Ukraine aktuell: Großer Drohnenangriff auf Moskau – wieder Wildberries im Visier
Wichtige Updates
Bürgermeister: Moskau über Nacht mit mehr als 390 Drohnen angegriffen
Kasachischer Präsident fordert Putin zu Stopp der Kämpfe in der Ukraine auf
Selenskyj warnt Ukrainer vor neuem russischen Raketenschlag
Russland warnt USA vor „inakzeptablen“ Waffenlieferungen
Philipp Luther

Bürgermeister: Moskau über Nacht mit mehr als 390 Drohnen angegriffen
Die russische Hauptstadt Moskau ist nach Angaben des Bürgermeisters Sergej Sobjanin mit mehr als 390 Drohnen angegriffen worden. Die Drohnen hätten Moskau zwischen Montagabend und Dienstagmorgen angeflogen und seien größtenteils von der Luftabwehr „lange vor Erreichen der Stadt neutralisiert“ worden, erklärte Sobjanin im Onlinedienst Telegram. 81 „feindliche“ Drohnen seien zerstört worden, als sie sich Moskau näherten, fügte er hinzu.
Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete ebenfalls Drohnenangriffe. Dabei seien Wohnhäuser in der Stadt Tschechow und dem Dorf Waulowo beschädigt worden. In den sozialen Medien machten derweil Videos die Runde, auf denen ukrainische Drohnenangriffe auf Logistikzentren der Firma Wildberries zu sehen sein sollen. Der Online-Versandhändler ist ein beliebtes Ziel ukrainischer Drohneneinheiten geworden.
Die Angriffe auf Moskau erfolgten wenige Stunden vor einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington. Dort empfängt US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Staatschef im Weißen Haus.
Tobias Köberlein
Caritas-Mitarbeiterin bei Raketenangriff in Charkiw getötet
Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw ist am Wochenende eine Mitarbeiterin des katholischen Hilfswerks Caritas getötet worden. Die Hilfsorganisation sei „tief erschüttert über den Tod unserer Kollegin der Caritas Ukraine“, erklärte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, am Montag. Ihr zehnjähriger Sohn sei verletzt worden, er habe aber „diese Tragödie überlebt“. Bei dem Raketeneinschlag am Sonntag sei ihr Haus vollständig zerstört worden.
Die Frau war der Caritas zufolge als Sozialarbeiterin in einem Team für medizinische Hilfen tätig. Demnach musste sie 2022 nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aus ihrer Heimatstadt Wowtschansk fliehen und baute sich in Charkiw ein neues Leben auf.
„Dieser unerbittlich geführte Krieg macht vor niemandem Halt“, erklärte Müller. Auch die Mitarbeitenden der Caritas seien diesen Gefährdungen „täglich ausgesetzt“.
Tobias Köberlein
Russland beschießt Schiffe in Mykolajiw
Die russische Armee hat Schiffe im ukrainischen Schwarzmeerhafen Mykolajiw mit Drohnen angegriffen. Dabei sei ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, teilte die ukrainische Seehafenverwaltung mit. Es handele sich um Schiffe, die seit Beginn der russischen Invasion 2022 in Mykolajiw festgesteckt hätten.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau sprach dagegen von zwei Schiffen, die für Lieferungen an die ukrainische Armee eingesetzt worden seien. Sie seien "im Moment des Entladens von Militärgütern" getroffen worden, hieß es in einer Mitteilung. Für diese Angaben gab es keine Belege.
Tobias Köberlein
Rumänien weist Mitarbeiter der russischen Botschaft aus
Rumänien hat einen Mitarbeiter der russischen Botschaft in Bukarest ausgewiesen und damit auf das Eindringen mehrerer Drohnen in seinen Luftraum reagiert. Der zur „unerwünschten“ Person erklärte Mitarbeiter müsse das Land innerhalb von fünf Tagen verlassen, teilte das rumänische Außenministerium am Montag mit. Der russische Botschafter Wladimir Lipajew sei über die Entscheidung informiert worden.
Die rumänische Armee hatte zuletzt an drei Tagen in Folge Drohnen im Luftraum über dem Land abgeschossen. Am Montag wurde eine weitere Drohne gesichtet. Bei einer am Freitag abgeschossenen Drohne handelte es sich nach Angaben von Präsident Nicusor Dan um ein Modell des vom Iran entwickelten Typs „Schahed“, das von Russland in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt wird.
