Im Pentagon regiert der Gender-Wahn
Beate Hausbichler
Im Pentagon regiert der Gender-Wahn
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will den Testosteronstatus von Angehörigen der Streitkräfte überprüfen lassen. Dahinter steht ein erschreckendes Männerbild
Kommentar
/
Beate Hausbichler
Pete Hegseth will Soldaten und Soldatinnen über 30 Jahre verpflichten, sich auf einen möglichen Testosteronmangel testen zu lassen. Wenn ein solcher festgestellt wird, soll eine Behandlung empfohlen, aber nicht verordnet werden. Mit diesem Vorstoß stellt der US-Verteidigungsminister nicht zum ersten Mal seine vorsintflutliche, religiös-fundamentalistische und wissenschaftsfeindliche Gesinnung unter Beweis.
Vor einem Jahr teilte er etwa das Video eines Pastors einer christlich-nationalistischen Kirche, der forderte, das Wahlrecht für Frauen aus der Verfassung zu streichen.
Nun will Hegseth sichergestellt wissen, dass die Streitkräfte über "die richtigen Testosteronwerte" verfügen, damit sie "Bestleistungen" liefern. Es sei eine "heilige Pflicht", sich "taktische Vorteile" zu bewahren und "natürliche Fähigkeiten" wiederherzustellen, meint Hegseth.
Apropos "natürlich": Hegseth verweist im Zuge der Ankündigung gleichzeitig darauf, dass der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter oft sinke, auf "natürliche Weise". Über derart offensichtliche, aber sehr selbstbewusst vorgetragene Widersprüche kann man nur staunen. Andererseits ist es nichts Neues, dass "natürlich" ein Kampfbegriff für den Abbau einer progressiven Geschlechterpolitik ist.
"Richtige" Männer und Frauen?
Worum es Hegseth jedenfalls nicht geht, ist die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten, die er ebenso als Begründung vorschiebt wie "Bestleistungen". Vielmehr geht es ihm um die Durchsetzung eines vermeintlich "richtigen" Hormonstatus für Männer. Was bei einem "zu hohen" Testosteronwert bei Frauen folgen soll, bleibt offen – etwa die Diffamierung als "keine richtige Frau"?
Und warum sind Hormonbehandlungen bei Soldaten plötzlich das Mittel der Wahl, während sie seit Jahren im Zusammenhang mit Behandlungen von Transpersonen von Konservativen und Rechten wie Hegseth als schlimmstes Teufelszeug gebrandmarkt werden? Mit der Begründung, sie würden in die "Natürlichkeit" des biologischen Geschlechtes eingreifen.
Absehen von der wenig glaubwürdigen Ansage, Hormonbehandlungen blieben freiwillig, ist das vorrangig ein gefährliches biologistisches Weltbild, wonach Männer testosterongeladene Kampfmaschinen zu sein haben. Dass sie ihren Wert verlieren, wenn ein Hormonstatus angeblich aussagt: Der liefert nicht mehr.
Muskeln und Kinnlinien
Die vereinfachte Erzählung, wonach viel Testosteron Gesundheit und wenig Testosteron Krankheit bedeuten, entspricht der aktuellen Studienlage absolut nicht – es ist wie so oft kompliziert. Ja, die Muskeln wachsen mit Testosteron-Boostern. Aber Hormone, die sich Männer auch oft aus fragwürdigen Quellen besorgen, können auch massive gesundheitliche Schäden mit sich bringen.
In immer mehr ultrakonservativen und antifeministischen Netzwerken wird Männlichkeit auf große Muskeln, eine scharfe Kinnlinie und eine offensichtliche Gewaltbereitschaft reduziert. Diese wachsende Szene der sogenannten Menosphere wird immer wieder als Gruppe aus abgehängten jungen Männern dargestellt, die sich allein in ihrem Jugendzimmer gegenseitig ihrer männlichen Überlegenheit versichern, die man ihnen gestohlen habe. Wie einseitig dieses Bild ist, zeigt auch die politische Agenda von Pete Hegseth.
Mit ihm sitzt ein Vertreter dieser Ideologie in einem der mächtigsten Ämter der Welt. (Beate Hausbichler, 16.7.2026)
Forum: 107 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.