Millionen unter Generalverdacht: Schwere Vorwürfe wegen Merz-Plänen zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

„Grenzt an Irrsinn“: Linke und Ärzte laufen Sturm gegen Ende der Telefon-AU

Stand: 21.07.2026, 13:11 Uhr

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Die telefonische Krankschreibung soll weg, geht es nach der Merz-Regierung. Linke und Ärzteverbände äußern berechtigte Kritik.

Dresden – Dem Kabinett von Friedrich Merz sind die Deutschen zu häufig krank. Um den Krankenstand zu senken, will die schwarz-rote Regierung die Krankschreibung ab dem ersten Tag einführen. Und die telefonische Krankschreibung streichen, die in Zeiten von Corona zur Entlastung der Arztpraxen und Minderung der Ansteckungsgefahr eingeführt worden war. Gegen diese Pläne laufen nicht nur Ärztinnen und Ärzte Sturm, sondern jüngst auch die Linke in Sachsen-Anhalt.

Telefonische Krankschreibung

Die Merz-Regierung will die telefonische Krankschreibung abschaffen. (Symbolbild) © Hannes P Albert/dpa

Telefonische Krankschreibung: Linke in Sachsen-Anhalt stellt sich gegen Vorhaben

Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag hat die sächsische Landesregierung in einem Antrag aufgefordert, den Plänen der Bundesregierung zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung auf Bundesebene nicht zuzustimmen. „Wer sich krank fühlt, muss sich bald um einen Arzttermin kümmern und den mitunter langen Weg zur Praxis auf sich nehmen, statt auszuruhen. Das kann Erkrankungen verschlimmern oder die Genesung verzögern“, erklärte Fraktionschefin Susanne Schaper, die selbst gelernte Krankenschwester ist. Schaper warf der Bundesregierung vor, mit ihren Plänen Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter Generalverdacht zu stellen.

Die Linkspolitikerin zeichnet ein düsteres Bild für die kommenden Monate: „Ich mag noch gar nicht an die nächste Erkältungssaison denken. Auch der Druck auf Notfallaufnahmen und Bereitschaftsdienste dürfte weiter zunehmen. Außerdem steigt die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, wenn die Regierung vermeidbare Kontakte erzwingt.“ Wer krank zur Arbeit erscheine, um sich einen Arztbesuch zu sparen, könne dort weitere Kolleginnen und Kollegen anstecken – und so paradoxerweise den Krankenstand insgesamt erhöhen. Besonders bei Fieber, Migräne oder Magen-Darm-Infekten sei die Attestpflicht ab dem ersten Tag kaum zumutbar.

Telefonische Krankschreibung soll weg: „Grenzt an Irrsin“

Rückendeckung bekommt Schaper von den ärztlichen Verbänden, die laut der Fraktionschefin zu Recht gegen die Pläne mobilmachten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wird von ihr mit deutlichen Worten zitiert: „Es grenzt zudem an Irrsinn, abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.“

Die telefonische Krankschreibung war sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch bei medizinischem Personal beliebt. Etwa der Hausärzteverband Hessen lobte noch im Dezember 2025 auf seiner Website: „Als Hausärzteverband haben wir lange für die Wiedereinführung der telefonischen AU gekämpft. Wir begrüßen es, dass diese Möglichkeit jetzt wieder gegeben ist. Die telefonische Krankschreibung wird natürlich nicht alle Probleme in den derzeit extrem vollen Praxen lösen, kann aber kurzfristig für eine spürbare Entlastung sorgen“, wurde der Verbandsvorsitzende Christian Sommerbrodt zitiert. Eine Abschaffung hätte fatale Folgen, warnt eine Hausärztin.

Die erstmalige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann telefonisch höchstens bis zu fünf Kalendertage ausgestellt werden. Für eine Folgebescheinigung müssen Erkrankte die Praxis aufsuchen. Bis zur Umsetzung der Koalitionspläne bleiben die aktuellen Regelungen bestehen. (Quellen: dpa, Hausärzteverband Hessen) (ial)