Louisa Thönig

Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Supermarkt
Bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Supermarkt in der ukrainischen Stadt Tschernihiw nördlich von Kiew sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Eines der Todesopfer sei ein 10-Jähriger, teilte der örtliche Militärverwalter Dmytro Bryschynskyj auf Telegram mit. Weitere 13 Besucher des Supermarkts seien bei dem Einschlag der Kampfdrohne verletzt worden.
Daniel Weidmann

Kasachischer Präsident fordert Putin zu Stopp der Kämpfe in der Ukraine auf
Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat Kreml-Chef Wladimir Putin zu einem Stopp der Kämpfe in der Ukraine aufgefordert. Bei einem russisch-kasachischen Gipfel im sibirischen Omsk schlug er am Samstag im Beisein Putins ein „Einfrieren“ des Konflikts vor. Kasachstan ist ein Verbündeter Russlands, hat aber nie Unterstützung für Moskaus Offensive in der Ukraine signalisiert. „Wie kommt man aus dieser Situation heraus? Niemand weiß es, weil es die Positionen beider Seiten gibt“, sagte Tokajew in Omsk. „Aber es gibt andererseits auch einen Moment und die Möglichkeit, das alles einzufrieren.“ Es sei „eine Schande, junge Menschen sterben ... All das muss gestoppt werden“.
Duygu Ayrikcil
Tote nach russischem Drohnenschlag auf Sumy
Bei russischen Drohnenangriffen sind in der nordostukrainischen Stadt Sumy mindestens zwei Männer getötet worden. Drei weitere seien verletzt worden, teilte der geschäftsführende Bürgermeister der Großstadt, Artem Kobsar, bei Telegram mit. Bei den Angriffen seien eine Tankstelle, das Dach eines Mehrfamilienwohnhauses und ein nicht genanntes Infrastrukturobjekt beschädigt worden. Russische Truppen sind etwa 20 Kilometer von Sumy entfernt.
Tobias Köberlein
Selenskyj warnt Ukrainer vor neuem russischen Raketenschlag
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die ukrainische Bevölkerung vor einem neuen massiven russischen Raketenschlag gewarnt. "Dieser Schlag kann bereits heute stattfinden. Nach vorläufigen Informationen soll er innerhalb der nächsten 48 Stunden erfolgen", sagte der Staatschef in einer am Abend veröffentlichten Videoansprache. Er forderte die Ukrainer auf, Luftalarme nicht zu ignorieren. Erst am Mittag tötete ein russischer Raketenschlag - laut Selenskyj auf eine Waffenausstellung - westlich von Kiew 10 Menschen und verletzte rund 100.
Michelle Kox
Trump will Selenskyj am Dienstag in den USA empfangen
US-Präsident Donald Trump will den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Angaben aus Regierungskreisen am kommenden Dienstag im Weißen Haus empfangen. Ein Regierungsbeamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den geplanten Besuch. Auch Selenskyj kündigte eine Reise in die USA an, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten.
Zuletzt waren die US-Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wegen des Konflikts mit dem Iran in den Hintergrund gerückt. Nach einem Treffen der Außenminister Russlands und der USA in Manila betonte US-Außenminister Marco Rubio, für Fortschritte auf dem Weg zu einem Frieden seien „neue Vorschläge und neue Ideen“ nötig. Beide Seiten hätten angesichts der hohen Verluste und des Leids in der Ukraine ein Interesse an einem Ende des Krieges.
Hintergrund des Besuchs ist die Trauerfeier für den gestorbenen US-Senator Lindsey Graham, die ebenfalls am Dienstag in Washington stattfindet. Der ukrainische Präsident hatte den Republikaner kurz vor dessen Tod noch in Kiew empfangen. Graham hatte in der Außenpolitik eine harte Linie gegenüber Russland und dem Iran vertreten.
Pia Pentzlin

Ukrainische Gegenangriffe treffen erneut Versandhändler
Die Ukraine hat Russland in der Nacht mit hunderten Drohnen angegriffen und dabei wieder den größten russischen Online-Versandhändler "Wildberries" ins Visier genommen. Der Gouverneur des Leningrader Gebiets um die Millionenmetropole St. Petersburg, Alexander Drosdenko, schrieb bei Telegram von 59 abgewehrten Drohnen. Infolge der Angriffe sei ein Brand auf dem Gelände des Online-Versandhändlers Wildberries im Dorf Nowossaratowka ausgebrochen. Drei Menschen seien verletzt worden.
