Hinderliches Kopfsteinpflaster
Stand: 24.07.2026, 06:30 Uhr
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An der Freudenburg erschwert Kopfsteinpflaster Menschen mit Gehbehinderung den Zugang. Der Inklusionsbeirat schlägt vor, einen glatten Belag in die Zufahrt einzulassen.
Bassum – Kopfsteinpflaster sieht zwar richtig schick aus, ist aber das Gegenteil von Barrierefreiheit. An der historischen Freudenburg ist besonders viel davon verbaut. Das stellt Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Gehbehinderung immer wieder vor Probleme – auch bei den Konzerten des Bassum Open Air.
Für Rollstuhlfahrer hat Veranstalter Oliver Launer vor etwa einem Jahr eine provisorische Lösung gefunden: Die Ordner sorgen nicht nur für eine Zufahrt, sondern bauen zu den Veranstaltungen im oberen Bereich neben den Sitzplätzen ein mobiles Podest auf. Auf diesem finden zehn Rollstuhlfahrer Platz. Diese Tickets sind für die nächsten Konzerte bereits verkauft. Nun denkt Launer darüber nach, die Fläche um zwei bis drei Plätze zu erweitern.
Bassum Open Air bietet Lösung für Rollstuhlfahrer an
„Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Bauteilen gemacht“, ist er zufrieden. Nachdem der Inklusionsbeirat ihn vor eineinhalb Jahren auf den barrierearmen Zugang zu den Konzerten angesprochen hatte, habe er nach einer unkomplizierten Lösung gesucht – und diese gefunden. Rollstuhlfahrer, die mit dem Auto anreisen, können den Parkplatz am Vorwerk nutzen. Sind sie in Begleitung, können sie über die Zufahrt nach oben zum Schwingkreis fahren, den Rollstuhl ausladen und dann das Auto von ihrer Begleitung parken lassen. Übrigens müssen nur die Rollstuhlfahrer Eintritt zahlen, die Begleitung ist frei.
Launer stellt allerdings klar: „Dieses Angebot gilt nur für Rollstuhlfahrer. Nicht für Gehbehinderte.“ Da gab es zwischen Inklusionsbeirat und dem Veranstalter offenbar ein Missverständnis. Der Beirat hatte in Berichten stets von einem „barrierefreien Zugang zum Open Air“ gesprochen, nachzulesen in den Protokollen auf der Internetseite der Stadt Bassum.
Inklusionsbeirat möchte Lösung auch für Gehbehinderte
„Das können wir aber nicht leisten“, sagt Launer und bittet um Verständnis. „Ich bekomme ständig Anfragen – der eine hat sich das Bein gebrochen, der andere hat Rücken, die nächste ist hochschwanger.“ Die Ordner könnten nicht andauernd die Zufahrt öffnen und schließen. Bassums Erster Stadtrat Karsten Bödeker weist zudem auf einen wichtigen Sicherheitsaspekt hin: „Der Veranstalter öffnet einen Bereich, wo eigentlich keine Autos fahren dürfen.“ Das gehöre zum Sicherheitskonzept, zum Schutz vor Amokfahrten. Eine weitere Öffnung könne die Stadt als Genehmigungsbehörde nicht ermöglichen. Deshalb gelte diese Lösung nur für Rollstuhlfahrer.
Da dem Inklusionsbeirat sehr an einem Zugang für möglichst viele beeinträchtigte Menschen gelegen ist, hatten sich am Mittwoch die Beteiligten an der Freudenburg getroffen, um nach Lösungen zu suchen. Norbert Lyko hat auch schon eine Idee: Im Zuge der Brückenerneuerung ist bereits ein Teilstück der Zufahrt erneuert worden. In das Kopfsteinpflaster wurde ein verdichteter Bereich mit glattem Belag eingelassen. Diese Maßnahme müsste lediglich erweitert werden, so Lyko. So könnten auch Gehbehinderte mit dem Rollator leichter den Weg hinaufkommen.
Stadt müsste Haushaltsmittel zur Verfüfung stellen
Da sich auch die Behindertentoiletten unten am Vorwerk befinden, wäre eine solche Maßnahme auch für Konzertbesucher im Rollstuhl von Vorteil. Denn die müssen bei einem „dringenden Bedürfnis“ den beschwerlichen Weg über das Kopfsteinpflaster auf sich nehmen – „anstrengend“, wissen Vitalij Sawizki und Martin Zaleski aus eigener Erfahrung. Die beiden Beiratsmitglieder sind selbst auf den Rollstuhl angewiesen.
Für eine solche Baumaßnahme müssten allerdings Haushaltsmittel bereitgestellt werden. Karsten Bödeker kommentierte den Vorschlag mit den Worten: „Das ist ein berechtigter Wunsch und ist bei der Stadt angekommen.“