Großdemo auf Mallorca angekündigt: „Die Hotels werden einstürzen“

Großdemo auf Mallorca angekündigt „Die Hotels werden einstürzen“

24.07.2026 · 13:19 Uhr

Bereits in den vergangenen Jahren gingen Menschen auf der Urlaubsinsel auf die Straße, um gegen den Massentourismus zu demonstrieren. (Archivfoto)

Bereits in den vergangenen Jahren gingen Menschen auf der Urlaubsinsel auf die Straße, um gegen den Massentourismus zu demonstrieren. (Archivfoto)

Foto: AFP/JAIME REINA

Madrid · Am Sonntag wollen Tausende durch Palma de Mallorca ziehen, um gegen den Massentourismus zu protestieren. Sie kritisieren überfüllte Strände, explodierende Mieten und ein Wirtschaftsmodell, das Einheimische verdrängt.

Auf Mallorca wächst der Widerstand gegen den Massentourismus. Unter dem Motto „Mallorca am Limit – weniger Tourismus, mehr Leben“ wollen am Sonntagabend (26. Juli) Tausende Menschen durch die Inselhauptstadt Palma ziehen. Die Veranstalter rufen die Bevölkerung dazu auf, die Straßen „zum Kollabieren“ zu bringen. Mehr als 100 Umwelt-, Gewerkschafts-, Nachbarschafts- und Kulturverbände unterstützen die Demonstration.

Es ist bereits die dritte Großdemonstration gegen das Tourismusmodell der Insel innerhalb weniger Jahre. Bei den beiden vorangegangenen Protestmärschen waren jeweils Zehntausende auf die Straße gegangen. Die Organisatoren beklagen jedoch, dass sich seitdem kaum etwas geändert habe.

Organisatoren beklagen Folgen des Tourismusmodells

„Auch in diesem Jahr deutet alles darauf hin, dass die Zahl der Besucher, die Lebenshaltungskosten und die Unternehmensgewinne weiter steigen werden – zulasten der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung”, heißt es im Manifest der Protestplattform.

Der Unmut beschränke sich längst nicht mehr auf die Hauptsaison: „Seit Monaten erscheinen täglich Meldungen über die Zerstörung der Landschaft, überlastete öffentliche Dienste, die Wohnungskrise, zusammenbrechende Infrastrukturen und die wachsenden Schwierigkeiten, sich auf Mallorca eine Zukunft aufzubauen.“ All dies sei keine vorübergehende Begleiterscheinung des Feriengeschäfts, „sondern unmittelbare Folge eines Wirtschaftsmodells, das touristisches Wachstum zum Selbstzweck gemacht hat“.

Wohnungsnot rückt ins Zentrum der Kritik

Die Demonstranten wollen dabei nicht nur gegen überfüllte Strände, Dauerstaus und den hohen Wasserverbrauch der Urlaubsindustrie protestieren. Im Mittelpunkt steht die Wohnungsnot. Nach Angaben der Organisatoren stehen auf den Balearen mit der Hauptinsel Mallorca mehr als 100.000 Wohnungen leer. Weitere 100.000 Apartments würden nur saisonal oder touristisch genutzt.

Ferienwohnungsvermieter, internationale Immobilienfonds und ausländische Käufer entzögen dem regulären Wohnungsmarkt Tausende Wohnungen. „Gleichzeitig sind Menschen, die im Tourismus arbeiten, gezwungen, in Wohnmobilen, Zelten oder Hütten ohne Wasser und Strom zu leben“, erklären die Veranstalter des Protests.

Während die Gewinne der Branche immer neue Höchststände erreichten, könnten immer mehr junge Mallorquiner nicht aus dem Elternhaus ausziehen. Andere müssten ihre Heimatorte verlassen oder einen unverhältnismäßig großen Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben. „Mallorca ist dauerhaft überlastet“, heißt es im Manifest. Dies beeinträchtige die Lebensqualität der Einwohner und gefährde „die Zukunft unseres Lebens und der Insel selbst“.