Auch ein Lager einer Geflügelfabrik in der Siedlung Sinjawino sei schwerbeschädigt worden. Im Raum St. Petersburg waren große Rauchsäulen zu sehen. Augenzeugen berichteten von Asche und fast handtellergroßen Verbrennungsrückständen, die herunterkamen.
Wildberries-Gründerin Tatjana Kim teilte bei Telegram mit, dass in St. Petersburg, dem Umland und auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim drei Logistikzentren des Unternehmens angegriffen worden seien. Sie schrieb, dass es keine Verletzten gebe und ein Teil der Flächen und Waren gesichert werden konnte. Die Ukraine hatte bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Lager des größten russischen Online-Versandhändlers getroffen.
Der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow schrieb bei Telegram von zwei Toten infolge ukrainischer Angriffe. Fünf Menschen seien verletzt worden.
Maria Kurth
Ukraine: Bomben verletzen Dutzende in Saporischschja
Ein russischer Bombenangriff hat mindestens 25 Verletzte in der südukrainischen Großstadt Saporischschja gefordert. Unter den Opfern seien auch sechs Minderjährige, darunter ein drei Monate altes Baby, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region, Iwan Fedorow, auf Telegram. Seinen Angaben nach warf das russische Militär fünf Gleitbomben auf die Stadt ab und beschädigte dabei Wohnhäuser und eine private medizinische Einrichtung.
Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine. Die Region Saporischschja ist eine der vier Regionen, die der Kreml im Herbst 2022 annektiert hat, obwohl er sie bis heute nicht vollständig kontrolliert. Die Stadt Saporischschja ist wegen ihrer Nähe zur Front häufig Ziel russischer Angriffe. Immer wieder kommen dabei auch Zivilisten zu Schaden.
EU verhängt neue Russland-Sanktionen
Die EU-Staaten haben sich angesichts des anhaltenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf ein neues Sanktionspaket verständigt. Die Pläne sehen unter anderem weitere Maßnahmen gegen den russischen Finanz- und Energiesektor sowie ein Einreiseverbot für russische Soldaten vor, wie EU-Diplomaten in Brüssel mitteilten. EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßten die Entscheidung in sozialen Medien. "Zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine militärisch an Schwung gewonnen hat, schwächen unsere Sanktionen weiterhin die wirtschaftlichen Grundlagen der russischen Kriegsführung», schrieb von der Leyen auf X. Costa teilte mit, es sei ein «entschiedener Schritt, um den Druck auf Russland zu verstärken."
Russland warnt USA vor „inakzeptablen“ Waffenlieferungen
Russland hat die USA vor weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine gewarnt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow habe seinem US-Kollegen Marco Rubio am Donnerstag deutlich gemacht, dass anhaltende Waffenlieferungen „inakzeptabel“ seien, erklärte das russische Außenministerium. Die beiden Politiker trafen sich am Rande des Außenministertreffens der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) in der philippinischen Hauptstadt Manila. Dem Vernehmen nach dauerte das Gespräch lediglich 35 Minuten.
Lawrow prangerte laut dem russischen Außenministerium außerdem „eine destabilisierende Politik der europäischen Länder“ an. Diese versuchten, Russland eine „strategische Niederlage“ zuzufügen. Die russische Seite sei zu einer „politisch-diplomatischen Lösung des Konflikts bereit“, fügte Lawrow demnach hinzu. Das US-Außenministerium teilte in einer kurzen Erklärung mit, dass Rubio und Lawrow über die „US-russischen Beziehungen und die Notwendigkeit, den Russland-Ukraine-Krieg zu beenden“ gesprochen hätten. Die beiden Minister selbst äußerten sich vor ihrem Treffen in Manila nicht. Zuletzt hatten sich die beiden Chefdiplomaten im September vergangenen Jahres getroffen.
Tobias Köberlein
Selenskyj spricht mit US-Gesandten über „neuen Schwung“ für Diplomatie
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben mit den beiden US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Wege zu einem Ende des Krieges mit Russland beraten. Bei dem Gespräch sei es darum gegangen, „wie man der Diplomatie neuen Schwung verleihen und den Frieden voranbringen kann“, erklärte Selenskyj am Mittwoch im Onlinedienst X. Das Gespräch nannte er „fruchtbar und wichtig“.
„Frieden ist notwendig - ein Frieden in Würde“, schrieb Selenskyj weiter und fügte hinzu: „Die Ukraine ist schon seit langem dazu bereit.“ Die Teams beider Länder stünden „weiterhin in engem Kontakt“.
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