hat einfach zu viele Leute.» In Ungarn könne er eines seiner vier Autos aus der Garage nehmen und ohne Stau durch die Gegend fahren.

Auch der Alltag sei unkomplizierter: «Hier hat man noch richtige Freiheiten. Wegen eines Mäuerchens muss man kein Baugesuch einreichen.» Als einzigen Nachteil nennt er das Gesundheitssystem: «Die Spitäler sind in den 80er-Jahren stehen geblieben. Wenn etwas Ernstes ist, gehe ich in die Schweiz.»

Trotzdem würde er die Auswanderung nach der Pensionierung jedem empfehlen: «Es ist einfach herrlich.»

Alfred (66), Thailand

Alfred ist 66 Jahre alt und lebt seit acht Jahren in Thailand. Mit dem Land ist er jedoch schon viel länger vertraut: Seine Frau stammt aus Thailand, geheiratet haben die beiden vor 22 Jahren. Nach 16 gemeinsamen Jahren in der Schweiz entschied sich das Paar, seinen Lebensmittelpunkt nach Thailand zu verlegen – auch wegen der Finanzen.

Wie teuer das Leben im Alter in der Schweiz sein kann, sei ihm bewusst geworden, als er seine Mutter pflegte. Sie habe rund 3000 Franken Rente erhalten, während das Altersheim zwischen 6000 und 8000 Franken pro Monat gekostet habe. «Ohne Ergänzungsleistungen geht da einfach nichts.»

Deshalb stört ihn der Vorwurf, Auslandsrentner würden von der Schweiz finanziert: «Hier in Thailand kann ich anständig leben, ohne dass ich dem Steuerzahler auf der Tasche sitze.» Auch den Vorschlag, AHV-Zahlungen an Auslandschweizer zu kürzen, findet er unverständlich: «Ich habe wie alle anderen Anrecht auf das Geld, das ich während 44 Jahren einbezahlt habe.»

Thailand hat für Alfred aber nicht nur finanzielle Vorteile: «Hier habe ich keine Arthrose mehr und die Migräne ist viel besser.» Zudem habe er gelernt, was Familienzusammenhalt bedeute: «In Europa werden alte Menschen einfach beiseitegeschoben – hier ist das noch nicht so.»

Christoph (68), Spanien

Auch Christoph sah sich dem Problem gegenüber: «In Genf hätte ich Sozialhilfe gebraucht. Das wollte ich nicht», sagt er. Deshalb plante er seinen Ruhestand in Spanien genau durch. Mit rund 3000 Franken aus AHV und Pensionskasse könne er dort heute gut leben und sogar einen Teil seiner Rente für Reisen auf die Seite legen.

Christoph (ganz rechts) war schon immer ein Weltenbummler und hat sich nie sehr an die Schweiz gebunden gefühlt.

Christoph (ganz rechts) war schon immer ein Weltenbummler und hat sich nie sehr an die Schweiz gebunden gefühlt.Privat

«Man lebt nicht wie ein König, aber ich kann mir leisten, auf was ich Lust habe.» Ausschlaggebend seien aber nicht nur finanzielle Gründe gewesen: «Die Schweiz war mir einfach immer zu kalt.»

Markus (67), Thailand

Für Markus war die Auswanderung nach Thailand in erster Linie ein finanzieller Entscheid. Wie für Alfred und Christoph war für ihn von Anfang an klar: «Hier gehöre ich mit meiner AHV zum Mittelstand, in der Schweiz müsste ich Ergänzungsleistungen beantragen», sagt der 67-Jährige.

Markus (rechts) mit seinem Ehemann vor ihrem Haus im ländlichen Thailand.

Markus (rechts) mit seinem Ehemann vor ihrem Haus im ländlichen Thailand.Privat

Ganz einfach sei das Leben auf der anderen Seite der Weltkugel aber dennoch nicht: Die Sprache sei deutlich schwieriger zu lernen als erwartet und ausser seinem Mann habe er nur wenige soziale Kontakte. Eine Rückkehr in die Schweiz schliesst er deshalb nicht aus – auch im Falle gesundheitlicher Bedenken, die eine gute medizinische Betreuung erfordern.

Robert (67), Dominikanische Republik

Nach einer Scheidung vor 25 Jahren reiste Robert zum Kopflüften erstmals in die Dominikanische Republik. Der Karibikstaat wurde daraufhin immer häufiger zu seinem Ferienziel. Seit Oktober 2025 lebt der 67-Jährige nun fix in Santo Domingo.

Robert geniesst seine Pension im warmen Klima der Dominikanischen Republik.

Robert geniesst seine Pension im warmen Klima der Dominikanischen Republik.Privat

«Nach zwei Scheidungen ist von meiner BVG nicht mehr viel übrig geblieben – und mit der AHV allein könnte ich in der Schweiz nicht leben», sagt der ehemalige Malermeister. Auf der Insel konnte er sich hingegen eine Wohnung kaufen. Trotzdem war für ihn klar: «Auch mit genug Geld wäre ich gegangen. Ich hasse die Kälte.»

Werner (71), Thailand

Vor rund 40 Jahren wurde Werner von seinem Schweizer Arbeitgeber nach Japan entsandt und liess sich dort für 30 Jahre nieder. Nach seiner Pensionierung zog es ihn nach Thailand, da Japan mit dem damals noch hohen Yen zu teuer gewesen sei.

Weil er nur bis 1999 in die AHV einbezahlt hat, erhält er keine volle Rente, dank Ersparnissen kann er aber trotzdem gut leben: «Ich habe hier ein Haus gebaut mit grossem Grundstück, Swimmingpool und Hausangestellten.»

Werner auf seiner Terrasse in Thailand mit seinen beiden Hunden.

Werner auf seiner Terrasse in Thailand mit seinen beiden Hunden.Privat

Sein Entscheid, für die Pension im Ausland zu leben, habe trotzdem nicht hauptsächlich einen finanziellen Grund: «Ich bin hier in Asien verwurzelt. Zurück in die Schweiz zu ziehen, könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen», sagt er. So würde er auch nur empfehlen, für die Pension auszuwandern, wenn man bereits Beziehungen zum und im Land habe. «Ansonsten kann es schwierig werden.»

Andreas (71), Portugal

Andreas wanderte 2018 nach Portugal aus. Damals lockte ihn unter anderem das Steuerabkommen, das Schweizer Pensionierten während zehn Jahren von den Steuern befreite. Heute sagt er: «Mit der AHV allein lebt man auch hier nicht in Saus und Braus.»

Die Mieten hätten sich in wenigen Jahren mehr als verdoppelt, weshalb Ersparnisse weiterhin wichtig seien. Trotzdem könne auch er sich eine Rückkehr in die Schweiz kaum mehr vorstellen.

Was würde dir am meisten fehlen, wenn du als Rentner im Ausland leben würdest?

Die gute Infrastruktur und das funktionierende Gesundheitssystem.

Meine Familie und mein Freundeskreis.

Die Schweizer Berge und die Natur.

Das Schweizer Essen und die typischen Produkte.

Nichts – ich würde mich auf das Neue freuen!

Ich kann mir nicht vorstellen, die Schweiz zu verlassen.

Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht.

Thomas Leu

Thomas Leu (tle) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten. Er ist Praktikant im Ressort Politik.