Haltepunkt der Ahrtalbahn: Dernau verwandelt Betonmauer in 70 Meter lange Galerie

Haltepunkt der Ahrtalbahn Dernau verwandelt Betonmauer in 70 Meter lange Galerie

Dernau · Nach der Flut entstand am neuen Haltepunkt der Ahrtalbahn eine unschöne Betonwand. Jetzt zieren acht Graffiti-Motive die Mauer. Bonner Künstler setzten Dernauer Ansichten um.

13.07.2026 , 15:00 Uhr

Der Dernauer Esel begrüßt auf einem der acht Motive die Gäste im touristisch geprägten Weindorf. 	 Foto: Thomas Weber

Der Dernauer Esel begrüßt auf einem der acht Motive die Gäste im touristisch geprägten Weindorf. Foto: Thomas Weber

Foto: Thomas Weber

Den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe haben sie in Dernau genutzt, um den Haltepunkt der Ahrtalbahn weg vom Bahnhof in die Ortsmitte zu verlegen. Ein lang gehegter Wunsch konnte damit umgesetzt werden. Allerdings baute die Bahn nahe des Dorfplatzes an der B267 mit dem neuen Haltepunkt auch eine knapp zwei Meter hohe Betonmauer, die für Einheimische und Gäste wahrlich keinen Blickfang darstellte. Erst recht nicht für die Anwohner gegenüber. Selbst vom gegenüberliegenden Ufer kamen Anmerkungen, dass der Haltepunkt bei Hochwasser wie eine Prallwand zulasten der Bewohner am Ostufer wirken könne.

„Das kann so nicht bleiben“, da war sich der Gemeinderat zumindest beim Aussehen des Bauwerks einig und entwickelte eine für alle Beteiligten gute Lösung, die mittlerweile fertig ist. „Es ist ein Herzensprojekt“, schwärmt Ortsbürgermeister David Fuhrmann von dem entstandenen Werk, einer Art Dernau-Galerie. Die rund 70 Meter lange Wand wurde zunächst vom Unternehmen „Fliesen Weyand“ mit Bruchsteinen verblendet. In der Verblendung ließen die Handwerker acht mauerhohe Lücken. Hier machten sich nun Bonner Graffitikünstler ans Werk. Mittels ihrer Sprühdosen trugen sie in den Lücken typische Dernauer Motive auf, immer in gelblich-bräunlichen Farbtönen, den sogenannten Sepia-Farben. Diese erinnern stark an alte Fotografien. Die Künstler des Bonner Unternehmens Highlightz hatten ihre Visitenkarte in Form eines Graffitis bereits an anderer Stelle in Dernau hinterlassen und dabei überzeugt.

Acht Motive zieren die Mauer

Nun setzten sie insgesamt acht Motive um, die die Mitglieder des Gemeinderats zuvor ausgesucht hatten. Sie zeigen den Blick aus der Höhe über Dernau mit einem lächelnden Esel als Wappentier und dem Spruch „Willkommen in unserer Heimat.“ Weiterhin zu sehen sind der Blick auf Kirche und Weinberge, ins Kloster Marienthal, auf den Krausbergturm oder in einen alten Weinkeller. Der Blick auf die bei der Flutkatastrophe nicht zerstörte Steinbergsbrücke wurde ebenso verewigt wie eine Szene des traditionellen Maibaumstellens und der Blick in eine Dernauer Gasse im Jahr 1910. Die Vorlagen hatte der Dernauer Heimatfotograf Bernd Schreiner geliefert.

Entstanden ist ein Blickfang, der sogar aus dem Nachbarort Rech gelobt wird, obwohl sich beide Orte lieber gegenseitig necken und veräppeln, wenn auch immer mit einem Augenzwinkern. Nun wird auf der gesamten Mauerlänge noch eine Abdeckung aus Basalt angebracht, die Motive erhielten zudem bereits einen Schutzlack gegen Vandalismus. Auch eine kleine Bepflanzung wünscht sich Ortsbürgermeister Fuhrmann. Zu den Kosten sagt Fuhrmann nur, dass es sich um eine gute Kooperation zwischen Ortsgemeinde, der Deutschen Bahn und der Aufbaufirma Leonhard Weiss handele, die umgesetzt worden sei.

26 Bilder

So sieht es im Ahrtal heute aus

26 Bilder

Foto: Alexander C. Barth/Thomas Frey

Entstanden ist mit der Galerie ein Puzzleteil auf dem Weg, Dernau wieder schön werden zu lassen. Denn der Ort ist immer noch von der Katastrophennacht gezeichnet, die knapp 80 Prozent der Häuser beschädigte oder zerstörte. Der stark getroffene Ort hatte 13 Tote zu beklagen, 70 Häuser mussten zwischenzeitlich abgerissen werden, andere sehen aus den verschiedensten Gründen noch so aus wie kurz nach der Flut. Immerhin sei die Einwohnerzahl wieder knapp unter der Einwohnerzahl vor der Flut, so Fuhrmann. Er beklagt aber auch, dass der private Wiederaufbau beschwerlich sei. Das auch, weil es rund 60 Baulücken im Ort gebe, die von ihren Besitzern nicht zum Verkauf freigegeben würden.