Proteste radikalisieren sich

Die Wut entlädt sich seit Monaten auch außerhalb der großen Demonstrationen. An Häuserwänden und Immobilienbüros tauchen Parolen wie „Tourists go home“ oder „Guiris fuera“ (Ausländische Touristen raus) auf. In Artà im Nordosten der Insel wurden Reifen von Mietwagen zerstochen. Vor mutmaßlich illegal vermieteten Ferienwohnungen gab es Protestaktionen. Aktivisten blockierten Schlösser und kleine Schlüsselkästen, über die Gäste Zugang zu Airbnb-Wohnungen erhalten.

Vor Kurzem nahm die Polizei zwei Aktivistinnen fest. Ihnen wird vorgeworfen, die Fassaden von fünf Immobilienbüros mit tourismuskritischen Parolen besprüht, Scheiben beschädigt und Klebstoff in Schlösser gefüllt zu haben. Die beiden Frauen kamen unter Auflagen wieder frei.

Für zusätzliche Aufregung sorgt ein von der Protestplattform verbreiteter Leitfaden für Aktionen gegen Unternehmen der Ferienindustrie. Darin wird unter anderem zu Graffitiaktionen und zum Blockieren von Schlössern aufgerufen. Die Plattform bezeichnet solche Eingriffe als „gewaltfreie direkte Aktionen“ und „legitime Werkzeuge sozialer Mobilisierung“.

„Graffiti anzubringen oder Silikon in die Schlösser illegaler Ferienwohnungen zu füllen, die gegen das Gesetz verstoßen, ist keine Gewalt“, argumentiert die Organisation. Gewalt seien vielmehr „die Zerstörung des Territoriums, die Vertreibung der Einwohner, die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die Gentrifizierung“.

Auch ein Video der Tourismusgegner ist an Schärfe kaum zu überbieten. Zu Bildern der Insel heißt es unter anderem: „Morgen kommt das letzte Kreuzfahrtschiff. Lebt wohl, Mietwagen, lebt wohl.” Und: „Wir werden die Autobahnen umpflügen, die Hotels werden einstürzen – und so wird die Welt begreifen, dass zu viele Touristen kommen!“

Mallorca steuert auf neue Tourismusrekorde zu

Die neue Protestwelle fällt in ein Jahr, in dem die Ferienwirtschaft erneut auf Rekordkurs liegt. Schon 2025 hatten die Balearen, zu denen Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera gehören, mit rund 19 Millionen Urlaubern einen neuen Höchststand erreicht. Für das Jahr 2026 erwartet die Regionalregierung noch mehr Besucher und Tourismuseinnahmen von 24,67 Milliarden Euro, 5,2 Prozent mehr als 2025.

Wegen der Kriege und Krisen im Nahen Osten gelten Spanien und die Balearen bei europäischen Urlaubern und Reiseveranstaltern als vergleichsweise sicheres Reiseziel. Der Flughafen von Palma, der 2025 bereits der drittgrößte Spaniens war, nähert sich nach Einschätzung des Flughafenbetreibers Aena seiner Kapazitätsgrenze.

Auf Mallorca verschärft dies den Eindruck, dass der Tourismus trotz aller politischen Bekenntnisse zu einer Begrenzung immer weiter wächst. „Die vermeintliche Eindämmung, die man uns verkaufen will, bedeutet lediglich ein langsameres Wachstum“, heißt es im Manifest. „Eine Verringerung der Belastungen für die einheimische Bevölkerung ist zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.“

Mieten steigen, Einheimische werden verdrängt

Wie tief die Verbitterung reicht, beschreibt die Inselzeitung „Diario de Mallorca“. „Das Problem sind nicht ein paar Schmierereien. Das Problem liegt sehr viel tiefer“, kommentierte das Blatt. Auf jede angebotene Mietwohnung kämen auf den Balearen fast 160 Interessenten. Die Durchschnittsmiete liege inzwischen bei mehr als 1678 Euro im Monat – höher als in jeder anderen spanischen Region.

„Tausende Einwohner müssen verzweifelt darum kämpfen, ein Dach über dem Kopf zu bekommen.“ Und: Seit Jahren beklagten Einwohner, „dass sie kein eigenes Zuhause finden können, aus ihren Vierteln verdrängt werden, täglich mit Vandalismus, Lärm oder rücksichtslosem Verhalten leben müssen und ihr Lebensentwurf hinter einem außer Kontrolle geratenen Immobilienmarkt verschwindet“.

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