„Gewinne über Menschen“: Google-Beschäftigte protestieren – und fordern Abfindungen vor Kündigungen
„Gewinne über Menschen“: Google-Beschäftigte protestieren gegen Entlassungswellen
Stand: 17.07.2026, 13:16 Uhr
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Die Alphabet Workers Union bezeichnet die Petition angesichts der anhaltenden Entlassungswellen als „das größte Mitarbeiterfeedback, das Google zum Thema Arbeitsplatzsicherheit erhalten hat“.
Mountain View, Kalifornien – Mehr als 100 Google-Beschäftigte demonstrierten am Donnerstag vor dem Firmensitz in Mountain View und forderten verbindliche Garantien für ihre Arbeitsplatzsicherheit sowie besseren Schutz vor Entlassungen. Sie übergaben eine Petition mit mehr als 4.500 Unterschriften an CEO Sundar Pichai und weitere Führungskräfte.
Darin verlangen sie garantierte Abfindungen, freiwillige Austrittsprogramme vor verpflichtenden Stellenstreichungen sowie die Möglichkeit, eine Abfindung in Form einer verlängerten bezahlten Freistellung zu erhalten. Außerdem fordert die Petition ein Ende quotengesteuerter Leistungsbewertungen zugunsten leistungsorientierter Beurteilungen.
Die Demonstration wurde von der Alphabet Workers Union organisiert. Deren Präsidentin Parul Koul bezeichnete die Petition laut The Guardian als „das größte Mitarbeiterfeedback, das Google zum Thema Arbeitsplatzsicherheit erhalten hat“, und sagte: „Diese Entlassungen und Kürzungen sind keine schwierigen Entscheidungen, sondern lediglich ein Beispiel dafür, dass Gewinne über die Menschen gestellt werden, die dieses Unternehmen am Laufen halten.“
Anhaltende Entlassungen und längere Arbeitszeiten
Nach Angaben der Beschäftigten spiegelt die Kampagne die wachsende Sorge über anhaltende Entlassungswellen und längere Arbeitszeiten wider. Manche Mitarbeiter fühlten sich gezwungen, mehr zu arbeiten, um schlechte Leistungsbewertungen zu vermeiden. Die Petition fordert das Management auf, verbindliche Schutzmaßnahmen einzuführen, die Beschäftigten vor verpflichtenden Stellenstreichungen klare Wahlmöglichkeiten einräumen.
Dazu gehören das Recht, freiwillige Austrittsprogramme in Anspruch zu nehmen, sowie die Möglichkeit, Abfindungen in Form einer bezahlten Freistellung zu erhalten. Zudem verlangen die Beschäftigten, dass Leistungsbewertungen stärker den tatsächlichen Beitrag und konkrete Ergebnisse berücksichtigen als Ziele, die sie als quotengesteuert bezeichnen. Dies würde es den Mitarbeitern ermöglichen, neue Ideen und Innovationen einzubringen, ohne befürchten zu müssen, dass Prozesskennzahlen über ihre Zukunft entscheiden.
Zehntausende Stellen abgebaut
Der Hintergrund sind die Massenentlassungen bei Alphabet im Jahr 2023, als 12.000 Stellen gestrichen wurden. Seitdem folgten weitere kleinere Entlassungsrunden. Die Maßnahmen sind Teil eines branchenweiten Stellenabbaus, bei dem große Technologiekonzerne wie Meta, Amazon und Microsoft seit 2022 gemeinsam Zehntausende Arbeitsplätze abgebaut haben. Alphabet beschäftigt derzeit knapp 191.000 Menschen.
Nach Angaben der Gewerkschaft hat das Unternehmen seit Beginn der Kampagne mehr als 70.000 Beschäftigten freiwillige Austrittsprogramme angeboten. Dies verdeutliche sowohl das Ausmaß des Wandels innerhalb der Belegschaft als auch die Bereitschaft einiger Mitarbeiter, das Unternehmen zu ausgehandelten Bedingungen zu verlassen.
Die Gewerkschaft verweist zudem auf das Wachstum und die Unternehmensbewertung von Google in den vergangenen Jahren. Der Börsenwert des Unternehmens habe inzwischen rund vier Billionen Dollar (etwa 3,4 Billionen Euro) erreicht und sich innerhalb von sechs Jahren ungefähr vervierfacht. Daraus leiten die Gewerkschaftsvertreter ihre Forderung ab, dass die Profitabilität nicht wichtiger sein dürfe als die Beschäftigten hinter den Produkten und Dienstleistungen.
Investitionen in KI
Google bezeichnet künstliche Intelligenz als einen zentralen Bestandteil seiner Unternehmensstrategie. Bei der jüngsten Vorlage der Geschäftszahlen nannte Finanzchefin Anat Ashkenazi KI als einen der wichtigsten Investitionsbereiche und kündigte weitere Einstellungen sowie eine Ausweitung der Marketingunterstützung für die Technologie an.
Die Beschäftigten argumentieren, dass der Fokus auf Investitionen in künstliche Intelligenz und Effizienzmaßnahmen von klaren und dauerhaften Schutzmechanismen begleitet werden müsse, die ihnen Stabilität und Wahlmöglichkeiten bieten, wenn Teams umstrukturiert oder verkleinert werden.
Bereits 2018 mobilisierten Google-Beschäftigte gegen Project Maven, ein KI-Projekt des US-Militärs. Im selben Jahr organisierten sie einen Protest wegen Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens. 2024 protestierten einige Mitarbeiter gegen Project Nimbus, einen Cloud-Vertrag. Die Aktion führte zu Entlassungen.
Nach der Übergabe der Petition berichteten die Beschäftigten, sie seien auf verschlossene Türen und kaum Reaktionen des Managements gestoßen. Zugleich erklärten sie, weiterhin zu Gesprächen mit der Unternehmensführung bereit zu sein. (Redaktion)